Gontenschwil

Nach 62 Jahren: Kaufmann Schuh Shop schliesst sein Ladenlokal

Sandalen, Pumps oder Halbschuhe. Über 60 Jahre bot die Familie Kaufmann an der Gontenschwiler Dorfstrasse Schuhe für jedermann an. Damit ist Ende Juni nun Schluss, zumindest im Dorf.

Melanie Eichenberger
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Susanne und Markus Kaufmann wollen noch einmal durchstarten.

Susanne und Markus Kaufmann wollen noch einmal durchstarten.

Melanie Eichenberger

Der Laden leert sich langsam, in den Regalen bilden sich Lücken. Teil-Ausverkauf. Trotzdem herrscht Aufbruchstimmung: Susanne (59) und Markus (60) hören nicht auf, sie werden in Zukunft ihre Schuhe an den Warenmärkten feilbieten.

Die Familie Kaufmann kann auf eine lange Tradition und viel Erfahrung in Sachen Schuhe zurückschauen. Vater Kurt Kaufmann Senior hat in der Administration bei Bally in Schönenwerd gearbeitet, bevor er 1947 sein Schuhgeschäft in Gränichen eröffnete. «Damals ging Vater mit einem Koffer voller Schuhe hausieren», sagt der Sohn Markus Kaufmann. Neun Jahre später siedelte der Vater mit der ganzen Familie nach Gontenschwil über, wo er bald die Liegenschaft an der Dorfstrasse erwarb. Bis heute wurden an diesem Ort Schuhe angeboten – mittlerweile in der zweiten Generation. Bruder Kurt Kaufmann übernahm 1979, Markus stieg ein Jahr später ein.

Schuhe spielen wichtige Rolle

Das Schuhbusiness hat schon bald zwei Familien ernährt. Einerseits mit dem Laden in Gontenschwil, andererseits mit den Marktständen. «Zu Spitzenzeiten waren wir an 180 Märkten pro Jahr», sagt Markus Kaufmann. Alle hätten im Geschäft mitgeholfen: Kurt, Markus, die beiden Ehefrauen und sogar die Schwester. Susanne und Markus Kaufmann haben mittlerweile drei erwachsene Kinder. «Susanne war meistens im Laden, als die Kinder noch klein und wir auf den Märkten waren», sagt Markus Kaufmann. Schuhe spielten in der Beziehung des Ehepaars denn auch von Anfang an eine wichtige Rolle. Kennen gelernt haben sich die beiden bei Bally in Zürich, dort wo sich heute der grosse Zara befindet. Er in einer Kaderweiterbildung, sie im Verkauf.

Das Business im Allgemeinen und das Konsumverhalten in der Bevölkerung im Besonderen haben sich in den letzten Jahren stark verändert. «Heute tragen fast alle nur noch Sneakers», sagt Kaufmann. Er selbst gehöre ja auch dazu, fügt er schmunzelnd an. Die Veränderungen auf dem Markt kriegten auch die Kaufmanns zu spüren. Und so haben sie sich schweren Herzens entschieden, nachdem Bruder Kurt Ende 2017 definitiv in Pension ging, das Ladenlokal in Gontenschwil per Ende Juni zu schliessen. «Nur dank dem Marktgeschäft haben wir überhaupt eine so grosse Auswahl in Gontenschwil anbieten können», sagt Kaufmann. Der Wechsel im Schuhsortiment sei immer schneller geworden. Auf Laufkundschaft im Dorf konnte man kaum zählen. «Unsere Stammkunden haben wir von den Warenmärkten», sagt Susanne Kaufmann.

Als Marktfahrer unterwegs

Und deshalb liegt es nahe, dass die beiden nun ganz auf das Marktgeschäft setzen. «Wir wollen nochmals durchstarten», sagt das Ehepaar. An sieben Monatsmärkten und verschiedenen Warenmärkten in der Zentral- und Nordwestschweiz bieten die Kaufmanns ihr Schuhsortiment an. Dieses beziehen sie nach wie vor bei ihren Händlern in Spreitenbach. «Wir kaufen nie Schuhe aus dem Katalog, ohne sie vorher gesehen zu haben», so Kaufmann. Es sei wichtig, dass die Schuhe nicht nur schön, sondern auch bequem seien. Damit seien sie immer gut gefahren. Ein weiteres Erfolgsrezept: «Wir bedienen und beraten unsere Kundschaft – auch am Marktstand», sagt Kaufmann. Das tolle am Marktleben sei, dass man sich immer wieder an einem anderen Ort befinde und so viele Leute kennenlerne.