Muhen

Muhen: Steuern sollen runter, trotz 27-Millionen-Projekt für die Schule

Für nicht weniger als 27 Millionen Franken soll in Muhen die Schulanlage modernisiert werden. Finanziell ist das Projekt verkraftbar, wie der Gemeinderat festhält – obwohl 2014 der Steuerfuss von 115 auf 110 Prozent gesenkt werden soll.

Pascal Meier
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Das Schulhaus Süd (rechts) inkl. Turnhalle (links) soll abgerissen und neu gebaut werden.

Das Schulhaus Süd (rechts) inkl. Turnhalle (links) soll abgerissen und neu gebaut werden.

Neu- und Umbau: Das ist geplant

Dass auf der Müheler Schulanlage Handlungsbedarf besteht, ist unbestritten. Erstens wird der Platz knapp: Für das Schuljahr 2015/16 werden 23 Klassen erwartet, 3 mehr als 2011/12. Auch braucht die Primarschule mit dem Wechsel auf das Schulmodell 6/3 ab 2014/15 mehr Räume.

Zweitens ist die Schul-Anlage zum Teil stark veraltet und in schlechtem Zustand. «Alle Mängel aufzuführen, würde den hier Rahmen sprengen», sagte Gemeindeammann Cornelia Wüthrich am Infoabend zum Mammut-Projekt, der am Montag viele Interessierte in die Turnhalle Süd lockte. Just diese Halle muss genauso dringend saniert werden wie das angebaute Schulhaus Süd. Der Gesamtbau strotzt zudem nur so von Sicherheitsmängeln und ist zu wenig funktionell für den modernen Schulbetrieb. Die Lösung: Schulhaus und Turnhalle Süd sollen abgerissen und durch einen Neubau mit Doppel-Turnhalle ersetzt werden. Des weiteren möchte der Gemeinderat die Schulhäuser Ost und Nord sowie das Mehrzweckgebäude sanieren, umbauen und für den Schulbetrieb optimieren. So fehlen heute unter anderem Gruppenräume. Überhaupt möchte man den Schulbetrieb mit dem Gesamtprojekt räumlich neu organisieren: Die Oberstufe soll im Schulhaus Nord konzentriert werden, die Mittelstufe im Schulhaus Ost und die Unterstufe im Neubau Schulhaus Süd.
Bereits klar ist auch der ungefähre Zeitplan: Die neue Schulanlage soll 2018/2019 in Betrieb genommen werden. Als nächster Schritt ist an der Gemeindeversammlung vom 22. November ein Verpflichtungskredit von 1,8 Millionen Franken traktandiert, um die Projekte zu erarbeiten. (pi)

Auch wenn die 27,9 Millionen erst eine grobe Schätzung sind und das Projekt noch nicht vorliegt: Das ist ein grosser Brocken für die Gemeinde mit rund 3700 Einwohnern, die zudem 2014 den Steuerfuss von 115 auf 110 Prozent senken will. «Wir haben trotzdem ein gutes Gefühl, weil alles sauber analysiert wurde», sagt im az-Interview Gemeinderat Andreas Urech, zuständig für die Finanzen und ab 2014 neuer Gemeindeammann von Muhen.

Herr Urech, Steuerfuss runter und Investitionen von 27 Millionen am Horizont. Geht das zusammen?
Andreas Urech:
Wir hatten in den vergangenen Jahren sehr gute Abschlüsse. Weil auch andere anstehende Investitionen in der Finanzplanung berücksichtigt sind, möchte der Gemeinderat den Steuerfuss 2014 senken. Ein weiterer wichtiger Punkt: Mit der Umstellung auf das Rechnungsmodell HRM2 per 2014 müssen Aargauer Gemeinden nicht mehr 10 Prozent auf einen Schlag abschreiben, sondern über die effektive Nutzungsdauer. Im Fall unserer Schul-Neubauten sind das 40 Jahre. Die Abschreibungen für diese Investitionen von geschätzten 27 Millionen werden uns zudem erst mit der Vollendung des Projektes treffen, also voraussichtlich 2018/19. Damit fallen wesentlich tiefere Abschreibungen an, die über längere Zeit abgetragen werden können.

Andreas Urech

Andreas Urech

Zur Verfügung gestellt

Nach altem Modell wäre das Projekt demnach nicht finanzierbar?
Das ist bedingt richtig. Nach altem Rechnungsmodell hätten wir auf einen Schlag 10 Prozent von 27 Millionen Franken abschreiben müssen, das heisst 2,7 Millionen. Zum Vergleich: In den vergangenen Jahren hatten wir Ertragsüberschüsse von 1 bis 1,5 Millionen. Wir hätten damit Aufwandüberschüsse generiert, die als Bilanzfehlbetrag abgetragen werden müssten.

Damit ist das neue Rechnungs-Modell für Muhen ein Glücksfall.
Es kommt uns entgegen. Aber: Wir sprechen hier aber nicht von einem buchhalterischen Trick. Die finanzielle Situation der Gemeinde verändert sich durch die Umstellung auf HRM2 nicht grundlegend. Mit dem neuen Modell werden jedoch Investitionen endlich der effektiven Nutzungsdauer gegenübergestellt. In der Privatwirtschaft ist das längst üblich.

Dennoch: Übernimmt sich Muhen nicht mit diesem 27-Mio.-Projekt?
Nein, wir haben dieses seriös analysiert. In den nächsten Jahren rechnet der Gemeinderat weiterhin mit Ertragsüberschüssen. 2013 wird dieser voraussichtlich ca. eine Million betragen, für 2014 ist ein Überschuss von 0,5 Millionen budgetiert – trotz tieferem Steuerfuss. Der Gemeinderat hat ein gutes Gefühl bei dieser Sache.

Wie viel vom Schul-Bauprojekt muss fremdfinanziert werden?
Nach heutigem Stand rechnen wir mit ungefähr 20 Millionen Franken. Wir gehen aber davon aus, dass die heute grob geschätzten Gesamtkosten von 27 Millionen unterschritten werden. Zu diesem Schluss kommt auch ein Zweit-Gutachten. Ohne diese zweite Expertise hätte der Gemeinderat den Schritt nicht gewagt.

Wird der Steuerfuss nicht doch über kurz oder lang wegen des Millionen-Projektes wieder steigen?
Aus heutiger Sicht können wir den neuen Steuerfuss ab 2014 trotz der geplanten Schulneubauten beibehalten – sofern sich die Faktoren in unserer Finanzplanung nicht wesentlich ändern. Das ganze natürlich unter der Voraussetzung, dass die Gemeindeversammlung am 22. November dem Budget 2014 mit einem neuen Steuerfuss von 110 Prozent zustimmt.