Muhen
Einst standen hier Leute mit Fackeln, um den Einzug von Asylbewerbern zu verhindern – jetzt wird die «Waldeck» ein Pop-up-Bistro

Ab Juni wollen fünf lokale Jungunternehmer mit eigener Bierbrauerei das Gebäude zwischennutzen. Wie lange genau, ist noch ungewiss.

Flurina Dünki
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Der ehemalige Gasthof Waldeck in Muhen soll jetzt als Bistro zwischengenutzt werden.

Der ehemalige Gasthof Waldeck in Muhen soll jetzt als Bistro zwischengenutzt werden.

Flurina Dünki / Aargauer Zeitung

Das ehemalige Restaurant Waldeck in Muhen, das 2016 wegen der Fackel-Mahnwache gegen die Umnutzung zur Asylunterkunft zu nationaler Berühmtheit kam und zuletzt den Primarschülern während des Schulhausbaus als Provisorium diente, erhält einen neuen Zweck. Nachdem die Müheler den Kauf des baufälligen Gebäudes an der Gemeindeversammlung im November 2018 ablehnten - der Preis von 2,5 Millionen Franken war ihnen zu hoch - soll es jetzt zur Pop-up-Brasserie werden. Und das schon ab dem 1. Juni.

Am 29. November 2016 hielten 500 Personen vor dem Gasthof Waldeck eine Mahnwache mit Fackeln.

Am 29. November 2016 hielten 500 Personen vor dem Gasthof Waldeck eine Mahnwache mit Fackeln.

Luis Hartl / AAR

Die Idee, die Gastro-Tradition der «Waldeck» vorübergehend wieder aufleben zu lassen, hatten die Köpfe hinter der Hoperia GmbH: Die Jungunternehmer Daniel Heer (40), Florian Brunner (28), Pascal Hunziker (28), Marco Jost (28) und Andreas Siegrist (28), die in Aarau, Oberentfelden und Muhen wohnen und alle beim FC Muhen Fussball spielen. Sie betreiben seit Kurzem den Online-Shop "the craftbeer store", wo sie unter anderem selbstgebrautes Bier von Daniel Heers Mikrobrauerei Heero anbieten. Dafür hat sich Pascal Hunziker im März für einen Wirtepatent-Kurs angemeldet und möchte bis Ende Jahr die Wirteprüfung ablegen.

Ein Bistro, bis die «Waldeck» abgerissen wird

Sie wollen die «Waldeck» gemäss Baugesuch als Bar und Bistro nutzen und so gemäss Beschrieb im Baugesuch ein «weiteres Standbein» nebst dem Bierverkauf schaffen. Dies für die nächsten eineinhalb bis zweieinhalb Jahre, bis die heutige Eigentümerin, die Amazam AG aus Baar, mit dem Abriss des Gebäudes und einer Überbauung starten will. Die Überbauung soll erst angegangen werden, wenn die Zentrumsplanung von Muhen fertiggestellt ist. Zwei Speisesäle à 50 Personen werden dazu wiederbelebt und auch ein Shop ist gemäss Bauplan vorgesehen - wo offenbar die sonst nur online erhältlichen Biersorten gekauft werden können. Die Kosten fallen mit 20’000 Franken minimal aus, da die Restaurant-Infrastruktur schon vorhanden ist. Grob gesagt sollen die Schulzimmer wieder zu einer Gaststube gemacht werden, indem Einbauwände entfernt und Durchgänge geöffnet werden.

Nebst dem Bier sollen auch Snacks wie Sandwiches oder Toasts angeboten werden. Der Aussenbereich soll im Sommer als Gartenbeiz genutzt werden. Um kein Parkier-Chaos zu verursachen, soll die Zu- und Wegfahrt zu den 19 Parkplätzen im Einbahn-Regime erfolgen. Werktags bliebe das Bistro bis Mitternacht, freitags und samstags bis 2 Uhr und sonntags bis 22 Uhr geöffnet.

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