Reinach

Im «Schneggen» in Reinach liegt die Messlatte hoch

Im vergangenen Herbst wurde der «Schneggen» in Reinach neu eröffnet. Gastro-Profis und Klienten der der Stiftung Lebenshilfe arbeiten dort Hand in Hand. Die Gäste loben das Essen und den speditiven Service.

Peter Siegrist
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Sie alle sorgen sich um das Wohl der Gäste im Hotel und Restaurant Schneggen. Vorne rechts die neue Chef de Service, Rebecca Keller.Peter Siegrist

Sie alle sorgen sich um das Wohl der Gäste im Hotel und Restaurant Schneggen. Vorne rechts die neue Chef de Service, Rebecca Keller.Peter Siegrist

Der «Schneggen» Reinach empfängt seit 8. November 2011 wieder Gäste im Restaurant und Hotel. Nach längerem Unterbruch hat die Stiftung Lebenshilfe als Pächterin den Betrieb von der Gemeinde übernommen.

Aus der Sicht der Gäste ist der «Schneggen» ein gängiger Restaurationsbetrieb mit komplettem Angebot. Die Stiftung führt den «Schneggen» aber als Integrationsbetrieb mit geschützten Arbeitsplätzen für Menschen mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen sowie IV- und Anlehrstellen in Service, Küche und Hauswirtschaft.

Gastro-Profis und Klienten der Lebenshilfe arbeiten Hand in Hand. Nach den ersten Wochen zeigt sich, hier in der Gaststube treffen eigentlich Gäste, Ökonomie und Sonderpädagogik aufeinander.

Es gibt keinen Lebenshilfe-Bonus

Gemessen wird der «Schneggen» von den Gästen an der Qualität des Angebots, dem Essen und dem Service. «Da gibt es keine Abstriche zuzulassen», sagt Martin Spielmann, Geschäftsleiter der Lebenshilfe (LH). «Und die Ökonomie verlangt, dass wir das Haus wirtschaftlich betreiben.» Die nackten Zahlen geben das Ziel vor: «Rund eine Million Umsatz pro Jahr sollte auf dem Schneggen erwirtschaftet werden», erklärt Spielmann. Davon werden Betriebskosten, Löhne und der Pachtzins an die Gemeinde Reinach bezahlt, die den Zins gleich wie schon bei den Vorgängern umsatzabhängig gestaltet.

Jetzt nach den ersten Betriebsmonaten liegt das Ziel noch in der Ferne. «Wir stehen etwa bei 70 Prozent», sagt Spielmann und fügt an, dass sich die LH rund zwei Jahre Zeit gibt.

Im Moment fünf Klienten

Gegenwärtig arbeiten drei Klienten in der Küche und je eine Klientin im Service und in der Hotellerie. Die übrigen Angestellten sind Gastro-Profis. Der Anteil an betreutem Personal wird mittelfristig auf 10 gesteigert. Es ist so geregelt, dass IV oder Kanton für Mehrkosten für Betreuung aufkommt. Der grösste Teil der Lohnkosten ist jedoch im Betrieb zu erwirtschaften.

Der Start im November war nicht einfach gewesen, weil damals der gewählte Gastroleiter krank wurde und die Stelle nicht antreten konnte. Der Kern von Service- und Küchenteam steht nun, die Leitung vor Ort ist jetzt in den Händen von Rebecca Keller, Chef de Service und Küchenchef Kapila Abeysuriya. Die Managementverantwortung liegt ad interim bei Rossella Torre. «Mittelfristig, wenn die Aufbauarbeit erfolgt ist, sehen wir uns nach einem Leiter Gastronomie um», erklärt Spielmann.

Gemeindeammann Martin Heiz ist zufrieden: «Die sind auf Kurs, und ich freue mich, wenn mit der Eröffnung der Gartenwirtschaft noch mehr Gäste kommen. Céline Bigler, die einen geschützten Arbeitsplatz Service belegt, sagt: «Ich freue mich, wenn die Gäste kommen und ich sie bedienen kann, das macht Spass.»

Und was hört man von den Gästen? Viele loben das Essen und den speditiven Service. Martin Spielmann wünscht sich noch mehr Gäste, «die Kapazität tagsüber und abends haben wir, und ein aufgestelltes Team freut sich, seine Gäste im Restaurant oder in den Sälen zu verwöhnen.»