Filmkulisse

Hollywood-Dreh im Surental: Wenn plötzlich der Orient-Express vorbeidampft

Johnny Depp, Michelle Pfeiffer und Penélope Cruz sind die Hauptdarsteller in der Neuverfilmung von «Mord im Orient-Express». Für einige Tage wurden die Leinwandstars aber von der Dampflokomotive 241-A-65 auf der Strecke Sursee-Triengen in den Schatten gestellt.

Raphael Nadler und Martin Zürcher
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«So eine Dampflok habe ich noch nie gesehen», sagt Christoph Portmann aus Triengen. «Schon gar nicht auf der Privatstrecke Triengen-Sursee.» Der Surentaler hatte schnell bemerkt, dass es sich hier um etwas Spezielles handelt, als am Donnerstag plötzlich die dampfende 241-A-65 in Triengen einfuhr.

Die Filmklappe beweist: Beim hier gedrehten Film handelt es sich um die Neuverfilmung des Klassikers «Mord im Orient-Express».
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Die Dampflok 241-A-65 war während vier Tagen auf der Strecken Triengen-Sursee für Dreharbeiten an einem Hollywood-Streifen im Einsatz.
Immer wieder fuhr die Dampflok die fahrleitungsfreie Strecke Triengen-Büron für die Filmarbeiten.
Gegen 30 Personen eines französischen Filmteams waren für die Dreharbeiten und die Sicherheit entlang der Strecke im Einsatz.

Die Filmklappe beweist: Beim hier gedrehten Film handelt es sich um die Neuverfilmung des Klassikers «Mord im Orient-Express».

Christoph Portmann

Mit seiner Foto- und Videokamera verfolgte er darauf das ständige Hin- und Her der grössten noch betriebsfähigen Dampflok Europas zwischen Triengen und Büron. «Alle Beteiligten auf dem Set schwiegen, ansonsten hätten sie saftige Bussen in bis zu siebenstelliger Höhe bezahlen müssen», weiss ein Insider, der immer wieder versuchte mit der französischen Film- und der Schweizer Zugcrew ins Gespräch zu kommen.

Seine Geduld, vor Ort auszuharren, wurde belohnt. «Beim Vergrössern meiner Fotos am Bildschirm konnte ich auf der Filmklappe den Namen des Streifens erkennen, der hier gedreht wurde.» Es handelt sich um die Neuverfilmung des Klassikers «Mord im Orient-Express» nach dem Buch von Agatha Christie.

Gepflegt und originalgetreu

Vielen Schaulustigen erging es wir Christoph Portmann, dessen Augen beim Anblick der fast 27 Meter langen französischen Dampflokomotive speziell zu leuchten begannen. Die altehrwürdige Maschine, die vom «Verein 241-A-65» gehegt und gepflegt wird und im Besitz von Dieter Holliger aus Boniswil ist, sah bei den Dreharbeiten noch mindestens so gepflegt und originalgetreu aus wie im Baujahr 1925 – nur die Gestelle und Kameras für die Aufnahmen stammen aus der jetzigen Zeit.

Während dreier Tage drehte das französische Filmteam Plus de Prod aus Lyon die Fahrten des «Dampfrosses» aus den verschiedensten Winkeln. Mehrere Male setzte sich der Zug in Triengen in Bewegung und fuhr bis Büron und anschliessend wieder rückwärts an den Startort.

«Leider dürfen wir zu den ganzen Filmaufnahmen keine Auskunft geben», hiess es auch Tage nach Beendigung der Dreharbeiten vonseiten der Lokbesitzer, wie auch von den Betreibern der Bahnstrecke Sursee-Triengen. Auch wenn verschiedene Schaulustige am Drehort Stars wie Johnny Depp, Michelle Pfeiffer oder Penélope Cruz gesehen haben wollen, vor Ort war niemand von ihnen.

Johnny Depp: Spielt zwar im Film mit, war aber nicht im Surental.

Johnny Depp: Spielt zwar im Film mit, war aber nicht im Surental.

Keystone/AP Invision/RICHARD SHOTWELL

Der Star raucht nicht, er dampft

Der Star in Triengen war die eindrückliche 241-A-65, die im Film auch zu sehen sein wird. Sie ist eine der letzten Lokomotiven, die den Orient-Express zwischen Basel und Paris gezogen hat. Das Trassee der Sursee-Triengen-Bahn wurde unter anderem als Drehort ausgewählt, weil keine elektrischen Fahrleitungen vorhanden sind, eine Parallelstrasse entlang der Gleise ideale Filmaufnahmen ermöglicht und auf der Linie kaum Verkehr herrscht.

Auf der Privatbahnstrecke wird nicht zum ersten Mal gefilmt. Bereits in einem Sherlock-Holmes-Streifen kommt die Sursee-Triengen-Bahn vor. Am 23. November ist Premiere von «Mord im Orient-Express». Im Surental ist man gespannt, wie viel im Film von ihrer Landschaft zu sehen sein wird.

Der nostalgischen Bahn geht die «Kohle» aus

Einige Idealisten haben sich zum Ziel gesetzt, die für die Erhaltung der Fahrtüchtigkeit erforderlichen finanziellen Mittel mit der Trägerschaft «Verein Sursee-Triengen Bahn Historic» zu generieren. Bis zum Jahr 2020 wollen sie nötige 1 Million Franken für die Renovation von zwei Dampfloks und mehreren Wagen mit vier Teilprojekten beschaffen. Die Gönner verstehen sich als Freunde der Dampfbahn Sursee-Triengen und leisten einen finanziellen Beitrag zur Erhaltung dieses historischen Kulturgutes. Als Gegenleistung werden die Gönner im Jahr 2018 zu einer exklusiven Gönnerfahrt mit dem Dampfzug (Triengen-Sursee-Triengen) eingeladen. 
www.sursee-triengen-bahn.ch