Ruedertal
Ein Filmstar aus Stein feiert 100 Jahr-Jubiläum

Das Schulhaus Schiltwald feierte seinen hundertsten Geburtstag mit drei neuen Fahnen. Dutzende von Ehemaligen, Schüler, Lehrpersonen, andere Bedienstete, feierten mit.

Peter Weingartner
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Welches Schulhaus kann von sich behaupten, in einem Film die Hauptrolle zu spielen? Und welches Schulhaus ist auf einem Buchumschlag zehntausendfach über den Tresen gegangen? Richtig: das Schulhaus Schiltwald zuoberst im Ruedertal.

Am Wochenende feierte das Schulhaus, dem Hermann Burger 1976 mit seinem Roman «Schilten» ein Denkmal gesetzt hat, seinen 100. Geburtstag. Fotos und Dokumente sind zu sehen, so die Abrechnung über den Schulhausneubau von 1912 und das Herbarium von Lehrer Paul Müller aus den Jahren 1929/30. Aber keine Hermann-Burger-Ecke.

Man mag Burger nicht überall im Ruedertal. «Das Buch allein hätte nichts gemacht», sagt der ehemalige Gemeindeammann Hansruedi Würgler, doch der Film von Beat Kuert, 1979 in diesem Schulhaus gedreht, sei vielen in den falschen Hals geraten. Obwohl Einheimische mitgespielt haben. Das Ruedertal als Tal der Stündeler.

Erinnerungen kommen hoch

Dutzende von Ehemaligen, Schüler, Lehrpersonen, andere Bedienstete, feiern mit. «Das war unser Zimmer», sagt eine jüngere Frau. Und «Elsi», während 17 Jahren Köchin und Frau für alle Fälle im Schulhaus, wird geherzt. Da kommen Erinnerungen hoch, auch bei Markus Kirchhofer, selber Lehrer. Hier sei individuell gefördert und gefordert und eine integrative Pädagogik samt Frühenglisch (in Liedern) gelebt worden.

Schulhaus bleibt Schule

Von 1912 bis 1976 diente das Schulhaus für die Primarschule im Ortsteil Walde der Gemeinde Schmiedrued. 1978 wurde das Haus an die Familie Kägi verkauft, die 20 Jahre lang eine Privatschule («demokratisch-kreative Schule») führte. Die «Stiftung Sonderschule Walde» existiert seit dem Jahr 2000. Seit 2004 führt Liliane Brunner mit rund 22 Mitarbeitenden die Institution mit zwei Wohngruppen für Kinder der Unter- und Mittelstufe. (wpo)

Jannis Zinniker, Kirchhofers Lehrer, hat 1967 bis 1972 hier unterrichtet. «Du Lehrer, chasch mer no d Schue binde?», habe ihn ein Schüler am ersten Schultag gefragt. Die familiäre Atmosphäre präge auch den Alltag heute, 40 Jahre später. «Hoi, Jonathan» - so werde er begrüsst, wenn er die Schule besucht, sagt der Präsident des Stiftungsrats, Jonathan Müller. Er lobte die Sonderschule für den guten Geist, die Kindern, die es etwas schwerer hätten, eine Heimat biete.

In Zinnikers Zeit fielen übrigens auch die ersten Besuche eines gewissen Hermann Burger in diesem Schulhaus, das einen Blick bis in die Jurahöhen eröffnet. «Auch Erika Burkart, Hans Bösch und Silvio Blatter waren hier», erinnert sich Zinniker, selber ein Mann des Wortes. Vor 100 Jahren wurde das Schulhaus für 104 003.60 Franken gebaut, weiss Gemeindeammann Thomas Häfliger. Das entspreche heute etwa einer Million. «Spartanisch, aber zweckmässig», ein gutes Motto auch für die Gegenwart. Er schenkte der Sonderschule eine Gemeindefahne, Antonio Gallego vom BKS jene des Aargaus, und Sasa, Melina und Timo von der Sonderschule durften sie, zusammen mit der Fahne der Sonderschule, am Samstagnachmittag hochziehen.

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