Uerkheim
Diese Studentin befasst sich mit indischer Geschäftspraxis

Die Studentin Selina Widmer hat ein Kennenlernprojekt für die indische Kultur und Geschäftspraxis mitorganisiert.

Michael Flückiger
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Selina Widmer nimmt aus Indien eine Fülle von Eindrücken mit – um das Kaschmirtuch hat sie gefeilscht.

Selina Widmer nimmt aus Indien eine Fülle von Eindrücken mit – um das Kaschmirtuch hat sie gefeilscht.

Indien ist zunächst einmal riesig, vielfältig und aus Sicht von wohlgeordneten Schweizern unheimlich chaotisch. Ökonomen vergleichen die Wirtschaft des 1,3-Milliarden-Menschen-Landes gerne mit einem Elefanten – der Grösse und der gemächlich-unaufhaltsamen Entwicklung wegen. Die 23-jährige Uerknerin Selina Widmer hat diesem Elefanten auf den Zahn gefühlt. Über Ostern hat sie mit 20 Mitstudenten der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) dort Niederlassungen von Schweizer Firmen besucht und durfte auch zwei genuin indische Firmen kennenlernen.

Ihr Studienbereich «Internationales Management» führt regelmässig solche Projekte durch. Dieses Mal wollten die Lehrer mit ihren Studenten in Erfahrung bringen, wie es Schweizer Firmen gelingt, vor Ort in den USA, Indien, China und Südostasien gute Fachkräfte für ihre Niederlassungen zu finden. Die Studenten wurden gut vorbereitet. Während einer Woche haben ihnen in Olten Schweizer Experten aus Politik und Wirtschaft die indische Kultur wie auch die indische Geschäftspraxis nähergebracht.

Überbordende Vielfalt

«Die Gerüche, der Lärm, die Geschäftigkeit haben mich beim ersten Besuch im Dezember überwältigt», sagt Selina Widmer. «Beim zweiten Mal habe ich das viel gelöster erlebt.» Im Dreierteam hat sie die Reise unter dem Projektnamen «Focus India» mitorganisiert. Über mehrere Monate hat sie im Vorfeld Firmen abgeklappert. Sie hat versucht CEO’s von Schweizer Firmen mit Indienbezug dafür zu gewinnen, das Studentenprojekt aktiv mit Informationen wie auch mit Geldern zu unterstützen. «Die Leute zu überzeugen, ein Netzwerk aufzubauen, hat mir viel abverlangt. Während Wochen war ich grösstenteils nur damit beschäftigt», sagt sie. Damit sie diesen lehrreichen Sondereffort überhaupt leisten durfte, musste sie ein ordentliches Bewerbungsverfahren an der FHNW im Fachbereich Internationales Management durchlaufen. Sie hat die Aufgabe des Sponsorings gefasst, ihre Kommilitonin Chetna Aggarval hat die Reise mitsamt Programm organisiert und ihre Mitstudentin Rigzin Dotschung das Vorbereitungsseminar.

Mit Hochdruck zum Geld

Hätte Selina Widmer nicht bis Ende November den erforderlichen fünfstelligen Sponsoringbeitrag an die Gesamtkosten von 100 000 Franken aufgetrieben, wäre die Reise nicht zustande gekommen. Ihre Reisegruppe meisterte ein reich befrachtetes Programm in Indien. Angefangen hat alles an einem Freitag mit einem Besuch auf der indischen Botschaft in Delhi. Am Montag darauf tauchte die Gruppe mit dem Besuch des Reisproduzenten Kohinoor in die indische Agrarindustrie ein. «Auch die grossen einheimischen Firmen arbeiten in Indien nach wie vor mit alten Maschinen und verrichten viel Handarbeit», sagt Selina Widmer. Ihr ist aufgefallen, dass die Schweizer Niederlassungen einen höheren Automatisierungsgrad aufweisen. «Sie führen auch nicht gleich hierarchisch, sondern eher nach unserem Modell», sagt die Bachelor-Studentin. Zwei Tage lang besuchte die Gruppe in der Folge Firmen in Bangalore und verbrachte die Ostern in Pune. Dort erhielten die Studenten Einblick bei Sulzer und Burkart Compression. Letztere baut gerade eine eigene Ausbildungsstätte nach Schweizer Modell auf.

«Entweder haben die Leute keine Ausbildung oder kommen mit rudimentären handwerklichen Fähigkeiten direkt von der Universität. Deswegen will Burkart Compression vor Ort Polymechaniker ausbilden», erläutert Selina Widmer. Die Reise fand ihren Abschluss mit Besuchen beim indischen Töffhersteller Bajaj sowie bei Küchengerätehersteller Franke und Schindler Aufzügen.

Die Uerknerin, die diesen Sommer den Bachelor abschliesst und bis zum Master erst mal ein bis zwei Jahre lang arbeiten will, nahm eine Fülle von Eindrücken mit nach Hause. Sie empfand die Inder als überaus gastfreundlich und herzlich. An ihre aufwendige Vorarbeit und den Indienbesuch erinnert sie ein Kaschmirtuch mit indischen Elefanten drauf. Sie hat darum gefeilscht. So wie es in Indien zum guten Ton gehört.

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