Einbussen
Profitieren Blumenläden überhaupt davon, dass sie offen haben dürfen? Das sagen zwei Floristinnen aus der Region

Die Floristinnen Ruth Hunziker (Schöftland) und Fabienne Walti (Seengen) sprechen mit der Aargauer Zeitung über ihr aktuelles Geschäft. Auch wenn sie offen haben, gibt es bei beiden gewisse Einbussen.

Cynthia Mira
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«Blumen sind Balsam für die Seele»: Fabienne Walti (l.) und Annette Müller in der Blumenwerkstatt in Seengen.

«Blumen sind Balsam für die Seele»: Fabienne Walti (l.) und Annette Müller in der Blumenwerkstatt in Seengen.

Britta Gut

Blumen gelten, anders als im Frühling, als Produkte des täglichen Bedarfs. Deshalb dürfen die Läden auch jetzt, während des zweiten Lockdowns, offen halten. Die Floristen dürfen zudem sämtliche Nebenprodukte, die zu einem Blumenladen gehören, verkaufen. Doch profitieren sie überhaupt davon, dass sie weiterblühen dürfen? Die Inhaberin der Blumenwerkstatt in Seengen, Fabienne Walti, und Ruth Hunziker, die Geschäftsführerin des Blumenladens Faes in Schöftland, geben auf diese Frage unterschiedliche Antworten.

Das Bangen um die Anlässe wie die Hochzeiten

«Die Kunden freuen sich, dass sie hier noch einkaufen dürfen», sagt Hunziker. Es gehe vielen auch um das persönliche Gespräch. Blumen würden vermehrt nicht nur als Geschenk oder Mitbringsel, sondern für sich selbst gekauft. Nichtsdestotrotz kämpfe sie mit erheblichen Einbussen. «Wir hängen mit unserer Ware von jenen ab, die momentan geschlossen haben», sagt sie. Die Aufträge von Restaurants, Büros oder Anlässen blieben aus, weil keine Dekoration benötigt würde.

«Unser grösstes Standbein sind Hochzeiten.»

Auch diese Arbeit sei mit Unsicherheit verbunden. Sie hätten zwar Bestellungen, wüssten aber nicht, ob die Feiern dann auch stattfinden würden.

Unterstützung vom Bund oder Kanton gebe es keine, weil sie ja eben geöffnet haben dürfen. Gelder erhielt sie für die sechs Wochen Lockdown im Frühling. Aber auch diesen Kredit müsse sie innert Frist zurückzahlen. Die Freude an den Schnittblumen sei zwar grösser, die Nachfrage sei aber gleichgeblieben. Den Umsatzrückgang könne sie damit nicht ausgleichen.

Sie sei froh über jede Kundschaft und hoffe, dass der neue Webshop ins Laufen komme. Ruht Hunziker übernahm das Geschäft vor zehn Jahren. Sie ist ursprünglich aus der Ostschweiz. Der Laden blickt auf eine hundertjährige Geschichte zurück. 1911 gründete Arthur Faes am heutigen Standort eine Gärtnerei.

In ihr Geschäft dürfen maximal zwei Leute eintreten, obwohl die Ladenfläche mehr Kunden zulassen würde, so Hunziker «Ich möchte, dass sich die Kunden wohlfühlen», sagt die 57-Jährige. Sie erhalte positive Rückmeldungen, dass sie das Schutzkonzept so strikt handhabe.

«Kunden schätzen es, weil es kein Gedränge gibt und wir uns Zeit nehmen können.»

Auch sie lasse sich nicht unterkriegen und freue sich, dass sie mit Farben und Düften etwas Schönes in den Alltag bringen könne.

«Viele wollen sich gegenseitig eine Freude machen»

«Blumen sind Balsam für die Seele», sagt Fabienne Walti. Sie führt ihre Blumenwerkstatt in Seengen seit 2017. Während die Bestellungen für grosse Events auch bei ihr ausbleiben, spürt sie eine grössere Nachfrage im Tagesgeschäft. Schnittblumen seien gefragt.

«Viele wollen sich gegenseitig eine Freude machen und Blumen dienen im Alltag als Aufsteller.»

Zudem liefere sie mehr Blumen aus. So etwa in Altersheime, die Besuche nur eingeschränkt empfangen können.

Engpässe habe es bei ihr nie gegeben und auch sonst komme sie gut durch die Krise. Was sie spüre, sei eine grosse Solidarität. «Ich habe viele Stammkunden, die mich in dieser Zeit unterstützen.» Dafür sei sie dankbar. Sie könne es aber verstehen, dass die Erlaubnis, den Laden zu öffnen, auf Unverständnis stosse, sagt die 34-Jährige. Aber: «Blumen gehören zu den vergänglichen Waren.» Die Bilder, die sie letztes Jahr aus Holland erreicht habe, hätten jedem Floristinnenherz Schmerzen zugefügt. Unzählige Container voller Blumen mussten entsorgt werden. Sie sei deshalb froh, dass die Schweiz die Läden nun offen lasse. «Blumen werden in grossen Gewächshäusern kultiviert.» Wenn die Firmen keine Abnehmer finden, bleibt nur die Entsorgung.

In Fabienne Waltis Laden verstecken sich zwischen Blumen auch Tafeln und Tassen mit Sprüchen oder kleine Elfen. Die Farbtöne sind hell und in Pastellfarben gehalten. «Was mir an meinem Beruf gefällt, ist die unmittelbare Reaktion und die Dankbarkeit.»

Was erwarten die beiden Floristinnen vom Valentinstag? «Ich bin im Ungewissen und lasse mich überraschen», so Walti. Hunziker betont, dass der Tag auf einen Sonntag falle und die Ferien enden würden. Eine Einschätzung sei schwierig. Der Valentinstag sei für das Blumengeschäft, mit oder ohne Pandemie, jedes Jahr ein Risikotag.

Ruth Hunziker hat für das Foto die Maske ausgezogen, hier in ihrem Blumenladen in Schöftland.

Ruth Hunziker hat für das Foto die Maske ausgezogen, hier in ihrem Blumenladen in Schöftland.

Britta Gut