Bezirksgericht Kulm
Vater schickte sein Kind 20 Tage nicht zur Schule: «Ich hatte Angst, dass mein Sohn entführt wird»

Ein Nordmazedonier stand vor dem Bezirksgericht, weil sein Sohn die Schule versäumt hatte. Mit seiner Erklärung, weshalb er das Kind nicht in den Unterricht schickte, konnte er das Gericht jedoch nicht überzeugen.

Cynthia Mira
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Während der Vater des Kindes schuldig gesprochen wurde, erhielt seine Ehefrau vor dem Bezirksgericht Kulm einen Freispruch.

Während der Vater des Kindes schuldig gesprochen wurde, erhielt seine Ehefrau vor dem Bezirksgericht Kulm einen Freispruch.

Britta Gut

Ein Schüler der ersten Oberstufe verpasste im letzten Sommer für knapp drei Wochen den Unterricht. Seine Eltern standen deswegen am letzten Freitag vor dem Bezirksgericht Kulm. Der Vater machte in der Verhandlung keinen Hehl daraus, dass er seinen Sohn bewusst nicht mehr zur Schule schickte. Er sagte:

«Ich musste mein Kind schützen.»

Als Gründe für das Fernbleiben nannte der Nordmazedonier mehrere Auseinandersetzungen mit der Mutter eines Mitschülers: Sie belästige seinen Sohn andauernd. «Ich war mit meinem Sohn im Aldi und diese Frau hat ihren Kindern gesagt, sie sollen uns schikanieren.» Den Stinkefinger habe sie ihnen gezeigt. Und weil er weder von der Polizei noch von der Schulleitung Unterstützung erhalten habe, habe er sich entschieden, den Sohn nicht mehr zur Schule zu schicken. Der Beschuldigte sagte:

«Ich hatte Angst, dass mein Kind von dieser Frau entführt wird.»

Er habe mehrmals ein Gespräch mit ihr führen wollen, aber sie sei von der Schule immer allein eingeladen und befragt worden. Und er habe auch den Antrag gestellt, dass sein Kind umgeteilt und in der Nachbargemeinde zur Schule gehen könne.

Dieser Antrag wurde von der Schule abgelehnt. Zudem führte der Beschuldigte mehrere Streite zwischen dem Sohn und einem weiteren Mitschüler auf. Bekannt wurde an der Verhandlung auch: Der Vater hatte sich nicht nur gegen den Schulstandort gewehrt, sondern auch gegen den Entscheid, dass sein Sohn nach der besuchten Kleinklasse auf Primarstufe auch in der Oberstufe in einer Kleinklasse unterrichtet werde.

Die Mutter des Schulschwänzers, die ebenfalls angeklagt war, schätzte die Situation anders ein. Sie sagte, dass sie von Anfang an gegen den Entscheid des Vaters gewesen sei und ihren Sohn immer zur Schule schicken wollte:

«Ich habe ihm gesagt, dass es wichtig ist zu lernen und ich wollte meinen Sohn motivieren, wieder zur Schule zu gehen.»

Auch die Umteilung in eine andere Gemeinde habe sie nicht unterstützt. Das Paar lebt im selben Haushalt, ist aber getrennt. Der Vater sei nach der Trennung letztes Jahr zurückgekehrt, weil er keine Wohnung finden konnte, sagte sie. Ihre Aussagen liess der Vater aber nicht stehen. Er sagte in seinem Schlusswort:

«Ich akzeptierte diese Meinung meiner Frau nicht, weil ich der Hausmann bin und sie immer arbeitet.»

Er bekomme mit, was mit seinem Sohn in der Schule passiere, sie nicht.

Diese persönliche Einschätzung habe dem Kind vorsätzlich das Recht auf schulische Bildung verwehrt, begründete Gerichtspräsident Christian Märki anschliessend das Urteil: Er sprach den Vater schuldig und die Mutter frei, weil bei ihr kein vorsätzliches Handeln vorlag. Die Staatsanwaltschaft hatte mit 1000 Franken die höchstmögliche Busse für den Vater gefordert.

Märki führte aber aus, dass es das erste Mal gewesen sei, dass der Bub der Schule fernblieb, und dass 20 Tage als mittlere Dauer eingeschätzt werden könne. Er milderte die Busse deshalb um 200 Franken. Er sagte aber: «Diese Angelegenheit hätte man anders lösen müssen und der Entscheid der Schule, den Antrag auf Umschulung abzulehnen, ist nach objektiven Abklärungen korrekt gefallen.»

Auch die Einteilung des Schülers in eine Kleinklasse sei korrekt erfolgt, um dem Kind die bestmögliche Bildung zu ermöglichen. Mittlerweile hat das Paar einen Beistand und es wurde trotz allem ein Versuch unternommen, das Kind in einer anderen Gemeinde zu unterrichten.

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