Unterkulm
Berg-Atmosphäre «im Kleinen»: Über Mittag verpflegen sie die Schüler, am Abend Restaurantgäste

Seit August 2017 gehört das Restaurant Wannenhof Martin und Michaela Wälti. Die neuen Wirte haben sich eingelebt und fühlen sich wohl.

Flurina Dünki
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Martin und Michaela Wälti wirten seit vier Monaten im Restaurant Wannenhof zwischen Unterklum und Muhen.

Martin und Michaela Wälti wirten seit vier Monaten im Restaurant Wannenhof zwischen Unterklum und Muhen.

Flurina Dünki

Laute Kinderrufe dringen in die Restaurantküche des «Wannenhofs». Es sind die Schülerinnen und Schüler der Unterkulmer Tagesschule Wannenhof, die in der Pause auf dem Restaurant-Parkplatz spielen. Seit die Schulleiter Daniel und Estelle Keller das Restaurant Wannenhof neben ihrer Privatschule gekauft haben, ist das Pausenreich der Schüler um den Parkplatz und den Restaurant-Spielplatz erweitert worden.

Normalerweise kreuzen sich die neuen Wirte Michaela und Martin Wälti und die Kinder gar nicht, denn der öffentliche Restaurantbetrieb startet erst nach Schulschluss um 17 Uhr. Dann, wenn die Schüler ihre Vokabeln und Brüche gelernt und sich tüchtig in der Natur ausgetobt haben (Letzteres gehört zum Grundkonzept der Tagesschule), ist das Restaurant offen für alle.

Seit August 2017 gehört das Restaurant Wannenhof den Kellers. Sie kauften es der langjährigen Wirtin Regula Beck ab, als sie in Rente ging. In der Gaststube werden seit Mitte November über Mittag die Schüler verpflegt. Köchin Silvia Bieri hatte zuvor am Tagesschule-Standort Attelwil gekocht. Dieser Standort schloss im Sommer 2017.

Seit das Restaurant zur Schule gehört, ist der Parkplatz auch Pausenplatz.      

Seit das Restaurant zur Schule gehört, ist der Parkplatz auch Pausenplatz.      

Flurina Dünki

Die übrigen Räume, wie die Wohnung im ersten Stock und das Restaurant-Nebengebäude, nutzt die staatlich anerkannte Privatschule für den Kleingruppen- und den Werkunterricht. «Das Restaurant, die zusätzlichen Räume und der gewonnene Pausenplatz sind ein Glücksfall für uns», sagt Estelle Keller anlässlich des «Tags der offenen Tür» ihrer Schule. Sie hätten gehofft, dass sie den Gasthof einst erwerben könnten. Zuvor bekamen die Kinder ihr Zmittag im 15 Minuten entfernten Hof der Kellers. «Die Kinder kommen gerne ins Restaurant zum Mittagessen» so Keller, und auch die Zusammenarbeit mit den neuen Wirten sei gut.

Die kleine Alp

Abends kocht das Wirtepaar Michaela und Martin Wälti für Restaurantgäste, am Mittwoch und an den Wochenenden auch über Mittag. Martin Wälti schreibt damit ein Stück Familiengeschichte weiter, hatte doch sein Urgrossvater Fritz Jaun 1927 den «Wannenhof» übernommen. Später wirtete seine Grossmutter bis 1960 im Restaurant am Böhler.

Um im «Wannenhof» zu kochen, ist das Ehepaar nach acht Jahren im österreichischen Kärnten, wo es unter anderem eine Alpwirtschaft betrieb, zurück in die Schweiz gezogen. Zuvor lebten sie 20 Jahre in Teufenthal. «Das Leben auf der Alp, dieses bodenständige, urchige gefiel uns sehr und hier oben haben wir sozusagen Berg-Atmosphäre im Kleinen», sagen Michaela und Martin Wälti. Deshalb hätten sie auch innerhalb der Siedlung um den Wannenhof ihr neues Heim gesucht – und gefunden. In seinen 40 Jahren in der Gastronomie hat Martin Wälti schon an manchen Orten gekocht, etwa der «Aarauerstube» in Aarau.

Positives Fazit

Ihr Fazit nach vier Wirte-Monaten fällt positiv aus. Viele Stammgäste der Vorgängerin seien wiedergekommen. «Vielleicht auch deshalb, weil meine Frau ebenfalls Österreicherin ist und wir österreichische Spezialitäten anbieten», sagt Wälti mit Augenzwinkern. Aber auch viele Bekannte der Wältis finden seit November den Weg auf den Wannenhof, um eine Schweinsbratwurst oder ein Cordon bleu zu essen. Darunter sind viele Fasnächtler aus Aarburg, die erst gerade die Fasnachtssaison im «Wannenhof» ausklingen liessen.

Auch viele Ausflügler seien in diesen Wintermonaten schon eingekehrt, wobei die Südaargauer selbst den erfahrenen Gastronomen Wälti noch zu verblüffen vermögen: «Gleich mehrmals kamen Spaziergänger aus eisiger Kälte in unsere Gaststube – und haben einen Coupe bestellt.»

Keine Oberstufe mehr: Tagesschule Wannenhof

An den Tagesschulen Wiliberg (22 Schüler) und Wannenhof (29 Schüler) werden Kinder im Primarschulalter unterrichtet. 2005 eröffneten Daniel und Estelle Keller mit der Tagesschule Wannenhof ihre erste Schule in Unterkulm. 2011 kam der Standort in Wiliberg hinzu. Der öffentlichen Schule Wiliberg drohte damals wegen Unterschreitung der gesetzlich bestimmten Schülerzahl von 12 Schülern die Schliessung. 2010 hatte sie nur noch sechs Schüler gezählt.

Auch in Attelwil hatte die Tagesschule von 2008 bis 2017 einen Sitz. Dort wurden während neun Jahren Oberstufenschüler nach dem «Wannenhof»-Konzept unterrichtet. Die öffentliche Schule Attelwil hatte schliessen müssen, nachdem die Einschulungsklasse 2007 in die Kreisschule Leerau integriert worden war. Ohne diese war die Schülerzahl zu klein für die Weiterführung.

Die Tagessschule mietete das Schulhaus Attelwil und unterrichtete fortan Real-, Sek- und Bez-Schüler. Bis 2017. Dann wurde der Betrieb in Attelwil eingestellt. «Die Schliessung unseres Standortes Attelwil war ein strategischer Entscheid. Erstens war es schwierig nach der Kündigung der Hauptlehrerin, einen geeigneten Nachfolger zu finden und zweitens wurde mit dem Kauf des Restaurants am Standort Wannenhof mehr Platz geschaffen», sagt Estelle Keller. Seit dem Auszug der Tagesschule steht das Schulhaus Attelwil wieder leer. (FDU)

Die Aargauer Gastro-Karte: