Unterkulm

Asbest-Sanierung der der Schulanlage wird teuer – noch teurer

Die Schulanlage Färberacker sollte für 4,3 Millionen Franken saniert werden – jetzt sind's 1,5 Millionen mehr. Die komplette Sanierung soll konzentriert innerhalb eines halben Jahres, konkret von Frühling bis Herbst 2018, durchgeführt werden. Zuerst muss aber am 23. November einen Zusatzkredit bewilligt werden.

Rahel Plüss
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In den Decken und Böden der Schulanlage Färberacker hats Reste von Asbest. Sie sollen entfernt werden. zvg

In den Decken und Böden der Schulanlage Färberacker hats Reste von Asbest. Sie sollen entfernt werden. zvg

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Ihretwegen konnte in Unterkulm heuer kein Jugendfest stattfinden. Und sie sind es auch, die die Sanierungskosten für die Schulanlage Färberacker (bisher 4,3 Millionen) enorm in die Höhe treiben. Die Rede ist von den Asbest-Rückständen, die während der Bauvorbereitung im Frühjahr zum Vorschein kamen. Jetzt ist klar, was die Schadstoffsanierung zusätzlich kosten wird: 1,558 Millionen Franken sind budgetiert. Der Gemeinderat beantragt dem Souverän am 23. November einen entsprechenden Zusatzkredit.

2018...

... soll die komplette Sanierung der Schulanlage Färberacker durchgeführt werden. Stimmt der Souverän dem Kreditbegehren zu, können die Bauarbeiten voraussichtlich im Frühling starten und sind im Herbst abgeschlossen.

Wäre alles nach Plan gelaufen, wäre die Schulanlage aus dem Jahr 1972 jetzt fertig saniert. Dringend nötig wärs: Das Dach hält starken Regenfällen nicht mehr stand, im Herbst 2015 drang das Wasser bis in den Keller vor. Die Gebäudehüllen und die haustechnischen Anlagen müssen erneuert, die Schulanlage den veränderten Bedürfnissen – unter anderem bezüglich behindertengerechter Benutzbarkeit – angepasst werden. Die Gemeindeversammlung hatte im Mai 2014 für die Renovation 4,35 Millionen Franken bewilligt – im zweiten Anlauf.

Gegen den ersten Kredit von 4,95 Millionen Franken war nach der Gmeind 2012 das Referendum ergriffen worden. Der Gemeinderat wurde verpflichtet, die Sanierung auf das betrieblich Notwendigste zu reduzieren. Das angepasste Projekt hätte in diesen Frühlings- und Sommerferien umgesetzt werden sollen. Wäre nicht der Asbest dazwischen gekommen.

Schüler müssen in Provisorien zügeln

Dass Asbest ein Thema ist, wusste man. Die Schulanlage Färberacker ist im Spritzasbestkataster des Bundesamtes für Umwelt aufgeführt. 1986 wurde deshalb eine professionelle Asbestsanierung durchgeführt – «nach dem damaligen Stand der Kenntnisse», wie die Gemeinde in einer Mitteilung schreibt. Im Hinblick auf die anstehende Erneuerung der Schulanlagen hat man sich nun die Sache noch einmal genauer angeschaut. «Neue Untersuchungsmethoden, genauere Messergebnisse und tiefere Toleranzwerte haben eine erneute Schadstoffbelastung in den Decken und Böden nachgewiesen», so die Gemeinde. Diese Rückstände sind zwar vollständig in den vorhandenen Bauteilen gebunden, bei Bauarbeiten können die krebserregenden Fasern aber in die Umgebung entweichen. Da im Rahmen der Sanierungsarbeiten Anpassungen im Decken- und Fussbodenbereich geplant sind, wurden die Sanierungsschritte in Zusammenarbeit mit Spezialisten geplant.

Laut Mitteilung erachtet es der Gemeinderat als notwendig, eine vollständige Schadstoffsanierung durchzuführen. Das heisst, die Decken in allen drei Gebäuden sollen saniert werden. Dabei müssten, so die Gemeinde, auch die bestehenden Holzverkleidungen entfernt und später durch eine neue Akustikdecke ersetzt werden. «Um die Schadstoffsanierung risikofrei durchführen zu können, ist es unvermeidbar, den gesamten Schulbetrieb in Provisorien auszulagern.» Es sei geplant, die komplette Sanierung der Schulanlage (ordentliche Sanierung inklusive Schadstoffsanierung) konzentriert innerhalb eines halben Jahres, konkret von Frühling bis Herbst 2018, durchzuführen.

Teilsanierung mit Risiken verbunden

Angesichts der hohen Sanierungskosten habe der Gemeinderat drei alternative Schadstoffsanierungsmethoden geprüft. «Anstelle einer vollständigen Sanierung könnte auch nur eine punktuelle Sanierung durchgeführt werden», so die Gemeinde. Das heisst, eine Asbestsanierung würde nur an jenen Decken und Böden vorgenommen, an denen im Rahmen der ordentlichen Sanierung Eingriffe vorgesehen seien. «Für die übrigen asbestbelasteten Gebäudeteile müsste ein Veränderungsverbot ausgesprochen werden. Nachträgliche installationstechnische und bauliche Veränderungen wären dann ausgeschlossen», heisst es in der Mitteilung. «Jeder mechanische Eingriff in die asbestbelasteten Gebäudeteile wäre mit einem gesundheitlichen Risiko verbunden. Ausserdem könnte eine Auslagerung des Schulbetriebes auch mit der Teilsanierung nicht verhindert werden.» Der Gemeinderat sieht deshalb von dieser Variante ab. «Ein Verzicht auf die Schadstoffsanierung wäre nicht zu verantworten und würde die Sanierung insgesamt infrage stellen.»

Die Alternative «Abbruch und Neubau» habe man nicht näher geprüft. Einerseits, weil auch bei einem Abbruch die asbestbehafteten Bauteile speziell entsorgt werden müssten, andererseits, weil ein Neubau die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde wesentlich überschreiten würde.