300 Lastwagen-Fahrten nötig: Die «Schutti» wird ganz ausgebaggert

Im Baugesuch ist die Rede von einer «Totaldekontamination». Das tönt furchteinflössend. Aber Angst haben müssen die Einwohner von Hirschthal nicht. Im Gegenteil. Wenn alles optimal läuft, könnten sie schon im kommenden Herbst eine Altlast los sein.

Urs Helbling
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Unter den Bäumchen dieses Seitentälchens liegt die Deponie «Chropfboden», die vollständig ausgebaggert werden soll.uhg

Unter den Bäumchen dieses Seitentälchens liegt die Deponie «Chropfboden», die vollständig ausgebaggert werden soll.uhg

Urs Helbling

Für einen Millionenbetrag wird ihre ehemalige Kehrichtdeponie («Schutti») ausgebaggert. Eine in dieser Art aussergewöhnliche Massnahme. Es werden zuerst 14,5 Aren Wald gerodet. Dann werden in drei Etappen 6800 Tonnen Material (3300 Kubikmeter) ausgehoben und vor Ort nach Giftigkeit sortiert (Triage).

Anschliessend werden um die 300 Lastwagenfahrten notwendig sein, um den Inhalt der ehemaligen Deponie «Chropfboden» fachgerecht zu entsorgen.

Bund übernimmt 70 Prozent

Dass die vor Jahrzehnten geschlossene «Schutti» saniert werden muss, ist für die Hirschthaler nichts Neues. Im Juni genehmigten sie dafür einen Gesamtkredit von 1,62 Millionen Franken. Weil sich der Bund mit 70 Prozent an den Kosten beteiligt, verbleibt der Gemeinde eine knappe halbe Million Franken. Jetzt liegt das Baugesuch auf (bis zum 28. Januar).

Daraus ist ersichtlich, dass die Sanierung mit grosser Sorgfalt durchgeführt werden soll. Ein Problem ist das Wasser. In unmittelbarer Nähe liegen drei wichtige Quellen. Diese werden während der Ausbaggerung abgestellt. «Erst nach vollständig abgeschlossener Sanierungsarbeit werden die Quellen qualitativ untersucht und je nach Ergebnis wieder an die Trinkwasserversorgung angeschlossen», heisst es in den Unterlagen des Baugesuches.

Die Deponie «Chrofboden» liegt in einem südlichen Seitentälchen des «Tal». Sie befindet sich auf Land der Ortsbürgergemeinde, wurde aber von der Einwohnergemeinde betrieben. Von etwa 1945 bis 1965. «Abgelagert wurden vorwiegend Siedlungsabfälle wie Hausmüll, Bauschutt, Aushub, Sperrgut und Kunstharz aus der Elektro-Wandler-Produktion eines lokalen Unternehmens», heisst es in den Unterlagen.

Der Deponiekörper ist bis sechs Meter mächtig und hat eine Ausdehnung von 700 Quadratmetern. Er liegt auf einem Untergrund aus Mergeln der Unteren Süsswassermolasse. Möglicherweise sind Schadstoffe in Klüfte eingedrungen.

Sanierung schon im Sommer

Damit während der Ausbaggerung die Waldstrassen möglichst wenig beansprucht werden, wird ein Einbahnsystem eingeführt. «Die Arbeiten werden vorzugsweise im Sommerhalbjahr respektive in einer niederschlagsarmen Witterungsperiode durchgeführt», heisst es. Also im optimalen Fall, wenn – was zu erwarten ist – keine Einsprachen eingehen, bereits im kommenden Sommer.

«Nach der Entfernung des belasteten Materials wird das Terrain auf dem Niveau der Deponiesohle wieder einem natürlichen Geländeverlauf angeglichen», steht im Baugesuch. Also wieder der Zustand erstellt, wie er am Ende des Zweiten Weltkriegs war. Dazu gehört auch eine Wiederaufforstung.