«True Crime»

Spannender Lesestoff: Spektakulärer Aargauer Mordfall in Buchform

Schriftsteller und Journalist Peter Hossli hat anderthalb Jahre lang einen der spektakulärsten Aargauer Mordfälle seziert.

Michael Küng
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 Peter Hossli vor der Aargauer Kantonsbibliothek mit einer Gerichtsakte und der originalen Tatwaffe, dem Fuss eines Wagenhebers.
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 Die erst 21-jährige Norwegerin Ragnhild Flater verliebt sich in den vier Jahre älteren Max Märki aus Unterbözberg.
 Sie planen mit einem Inserat für den Verkauf eines Autos jemanden mit 4000 Franken in einen Hinterhalt zu locken und dort bewusstlos zu schlagen. Es trifft den jungen Unternehmer Peter Stadelmann aus Aarau Rohr.
 Doch unterwegs in einem Auto kommt es zum erbitterten Kampf, den Peter Stadelmann schliesslich mit dem Leben bezahlt. Märki und Flater halten ihn für bereits tot, als sie in bei Mülligen in die Reuss werfen. Doch die Obduktion sollte zeigen, dass er ertrunken ist.
 Der Tatort sieht auch über 60 Jahre später noch fast so aus wie damals.
 Mit dem Wagen, in dem die beiden Stadelmann getötet haben, wollten sie eigentlich nach Dänemark fliehen und von da aus in die USA übersetzen. Doch Gewissensbisse trieben Max Märki schliesslich dazu, sich zu stellen.
 Ragnhild Flater erhielt 15 Jahre, Max Märki lebenslänglich. Beide wurden vorzeitig entlassen. Gesehen haben sie sich nach ihrem Prozess nie wieder. Flater wurde nach Norwegen ausgeschafft, während Märki in der Schweiz blieb.

Peter Hossli vor der Aargauer Kantonsbibliothek mit einer Gerichtsakte und der originalen Tatwaffe, dem Fuss eines Wagenhebers.

zvg

Das neue Buch von Journalist Peter Hossli kam ausgerechnet an dem Tag in die Buchhandlungen, an dem diese wegen Corona schliessen mussten. Nach anderthalb Jahren Arbeit lag das für den Journalisten nah an einer Katastrophe. Dank einer selbst aufgegleisten Online-Kampagne, guten Kritiken in den Medien (u. a. AZ vom 3. April) und zuletzt einem schönen Radiostück liegt Hosslis zweites Buch «Revolverchuchi» nun dennoch bereits in der dritten Auflage vor. «Zum Glück haben viele das Buch online bestellt», berichtete Hossli am Dienstag in der Kantonsbibliothek, wo er seine verschobene Vorlesung nachholte.

«Revolverchuchi» erzählt vom tragischen Tod von Peter Stadelmann, der 1957 den Aargau und die ganze Schweiz aufgewühlt hat. Haupttäter war Max Märki; schwierige Kindheit, arm, perspektivlos. Gemeinsam mit seiner Geliebten, einer jungen Norwegerin, wollte er sein Opfer bewusstlos schlagen, es ausrauben und mit dem Geld ein neues Leben in den USA beginnen. Doch es ging alles schief: Stadelmann wehrte sich, schwer verletzt warfen Märki und seine Geliebte ihn in die Reuss, wo er ertrank. Kurz darauf fuhr Märki das Fahrzeug für die Flucht nach Dänemark zu Schrott, wo das Schiff in die USA gewartet hätte. Ausweglos und von der eigenen Tat verunsichert, stellten sich die beiden. Im Gefängnis ging bald auch die grosse Liebe in die Brüche.

Für das Buch sichtete Hossli über tausend Seiten Akten, besuchte die Schauplätze, redete mit Angehörigen und vergegenwärtigte sich den damaligen Zeitgeist. Herausgekommen ist ein «True Crime»-Buch aus dem Aargau, für das Netflix auch mal ausbleiben kann.

«Revolverchuchi» Peter Hossli, Zytglogge-Verlag, 236 Seiten, 34 Franken.