Lenzburg

Zugkollision Lenzburg: Der Lokführer fuhr bei Rot

In der Mittwochnacht war es in Lenzburg zu einer Kollision von zwei Zügen gekommen, weil einer der Lokführer meinte, er habe Vortritt. Doch es war genau umgekehrt. Auch die automatische Bremsung konnte die Kollision nicht mehr verhindern.

Adrian Hunziker
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Krane bergen die Unglückszüge
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Bahnmitarbeiter machen sich an der Unglücksstelle zu schaffen
Krane bergen den verunglückten Regionalzug
Krane bergen den verunglückten Regionalzug
Krane bergen den verunglückten Regionalzug

Krane bergen die Unglückszüge

Silvan Hartmann

In der Nacht auf Mittwoch waren in Lenzburg ein Güterzug und ein Personenzug zusammengeprallt. Jetzt steht die Unfallursache fest: Der Lokführer des Güterzuges hatte scheinbar fälschlicherweise die grüne Ampel für den Personentransport beachtet, anstatt das Rotlicht für seinen Zug. «Der Güterzug fuhr am roten Lichtsignal vorbei und die automatisch eingeleitete Bremsung reichte nicht aus, um eine Kollision zu verhindern», sagt Walter Kobelt, Leiter der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle SUST.

Doch bei der SUST spreche man nie von menschlichem Versagen. «Bei Untersuchungen zu Unfallursachen müssen immer mehrere Einflüsse untersucht werden. Das ist auch in Lenzburg der Fall», erklärt Kobelt. Neben der Müdigkeit der Lokführer könnte auch die unvorteilhafte Anbringung der Signale oder auch das Wetter die Kollision beeinflusst haben.

«Das wird jetzt alles untersucht, und dann machen wir einen Bericht mit Sicherheitsempfehlungen, sodass solche Unfälle in Zukunft nicht mehr passieren», sagt Kobelt. Die SUST schätzt den entstandenen Schaden bei diesem Unfall auf rund vier Millionen Franken.

Der Güterzug wurde beim Unfall nicht stark beschädigt, der Personenzug hingegen schon. «Ein Mittelwagen der vierteiligen Komposition erlitt Totalschaden», sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig. Dieser Waggon sei nicht mehr zu reparieren, da die Alukonstruktion zu stark beschädigt wurde.

Ausschlaggebend sei dabei immer die Vermessung des Chassis. Wenn das total deformiert sei, sei der Waggon nicht mehr zu gebrauchen. «Eventuell könnten jedoch Teile noch ausgebaut und wieder verwertet werden», meint Ginsig. Die restlichen drei Komponenten wurden nach Olten überführt. Dort werden sie repariert. Ob alle wieder einsatzfähig instand gesetzt werden können, sei jetzt noch unklar.

«Zudem mussten Teile der zerstörten Weiche ersetzt werden. So musste das bewegliche Element, die sogenannte Weichenzunge, ausgetauscht werden», erklärt Ginsig. Kurz vor sechs Uhr am Donnerstagmorgen seien die Arbeiter so weit gewesen, dass die Züge wieder ohne Behinderung passieren konnten. «Die Reparaturen dauern aber noch an, der Verkehr wird dabei nicht beeinträchtigt.»