Brunegg

Wie die kleine Gemeinde zu einem Bancomaten kommt

Im Dezember öffnet der neue Dorfladen an der Hauptstrasse. Bis dahin soll am Gebäude auch ein Bancomat zur Verfügung stehen. Das Baugesuch liegt auf.

Fritz Thut
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Hier an der Wand neben dem Post-Briefkasten an der Seite des geplanten Dorfladens ist der Valiant-Bancomat geplant.

Hier an der Wand neben dem Post-Briefkasten an der Seite des geplanten Dorfladens ist der Valiant-Bancomat geplant.

Fritz Thut

In Brunegg liegt bis am 7. November ein Baugesuch in eigener Sache auf: Der Gemeinderat als Vertreter der Einwohnergemeinde beantragt im Bäckerladen an der Hauptstrasse 25 einen «Fassadendurchbruch für den Einbau eines Bankomaten und eine Firmenanschrift mit EC-Würfel». Der Bancomat kommt neben den Post-Briefkasten.

Brunegg, zwar prosperierende, aber mit 731 Einwohnern immer noch zweitkleinste Gemeinde im Bezirk, bekommt eine eigene Bargeldbezugsstelle? Bei dieser Frage reiben sich wohl verschiedene Gemeinderäte die Augen. Erst kürzlich hat die az vermeldet, dass die Valiant-Bank in der mehr als doppelt so grossen Wynentaler Gemeinde Teufenthal aus Kostengründen den letzten Bancomaten demontiert.

Umsatzabhängiger Beitrag

Ironie des Schicksals ist die Tatsache, dass in Brunegg just und eben die Valiant-Bank den Bancomaten betreiben wird. «Sie waren die Einzigen, deren Angebot für uns tragbar war», sagt Gemeindepräsidentin Ruth Imholz Strinati. Andere Geldhäuser stellten Forderungen, die ein Mehrfaches betrugen.

Die Gemeindepräsidentin ist offensichtlich eine gute Verhandlerin. Sie konnte mit der Valiant-Bank ein Abkommen aushandeln, wonach der Beitrag der Gemeinde an den Betrieb abhängig von der Anzahl der Bargeld-Bezüge ist. Erreichen die Bezüge eine gar nicht so utopische Zahl, muss Brunegg gar nichts bezahlen. Konkrete Zahlen wollen beide Seiten keine genannt haben. Immerhin ist im Budget der Brunegger Einwohnergemeinde für das Jahr 2017 ersichtlich, dass für diesen Posten 12 000 Franken eingesetzt sind.

Beck, Bank, Post

Die Verve, mit der sich Ruth Imholz für ein Abkommen eingesetzt hat, hängt mit der Bedeutung zusammen, die der Gemeinderat dem künftigen neuen gesellschaftlichen Zentrum der Gemeinde zumisst. Der eigene Dorfladen steht seit Jahren weit oben auf der Prioritätenliste.

Nach jahrelangem Kampf ist es am 2. Dezember so weit. An der neu sanierten Hauptstrasse öffnet der Dorfladen. Hauptmieter ist die Schinznacher Bäckerei Lehmann, die hier eine neue Filiale eröffnet. Neben dem Verkaufsladen gibt es eine kleine Imbiss-Ecke und ein Café. Der Raum soll «markthallen-mässig» (so Imholz) von weiteren Anbietern genutzt werden können: Eine Blumen-Ecke ist schon fixiert.

«Das Ganze wird vintage-mässig daherkommen», blickt die Gemeindepräsidentin in die Zukunft. Ein Plan sieht etwa vor, dass rund 200 Bücher ausgelegt werden sollen. Besucher und Kunden können darin schmökern, sie mitnehmen, wieder zurücklegen oder selbst welche mitbringen.

«Laden und Bancomat befruchten sich gegenseitig», ist Ruth Imholz überzeugt. Die Brunegger allein können diese Angebote nicht genügend auslasten und deshalb rechnet man, dass Transitautofahrer hier einen Zwischenstopp einlegen: «Wegen Beck, Bank und Post hält man an», ist die Gemeindepräsidentin überzeugt: «Deshalb brauchen wir unbedingt einen Bancomaten.»

Dorffest im Juni 2017

Schon der Start des Dorfladens wird in Brunegg sicher gebührend begossen. Doch die ganz grosse Sause steigt am 10. Juni 2017, wenn der Abschluss der Kantonsstrassensanierung samt Einweihung des Kreiselschmucks zusammen mit einem kombinierten Dorf- und Jugendfest gefeiert wird.