Themenwoche Mittelalter
Hühnersuppe, selbst eingefärbte Kleidung und Matratzen aus Stroh: So lebt es sich auf dem Schloss Hallwyl

Eine Woche lang quartieren sich auf Schloss Hallwyl diverse Darstellerinnen und Darsteller ein. Ihre Mission? Den Besuchern vor Ort zu zeigen, wie das Leben im Hochmittelalter ausgesehen hat. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Larissa Gassmann
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Sie kochen, färben und schmieden: Auf Schloss Hallwyl zeigen Mitglieder des Vereins Abenteuer-Zeitreise ihr Können – und nebenbei das Leben des Volkes im Hochmittelalter. Ziel der Gruppe ist die Erstellung eines mittelalterlichen Weilers, noch aber liegt dieser in weiter Ferne (AZ vom Samstag). Was derzeit bleibt, ist die bis Sonntag andauernde Themenwoche auf dem Schlossgelände. Wir haben mit den Darstellerinnen und Darstellern vor Ort über ihre Aufgaben und Erlebnisse gesprochen.

Impressionen Themenwoche «Leben im Mittelalter auf Schloss Hallwyl».
12 Bilder
Impressionen Themenwoche «Leben im Mittelalter auf Schloss Hallwyl».
Impressionen Themenwoche «Leben im Mittelalter auf Schloss Hallwyl».
Impressionen Themenwoche «Leben im Mittelalter auf Schloss Hallwyl».
Impressionen Themenwoche «Leben im Mittelalter auf Schloss Hallwyl».
Impressionen Themenwoche «Leben im Mittelalter auf Schloss Hallwyl».
Impressionen Themenwoche «Leben im Mittelalter auf Schloss Hallwyl».
Impressionen Themenwoche «Leben im Mittelalter auf Schloss Hallwyl».
Impressionen Themenwoche «Leben im Mittelalter auf Schloss Hallwyl».
Impressionen Themenwoche «Leben im Mittelalter auf Schloss Hallwyl».
Impressionen Themenwoche «Leben im Mittelalter auf Schloss Hallwyl».
Impressionen Themenwoche «Leben im Mittelalter auf Schloss Hallwyl».

Impressionen Themenwoche «Leben im Mittelalter auf Schloss Hallwyl».

Larissa Gassmann / Aargauer Zeitung

Michael Aeschimann, 30, Beromünster

Larissa Gassmann

Sich für seine Rolle kaum verstellen muss Michael Aeschimann – auch sonst arbeitet er als Schmied im luzernischen Beromünster. Grosse Unterschiede gebe es dabei kaum. «Das Handwerk ist seit Tausenden Jahren mehr oder weniger das gleiche», sagt Aeschimann. Geändert habe sich einzig die Hilfsmittel. So verwende er normalerweise keinen Blasebalg, dies funktioniere heute elektronisch. Begeistern kann er sich nicht nur für Metall, sondern auch für den damaligen Umgang mit Holz und Stein.

Geweckt wurde die Liebe zum Mittelalter bei ihm bereits in jungen Jahren. So ist seine Mutter Silvia Aeschimann Initiatorin des Vereins. Im Teenageralter sei es vielleicht nicht immer cool gewesen, dass beide sich für die gleichen Dinge interessierten. Heute ist das aber anders. «Nun ist es super, dass fast die ganze Familie mit dabei ist», sagt Aeschimann.

Cosette Blétry-Lapaire, 55, Küttigen

Larissa Gassmann

Egal ob es ums Waschen, Kardieren, Verspinnen oder Weben geht: Als Schafbäuerin Mechthild zeigt Cosette Blétry-Lapaire vor Ort die Verarbeitung der Wolle. Als Hausfrau und Kleinbäuerin ist ihr das Ganze nicht fremd. Und: «Weil man Schafwolle sonst kaum verwenden kann, bin ich dafür dankbar, sie hier einsetzen zu können», so Blétry-Lapaire.

Kennen gelernt hat sie Silvia Aeschimann dank ihrer Arbeit als Freiwillige bei Museum Aargau. Seither setzt sie sich für das Projekt des Vereins ein. Antrieb dafür ist die Begeisterung für das alte Handwerk, sei es nun der Umgang mit Wolle, Ton oder anderen Materialien. Als Mutter von vier Kindern sei es ihr wichtig, dass der Tastsinn gestärkt wird. «Heutzutage geht es immer mehr verloren, dass man mit den Händen arbeitet. Alles wird immer kopflastiger», so Blétry-Lapaire. Es sei schön, dass Kinder hier Dinge mit allen Sinnen wahrnehmen können. Ein Erlebnis war auch die Übernachtung auf mit Stroh gefüllten Säcken: «Diese sind bequemer als man es sich vorstellt.»

Leben auf dem Schloss Hallwyl wie im Mittelalter.

Tele M1

Christine Humbel, 58, Burg

Larissa Gassmann

Für Speis und Trank zuständig ist Christine Humbel (links). Zum Zmittag gab es Hühnersuppe – darauf folgen soll ein Znacht, bei dem das Fleisch der ausgekochten Hühner zum Einsatz kommt. Ab und an koche sie Rezepte dieser Art daheim, «auch wenn es einfach nicht das Gleiche ist». Es fehle das offene Feuer und das ganze Setting. «Ein ganzes Menü kommt einem dann fast fremd vor», sagt Humbel.

Für sie steht nicht das Mittelalter, sondern die Faszination für das bäuerliche und einfache Leben im Vordergrund. Als Lehrerin sei es ihr wichtig, das Projekt zu unterstützen: «Die Idee des Mitmachens und Miterlebens finde ich total lässig.» So will sie den Besuchern etwa die Arbeit mit Flachs näherbringen. «Heute wissen die meisten Menschen überhaupt nicht mehr, was Leinen überhaupt ist», so Humbel. Da Flachs hierzulande gut angebaut werden kann, wachse dieser heute in ihrem Garten, das Wissen dazu habe sie sich mit der Zeit angeeignet. Dies anderen weiterzugeben, «das reicht mir schon».

Stefan Fankhauser, 42, Ruppoldsried

Larissa Gassmann

Als Färber vor Ort ist Stefan Fankhauser aus Bern. Sein Ziel sei es, den gesamten Färbeprozess bis zum fertigen bunten Stoff zu zeigen. Diese Rolle füllt Fankhauser bereits seit über 15 Jahren aus, «selbstverständlich» wurde sein blaues Gewand daher auch selbst eingefärbt.

«Mich fasziniert es, wie man aus Farben aus Pflanzen auf Stoffen haltbar machen kann. Und dies über Jahre, ja Jahrhunderte hinweg», sagt Fankhauser. Die Herausforderung sei es dabei, eine möglichst gleichbleibende Qualität abzuliefern, da durch das Zusammenspiel aus Wasser, Farbstoff und Wolle immer wieder andere Ergebnisse entstehen können. «Färben kann jeder. Schwierig ist es aber, stets die gleichen Farben herzustellen», so Fankhauser.

Lea Schieback, Projektleiterin von Museum Aargau

Larissa Gassmann

Als Projektleiterin sorgte Lea Schieback von Seiten Museum Aargau derweil dafür, dass der Verein eine Plattform bekommt. Entstanden ist die Kooperation auf Anfrage des Vereins. Schnell einmal war klar: «Sie haben ein tolles Projekt, wir die dazu passende Bühne.»

So entschied man sich dazu, dass Ganze auf Schloss Hallwyl durchzuführen. Die Planungen dazu fingen bereits vor Corona an, das Projekt mussten zwischenzeitlich auf Eis gelegt werden. Das Warten habe sich aber gelohnt. «Es ist toll, das Schloss einmal ganz anders zu sehen. Es ist viel lebendiger als sonst und es herrscht eine ganz neue Atmosphäre», sagt Schieback. Somit sei das Ganze selbst für die treuen Besucher ein spannendes Erlebnis. Und: «Wir sind froh, die Gruppe unterstützen zu können.»

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