Lenzburg/Seengen
Statt in der Backstube ist Peter Studler oft im Gerichtssaal

Peter Studler hat acht Monate nach der Schliessung das «Local» Lenzburg noch nicht geräumt. Angestellte kämpfen um Lohnzahlungen.

Urs Helbling
Merken
Drucken
Teilen
Das «Local», ein «Concept-Store» bestehend aus Bäckerei und Café, musste geschlossen werden.

Das «Local», ein «Concept-Store» bestehend aus Bäckerei und Café, musste geschlossen werden.

uhg

Er gilt als talentierter Bäcker, war 1994 sogar Weltmeister. Und er war als Kleinunternehmer sehr erfolgreich. Doch sein Versuch, einen Wachstumssprung zu machen, ist zumindest vorerst misslungen. 2019 waren die Firmen von Peter Studler (50, Seengen) Thema im «Kassensturz», im «Blick» und in der AZ («Es ist etwas faul bei Bäcker Studler», AZ vom 8.7.2019). 2020 wurden die von im kontrollierten «Local»-Standorte in Lenzburg (im April) und in Suhr (im Juni) geschlossen. Und Peter Studler dürfte in den letzten zwölf Monaten der beste Kunde des Bezirksgerichts Lenzburg gewesen sein. Vor dem Arbeitsgericht hat er mehrfach verloren.

Nach Bundesgerichtsurteil neue Verfahren angestrebt

Am Freitag, 24. April, ereignete sich an der Bahnhofstrasse in Lenzburg Aussergewöhnliches. Wegen Zahlungsrückständen hatte das Handelsgericht eine Mieterausweisung verfügt. Das «Local», ein «Concept-Store» bestehend aus Bäckerei und Café, musste geschlossen werden. Augenzeugen wollen gesehen haben, dass zur Sicherung der Mieterausweisung auch die Regionalpolizei im Einsatz war.

Der Aktionäre der Local Group AG, bei denen Studler eine zentrale Rolle spielt, hofften auf ein Comeback. Doch im Sommer wies das Bundesgericht ihre Beschwerde vollumfänglich ab. Die Local Group AG wurde zur Übernahme der Gerichtskosten von 6000 Franken verknurrt.

Im ehemaligen «Local» in Lenzburg hat es noch Lebensmittel.

Im ehemaligen «Local» in Lenzburg hat es noch Lebensmittel.

Bilder: uhg

Wer jetzt am Lenzburger «Local» vorbeiläuft, stellt erstaunt fest, dass trotz des Bundesgerichtsentscheids der Laden noch nicht geräumt ist. Es stehen sogar noch (kaum verderbliche) Lebensmittel in den Regalen: Sirup, Röteli, Dörrbohnen, Biokonfitüren. Warum das? Studler treibt es offensichtlich auf die Spitze, hat neue Gerichtsverfahren eingeleitet, die jetzt bei der ersten Instanz (Bezirksgerichte) hängig sind – mit der Möglichkeit des Weiterzugs. Er selber sagt dazu auf Nachfrage «kein Kommentar» und verweist auf das laufende Mieterschutzverfahren.

In Suhr jeden Monat über 50000 Fr. Miete bezahlt

Ist seit Pfingsten Geschichte: das «Local» in Suhr.

Ist seit Pfingsten Geschichte: das «Local» in Suhr.

uhg

Was für ein grosses Rad Peter Studler gedreht hat, zeigt der Fall des «Local» in Suhr, das die Local Group AG an Pfingsten ohne Getöse schloss (Studler hat eigenhändig Möbel herausgetragen). Die Group betrieb dort neben einem «Concept-Store» (Bäckerei/Restaurant) auch ein Hotel. Die Immobilienbesitzer haben das Restaurant jetzt für eine Monatsmiete von 12795 Franken ausgeschrieben. Wer das Hotel/Boarding-House» (57 Zimmer) haben möchte, zahlt monatlich 46085 Franken Miete.

Noch in der «Local»-Phase hatte sich im Hotel eine Prostituierte einquartiert. Weil sie während des Lockdowns mindestens sechs Freier bedient hatte, wurde sie zu einer Busse von 1100 Franken verurteilt.

Probleme bei der Personalbuchhaltung

Peter Studler: «Seit einer meiner Mitarbeiter gegen mich gewonnen hat, werde ich immer wieder von ehemaligen Mitarbeitern vor Gericht gezogen.»

Peter Studler: «Seit einer meiner Mitarbeiter gegen mich gewonnen hat, werde ich immer wieder von ehemaligen Mitarbeitern vor Gericht gezogen.»

Andrea Weibel

Peter Studler hat immer wieder Verfahren vor Arbeitsgericht: Schon im «Kassensturz»-Beitrag 2018 war ein Fall ein Thema. Im letzten Halbjahr häuften sich die Zivilprozesse vor Arbeitsgericht Lenzburg – meistens klagten ehemalige Angestellte des «Local» Suhr. Diese Verfahren sind für Studler nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich eine Belastung. Er kommt jeweils allein oder in Begleitung eines Anwalts zu den meist stundenlangen Verhandlungen. Er pflegt Aussagen zu machen in der Art: «Seit einer meiner Mitarbeiter gegen mich vor Gericht gewonnen hat, werde ich immer wieder von ehemaligen Mitarbeitern vor Gericht gezogen.» Nicht immer ohne Grund: Bei den Verhandlungen entsteht jeweils der Eindruck, dass es bei der Personalbuchhaltung und -führung in Studlers Firmen nicht zum Besten steht.

Drei Fälle: Im Juni wurde Studler vom Arbeitsgericht Lenzburg verurteilt, einem Kurzzeitangestellten 1380.20 Franken Lohn nachzuzahlen. Der Deutsche mit leitender Funktion («Supervisor») hatte mehr gefordert – und tut das weiterhin. Das Verfahren ist mittels Beschwerde ans Obergericht weitergezogen worden und dort noch hängig.

Angestellten mindestens 6622 Fr. nicht ausbezahlt

Eine weitere Verhandlung endete im November mit einem Vergleich: Studler verpflichtete sich, einer Spanierin 1600 Franken Lohn nachzuzahlen (hat er zwischenzeitlich gemacht). Und man einigte sich darauf, dass die Ex-Angestellte die ausstehenden Kinder- und Ausbildungszulagen direkt beim RAV geltend machen kann (gut 400 Franken).

Wo die Schwächen des Systems Studler liegen, zeigt exemplarisch ein dritter Fall, zu dem es noch kein Urteil gibt. Verhandelt wurde am 2. Dezember, Klägerin war eine Schweizerin, die knapp drei Jahre als Verkäuferin und ­Küchenhilfe in Wohlen und Suhr gearbeitet hatte. Unbestritten ist eine Lohnforderung von 6622 Franken. Nicht begleichen will Studler weitere knapp 3000 Franken: 13. Monatslöhne und Überstunden (geltend gemacht werden 343 Stunden). Zudem wollte er ihr rund 800 Franken vom Lohn abziehen, die angeblich in der Kasse gefehlt hatten. Sie bestreitet, dafür verantwortlich zu sein. «Mindestens zwei weitere Personen hatten Zugang zur Kasse», sagt sie.