Lenzburg
Seit 40 Jahren in der Stadtbibliothek – und noch kein bisschen müde

Seit zwei Generationen verkörpert Lotti Brauen das Gesicht der Stadtbibliothek Lenzburg. Daran wird sich im Moment auch nichts ändern

Ruth Steiner
Drucken
Auch Bibliothekarinnen stöbern gerne in den Bücherregalen: Jubilarin Lotti Brauen (rechts) mit Barbara Hediger, der Leiterin der Stadtbibliothek Lenzburg.

Auch Bibliothekarinnen stöbern gerne in den Bücherregalen: Jubilarin Lotti Brauen (rechts) mit Barbara Hediger, der Leiterin der Stadtbibliothek Lenzburg.

Foto: Claudio Thoma / Aargauerze

Lotti Brauen und Bücher: Das eine ohne das andere ist in der Stadtbibliothek Lenzburg undenkbar: Seit vierzig Jahren gibt Brauen der Bibliothek ein Gesicht, acht Jahre war sie deren Leiterin, bevor sie die Zügel 2015 an Barbara Hediger übergab.

In all den Jahren hat Lotti Brauen keinen Augenblick ans Aufhören gedacht. Auch jetzt nicht. Zu sehr ist sie in ihrem Teilzeitengagement mit der Stadtbibliothek verwurzelt. Die Ausleihe ist wie ein zweites Zuhause für Brauen geworden: Beim kurzen Schwatz mit Kunden oder beim Wuseln zwischen den Bücherregalen tanke sie auf. «Wenn ich hier bin, bleiben all die kleinen und grossen Sorgen draussen», erzählt Lotti Brauen und nimmt einen Schluck Kaffee. Direkt beim Eingang ist eine kleine Kaffeeecke eingerichtet. Hier gibts nebst Kaffee verschiedene Zeitungen und Zeitschriften zum Lesen.

Biografien statt Krimis

Der Schritt von der einen Seite der Ausleihtheke auf die andere war für Lotti Brauen ein kurzer. Die Bibliothekarin war schon in jungen Jahren eine Leseratte und später mit ihren drei Kindern regelmässig in der Bibliothek anzutreffen. Daran hat sich auch später nichts geändert, am ehesten vielleicht das eigene Leseverhalten.

3163 Medien hat die Stadtbibliothek Lenzburg 2018 neu angeschafft. Bei einem Bestand von über 30 000 Medien wurden im vergangenen Jahr 115 066 Bücher und Nonbooks ausgeliehen sowie digitale Downloads vorgenommen. «Unsere Medien werden im Faktor 3,5 genutzt», freut sich Bibliotheksleiterin Barbara Hediger. Mit 3584 Abos haben auch die Nutzerzahlen erneut zugelegt. Diese Entwicklung schlägt sich in der Jahresrechnung 2018 nieder. Sie schliesst mit einem Gewinn von 8594 Franken.

Sorgen bereitet der Bibliotheksleiterin die Diskussion um die Pro-Litteris-Abgaben (die AZ berichtete). Die Urheberrechtsgesellschaft will die Bibliotheken stärker zur Kasse bitten. «Es trifft die Falschen», sagt Hediger. Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. (str)

Heute stöbert sie am liebsten in der Abteilung, wo es um Literatur zu Themen wie Gesundheit, Fitness, Biografien und das Alter geht. Als Ferienlektüre hingegen darf es durchaus mal etwas leichtere Kost aus dem Belletristikbereich sein. Das Lesen von Krimis jedoch überlässt Lotti Brauen lieber anderen.

Was aber nicht heissen will, dass man in der Stadtbibliothek vergeblich nach Kriminalromanen sucht. Sie achte bei der Anschaffung von neuen Büchern darauf, dass niemand zu kurz komme, betont Brauen. «Wir sind offen, wenn jemand einen spezielles Buchwunsch bei uns deponiert», sagt die bei der Stadtbibliothek Zuständige für Erwachsenenbücher. Das sei nicht immer so gewesen, erinnert sie sich. Früher haben die Kommissionsmitglieder den Kauf neuer Bücher besorgt. Dabei sei durchaus vorgekommen, dass teure ‹Schunken› gekauft wurden, «dicke schöne Sachbücher, die jedoch niemand lesen wollte, ausgenommen die Käufer», erzählt Brauen und lacht.

Ruhe zwischen den Regalen

Die Bibliothek im «alten Spittel» hat sich in der Vergangenheit nebst einer herkömmlichen Ausleihe zunehmend zum Treffpunkt entwickelt. «Die Bibliothek ist ein offenes Haus geworden.» Lotti Brauen und ihre Kolleginnen freuts. Nicht zuletzt Brauens Charme und Charisma dürften das Ihre dazu beigetragen haben.

Früher herrschten in dieser Beziehung ganz andere Sitten, die Bibliothek sei ein Ort der Stille gewesen, weiss die Bibliothekarin aus ihren Anfängen. Gespräche waren nicht gern gesehen, «es wurde höchstens ‹gchöschelet›».

Vom Zettel zum Computer

Lotti Brauen hat die sukzessive Ausweitung des Angebots in der Stadtbibliothek hautnah erlebt. Zu den analogen Medien hinzu kam das digitale Angebot. Als es in den bestehenden Räumen eng wurde, wurde eine zusätzliche Etage im Haus belegt. Zu Beginn des neuen Jahrtausends erlebte die Stadtbibliothek die Transformation vom Zettelkatalog ins Computerzeitalter.

Über 20'000 Medien wurden elektronisch erfasst, was einem epochalen Schritt für die Ausleihe gleichkam. Ein weiterer Meilenstein in Lotti Brauens langer Laufbahn als Bibliothekarin war die Sanierung des «alten Spittels». Zum 200. Jahr ihres Bestehens erhielt die Stadtbibliothek ein umfassendes Lifting und eine zeitgemässe Beleuchtung. Als Herzstück der gesamten Erneuerung wurde ein Lift eingebaut.

Hegt Lotti Brauen nach so vielen Jahren tatsächlich keine neuen Pläne, solche, die nichts mit der Stadtbibliothek zu tun haben? Die Ausleih-Jubilarin winkt ab. Geht es nach ihr, so ändert sich an der Situation rein gar nichts. Brauen lacht und meint: «Mir ist es wohl um Bücher herum. Die Tätigkeit in der Bibliothek ist viel mehr als einfach ein Job. Hier blühe ich richtig auf.» Sagt’s und schliesst den Deckel des Buches, das vor ihr auf dem Tisch liegt.

Aktuelle Nachrichten