Seon

Schüler helfen der Satis-Stiftung

25 Oberstufen-Schüler stellen zusammen mit 40 psychisch beeinträchtigten Männern Osterprodukte her. Ziel ist es, den gegenseitigen Respekt zu fördern. Am Samstag werden die Bastelarbeiten verkauft.

David Egger
Drucken
Teilen
Hier wird gebastelt: Ein Klient der Satis-Stiftung, Schülerinnen und eine Sozialpädagogin bemalen Holz-Osterhasen in einem Raum der Schule Seon.

Hier wird gebastelt: Ein Klient der Satis-Stiftung, Schülerinnen und eine Sozialpädagogin bemalen Holz-Osterhasen in einem Raum der Schule Seon.

DAVID EGGER

Sie sehen die anderen jeden Tag vorbeigehen, aber sie kennen sich kaum: die Schüler der Oberstufe Seon und die Klienten der Stiftung Satis. In den Einrichtungen der Stiftung leben IV-Rentner mit psychischen Beeinträchtigungen, zu einem grossen Teil mit schizophrenen Erkrankungen. Ein kleinerer Teil der Klienten befindet sich im strafrechtlichen Massnahmenvollzug.

Nun lernen sich die Klienten und die Schüler kennen, dank einer Projektwoche der Oberstufe Seon: 25 Schüler aus den siebten bis neunten Klassen verbringen unter dem Motto «Begegnungen» Zeit mit 40 Satis-Klienten. Die Schüler und die Satis-Klienten bewegen sich am Morgen während dreier Stunden zusammen in der Turnhalle und essen dann gemeinsam zu Mittag. Am Nachmittag stellen sie Wildbienenhotels sowie Eier und Hasen aus Holz als Osterdekoration her.

Diese Erzeugnisse verkaufen die Schüler und die Klienten am Samstag. Der Erlös geht an die Stiftung. Ähnliche Produkte verkauft die Stiftung Satis jeweils am Seoner Herbstmarkt und an anderen Märkten. Damit verdient die Stiftung je nachdem bis zu 2000 Franken.

Hölzerne und echte Tiere

Die Klienten von Satis – es sind ausschliesslich Männer – stellen auch sonst in den Werkstätten der Satis-Stiftung unter anderem Produkte aus Holz her. Mit dieser Arbeit erhalten sie eine Tagesstruktur. Darauf sind die Männer angewiesen, sagt Ivo Petrazzo, der bei Satis als Arbeitsagoge arbeitet. Er begleitet die Satis-Klienten in der Holzwerkstatt, wo sie das ganze Jahr über unter anderem Nistkästen für Vögel herstellen. «Ohne Tagesstruktur neigen Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen oft dazu, sich im Tag zu verlieren», sagt Petrazzo. Nun erleben die Klienten zusammen mit den Schülern für eine Woche einen anderen Alltag.

Beiden gefällts. «Den Leuten macht es Freude, wenn man mit ihnen arbeitet», sagt die 13-jährige Anna. Sie schleift gerade ein Holz-Ei, das sie vorher mit der elektrischen Laubsäge aus einem Holzbrett heraussägte. Später wird es bemalt, erhält ein Kükengesicht und zwei Füsse.

Mit echten Tieren befassen sich die Schülerinnen Vensiga, Atharsha, Berlinda und Anita: Auf dem Milch- und Fleischwirtschaftsbetrieb von Urs Häfeli stellen sie Wildbienenhotels aus Holz, Ziegelsteinen und Schilf her, zusammen mit Arbeitsagoge Sven Baltensperger und zwei Satis-Klienten. Während ein Klient lieber die Löcher für die Bienen ins Holz bohrt, nageln die Mädchen die einzelnen Bretter zum kleinen, hausförmigen Hotel zusammen.

Bereits erste Vorbestellungen

Für die Holz-Osterhasen, die ein Klient, drei Schülerinnen und eine Sozialpädagogin in einem Schulraum bemalen, gibt es bereits Vorbestellungen, verrät Claudia Kokontis. Die Oberstufen-Lehrerin hat die Satis-Stiftung für die Zusammenarbeit angefragt. «Die Satis-Klienten öffnen sich mehr als sonst und haben sich mehrfach bedankt», sagt sie. Auch Petrazzo zieht ein positives Fazit: «Manche Klienten waren motiviert für die Bewegung in der Turnhalle, von denen wir das nicht gedacht hätten. Das war eine Überraschung.»

Die Zusammenarbeit funktioniert also. Das Ziel der Projektwoche ist auch, dass Vorurteile abgebaut werden und dass die Akzeptanz und der Respekt auf beiden Seiten wachsen. Denn die Schule und Satis sind fast Nachbarn. Beide liegen an der Oberdorfstrasse. Die Stiftung Satis verkauft die Osterbasteleien am Samstag, 10 bis 13 Uhr, vor der Migros Seon.