Lenzburg
Rigide Auflagen verhindern eine lebenswerte Altstadt

Der Stadtrat will die Renovation von Altstadthäusern nicht mit zusätzlichen Vorgaben erschweren.

Von Ruth Steiner
Drucken
Blick vom Turm der reformierten Kirche auf die Altstadt.

Blick vom Turm der reformierten Kirche auf die Altstadt.

Pascal Meier

Seit Jahren wehrt sich der linke Einwohnerrat Martin Killias vehement gegen die Vernichtung historischer «Fussabdrücke» in der Stadt. Auch im Namen des Zürcher Heimatschutzes, den der Strafrechtsprofessor seit eineinhalb Jahren präsidiert, nimmt er sich Kultursünder vor. Vor zwei Jahren hatte er eine Motion für einen besseren Schutz der Altstadthäuser eingereicht, die der Einwohnerrat jedoch abgeschmettert hat. Man wolle der angelaufenen Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) nicht vorgreifen, hiess es.

Bauvorhaben in der Altstadt Lenzburg haben Killias’ Missfallen erregt. Gemeinsam mit Mitunterzeichneten hat er beim Stadtrat zwei Anfragen platziert, die gestern beantwortet wurden.

Entwicklung Ringzone

Killias sorgt sich um die Entwicklung des Stadtbildes auf Achse Stadtgässli-Burghaldenstrasse-Aavorstadt. Mit anstehenden und geplanten Ersatzbauten in diesem Bereich sei die «Perlschnur schöner Bauten» und damit die Baugeschichte gefährdet. Killias wollte vom Stadtrat wissen, ob das Erscheinungsbild in der revidierten Bau- und Zonenordnung (BO) geschützt werden könne.

In seiner Antwort wies der Stadtrat darauf hin, dass sich das beschriebene Gebiet in der sogenannten Ringzone befinde. Diese sei, im Gegensatz zur Altstadtbild einer gewissen Dynamik unterworfen. Ab dem 18. Jahrhundert habe sich entlang der damals neuen Verkehrsachsen ein neues Siedlungsgebiet entwickelt. Hier gehe es primär darum, ein Erscheinungsbild zu schaffen, welches der baulichen Entwicklungsgeschichte Rechnung trage.

«Törli»-Auskernung rechtens?

In der zweiten Anfrage ging es um ein konkretes Projekt und Fragen rund um die Abläufe bei der Renovation des ehemaligen Restaurants «Zum Törli» in der Kirchgasse. Killias, der sich für den Erhalt der Strukturen im Innern alter Häuser einsetzt, störte sich an der vorgenommenen Auskernung des Gebäudes, welche in dieser Form nicht vorgesehen war.

In seiner Antwort wies der Stadtrat darauf hin, dass der ursprünglich vorgesehene Erhalt von Dachstuhl und Decken aufgrund von dessen nachträglich festgestellten maroden Zustand aus sicherheitstechnischen Gründen nicht mehr habe verantwortet werden können. Der Stadtrat sprach sich gegen allzu restriktive «Anordnungen vorsorglicher Art» gegenüber den Hausbesitzern in der Altstadt aus. Der Stadtrat sei interessiert, dass in der Altstadt gelebt werde könne. Zu rigide Auflagen würden dies jedoch verhindern.

In einer ersten Stellungnahme gab sich Martin Killias mit den Antworten gar nicht zufrieden. «Ich bin sehr enttäuscht», sagte er. Mit Verweis auf den geplanten Abbruch der ehemaligen Schreinerei Hächler, die durch ein Wohn- und Gewerbehaus ersetzt werden soll, erklärte Killias: «Es nützt keine BNO etwas, wenn man vorher massive und krasse Präzedenzfälle schafft.» Zur «Törli»-Sanierung sagte er: «Hier wird Wertvernichtung betrieben.»

Alle traktandierten Geschäfte wurden genehmigt: 2 Millionen Franken für die Sanierung des Werkstattgebäudes der Berufsschule, 220 000 Franken zur Sanierung eines Teilabschnittes der Lenzhardstrasse sowie die Abrechnung für das Bahnhofplatz-Busprovisorium, das 25 Prozent unter dem Kredit abschloss.

Aktuelle Nachrichten