Vierfachmord Rupperswil

Renate Senn – diese Frau verteidigt den Mörder von Rupperswil

Nach der Verhaftung am Donnerstag wurde Thomas N. eine Pflichtverteidigerin zugeteilt. Die Oberstaatsanwaltschaft hat sich für Renate Senn entschieden, eine Anwältin, die sich auf Strafrecht spezialisiert hat.

Fabian Hägler
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Seit der Einführung der neuen Strafprozessordnung hat jeder Beschuldigte das Recht, bereits bei der ersten Einvernahme einen Verteidiger beizuziehen. Dies gilt auch für den Mörder von Rupperswil – bei Delikten, in welchen dem Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr droht, liegt ein Fall von notwendiger Verteidigung vor.

Er kann selber einen Anwalt bestimmen – tut er dies nicht, wird ihm von der Staatsanwaltschaft ein Pflichtverteidiger zur Seite gestellt. Thomas N., der Mörder von Rupperswil, wurde am Donnerstag verhaftet, am Samstag hat das Zwangsmassnahmengericht die Untersuchungshaft gegen ihn bewilligt. Doch wer verteidigt den 33-jährigen Mann, der am 21. Dezember vier Menschen brutal umgebracht hat?

"Der Beschuldigte hat keine Verteidigung genannt, von dem oder der er vertreten werden möchte", sagt Fiona Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, auf Anfrage. "Die Oberstaatsanwaltschaft hat Rechtsanwältin Renate Senn als notwendige Verteidigerin eingesetzt." Senn sei eine der wenigen Anwältinnen im Kanton Aargau, die auch Fachanwältin Strafrecht ist, "was durch die Zusatzausbildung zur Fachanwältin Strafrecht zum Ausdruck kommt", sagt Strebel.

Renate Senn ist Partnerin bei der Kanzlei Küng Metzler Senn Rechtsanwältinnen in Baden. Sie machte ihren Abschluss 1995 an der Universität Zürich und ist seit 1999 Inhaberin des Aargauischen Anwaltspatents.

In einer Medienmitteilung bestätigt Senn: "Die Staatsanwaltschaft hat mir die schwierige Aufgabe übertragen, den Tatverdächtigen im Fall der Tötungsdelikte von Rupperswil als Pflichtanwältin zu vertreten." Ihr sei bewusst, dass ein grosses öffentliches Interesse an diesem Fall bestehe und viele Fragen offen seien. "Die Tat erschüttert und macht auch mich zutiefst betroffen", hält die Anwältin fest.

Senn schreibt weiter, der Tatverdächtige habe vollständig gestanden. Sie betont, der Mann habe in einem Rechtsstaat wie der Schweiz das Anrecht auf einen korrekt durchgeführten Strafprozess. "Im Glauben an diesen Rechtsstaat habe ich diesen Grundsatz als Pflichtanwältin für den geständigen Tatverdächtigen zu wahren."

Die Strafrechts-Spezialistin kündigt an, sie werde ihre Arbeit "mit allem Respekt und mit Würde gegenüber den Opfern und den Hinterbliebenen wahrnehmen, denen unfassbares Leid angetan wurde. Aus diesem Grund kann und werde ich den Tatverdächtigen mit dessen Einverständnis im Moment weder in der Öffentlichkeit verteidigen noch als dessen Sprachrohr dienen."

Das nun eingeleitete Strafverfahren und der anschliessende Gerichtsprozess werde allen Betroffenen, der Bevölkerung und den Medien nach detaillierter Klärung der Umstände ausreichend Aufschluss über die Hintergründe der Geschehnisse geben.