Rupperswil-Prozess

Opferanwalt Markus Leimbacher: «Die lebenslange Verwahrung ist noch nicht vom Tisch»

Markus Leimbacher ist seit 29 Jahren Anwalt und vertritt die Opferfamilie im Fall Rupperswil. Trotz seiner riesigen Erfahrung hat auch er Mühe, seine Eindrücke zu verarbeiten.

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«Die Eltern sind gebrochene Leute», berichtet Opferanwalt Markus Leimbacher gegenüber TeleM1. «Im Gegensatz zu ihrer Tochter und ihren Enkeln leben sie zwar noch. Und trotzdem sind sie irgendwie auch gestorben.»

Leimbacher hat in seiner Funktion als Anwalt viel Kontakt zu den Eltern der verstorbenen Carla Schauer (†48). Besonders um den Vater macht er sich Sorgen: «Er macht einen depressiven Eindruck auf mich. Manchmal denke ich mir: Hoffentlich überlebt er das Ganze.»

Wie Leimbacher sagt, würde die Angehörigen besonders zwei Fragen quälen: Warum Thomas N. diese Tat begangen hat und warum er sich gerade diese Opfer ausgesucht habe.

Auch dem Anwalt geht der Vierfachmord sehr nahe. «Ich kann nicht länger als eine oder zwei Stunden an dem Fall arbeiten. Ich habe Mühe, in der Nacht zu schlafen. Ich erwache oft, weil ich Bilder oder Vorstellungen im Kopf habe. Ganz persönlich bin ich froh, wenn die vier Prozesstage vorbei sind.»

Sichtlich betroffen wirkt Leimbacher auch, als er nach dem ersten Prozesstag nach seiner Einschätzung gefragt wird. «Besonders verstörend war, dass der Täter von seiner Zukunft gesprochen hat. Er geht offenbar davon aus, dass er das Gefängnis in mittelbarer Zeit verlassen und ein völlig normales Leben leben kann», antwortet er auf die Fragen der anwesenden Reportern.

Die Forderung seiner Mandanten beinhalte immer noch eine lebenslängliche Verwahrung. «Sie ist noch nicht vom Tisch», so er. Die Aussagen der Gutachter seien nicht in allen Teilen ganz klar gewesen. Leimbacher verweist auf die Aussage von Psychiater Josef Sachs, der vor Gericht sagte, Pädophilie sei nicht therapierbar. Dennoch schliessen die beiden Gutachter eine Therapierbarkeit des Angeklagten nicht aus.

Die Bilder vom Rupperswil-Prozess vor dem Bezirksgericht Lenzburg Der Angeklagte Thomas N. (hinten) und Verteidigerin Renate Senn am zweiten Prozesstag in Schafisheim.
31 Bilder
Thomas N. wird zu einer lebenslänglichen Haft verureilt, das Bezirksgericht Lenzburg ordnet zudem eine ordentliche Verwahrung an. Im Bild ist der Angeklagte mit seiner Pflichtverteidigerin Renate Senn am ersten Prozesstag zu sehen.
Opferanwalt Markus Leimbacher in seinem Plädoyer am zweiten Prozesstag: «Thomas N. kann auch Richter, Therapeuten und Gutachter manipulieren.»
Nach dem ersten Prozesstag Ein ziviles Polizeifahrzeug der Kantonspolizei Aargau verlässt mit Thomas N. im Wagen die Tiefgarage der Mobilen Polizei.
Staatsanwältin Barbara Loppacher in ihrem Plädoyer am zweiten Prozesstag: «Er redet sich und die ganze Welt schön.»
Zwischenfall während der Mittagspause am Dienstag: Ein religiöser Eiferer fordert lautstark die Todesstrafe für Thomas N. und wird von der Polizei abgeführt.
Staatsanwältin Barbara Loppacher: «Es liegt keine psychische Störung vor, mit der die Morde erklärt werden können. Somit liegt keine Störung vor, die therapiert werden kann. Der Beschuldigte ist folglich untherapierbar.»
Thomas N. am ersten Prozesstag: Er spricht deutlich, verliert nie die Fassung.
«Ich bin pädophil», sagt der geständige 34-Jährige vor Gericht.
Er wünsche sich eine Therapie, gibt er zu Protokoll.
Das Gericht: René Müller (SVP), Margrit Kaufmann (CVP), Schreiber Lukas Fischer, Präsident Daniel Aeschbach (SVP), Marianne Bitterli (SVP), Luca Cirigliano (SP).
Thomas N. (Mitte) verfolgt den Prozess neben seiner Anwältin Renate Senn.
Den Kopf hat er meist auf seine rechte Hand gestützt, mit Zeigfinger und Daumen hält er sich die Nasenwurzel.
Thomas N. vor Gericht.
Die Richter hören Gutachter Josef Sachs zu.
Thomas N. wird zu einer lebenslänglichen Haft verureilt, das Bezirksgericht Lenzburg ordnet zudem eine ordentliche Verwahrung an. Im Bild ist der Angeklagte mit seiner Pflichtverteidigerin Renate Senn am ersten Prozesstag zu sehen.
Staatsanwältin Barbara Loppacher (vorne).
Blick in den Gerichtssaal mit dem Angeklagten Thomas N. (rechts aussen).
Vor dem Prozessbeginn: Nicole Payllier, Sprecherin der Gerichte Aargau, begrüsst Opferanwalt Markus Leimbacher begrüssen sich.
Tim Hemmi, ehemaliger FC-Aarau-Profi, beobachtet den Prozess als Jus-Student.
Roland Wenger, Sprecher der "Seetal Selection", einem Verbund der Juniorenteams des SC Seengen und des FC Sarmenstorf, wo Thomas N. als Koordinator tätig war.
Ein Gerichtszeichner skizziert erste Szenen vor dem Gebäude.
In den Räumen der Mobilen Polizei in Schafisheim findet der Prozess statt.
Journalisten vor dem Eingang.
Aufmarsch der Kantonspolizei Aargau.
Zuschauerin Annina Sonnenwald.
Der Prozess gegen N. dauerte vier Tage.
Weitere Bilder aus Schafisheim.

Die Bilder vom Rupperswil-Prozess vor dem Bezirksgericht Lenzburg Der Angeklagte Thomas N. (hinten) und Verteidigerin Renate Senn am zweiten Prozesstag in Schafisheim.

Marco Tancredi

Die Eltern von Carla Schauer sind nicht am Prozess dabei. Es sei für ihn selber schon unerträglich, zu hören, wie diese Personen richtiggehend abgeschlachtet worden sind, nachdem der Sohn noch sexuell missbraucht wurde. «Für Direktbetroffene ist das nicht aushaltbar.»

Der Lebenspartner von Carla Schauer ist dagegen am Prozess anwesend. Wie Experte Markus Melzl sagt, sei der Prozess der Verarbeitung sehr persönlich und individuell. Einigen helfe der Prozess, die Ereignisse zu verarbeiten, andere würden das nicht ertragen. «Jeder muss für sich selber entscheiden, wie er das macht. Wichtig ist, dass man immer die Wünsche der Angehörigen respektiert und es für sie so erträglich wie möglich macht.» (kob/sam)