Vision

Ist Schafisheim in 20 Jahren eine «idyllische Gemeinde frei von Durchgangsverkehr»?

In der laufenden Legislatur will der Gemeinderat von Schafisheim beim Verkehr wichtige Pfeiler setzen. Für die weitere Zukunft hat er klare Visionen.

Ruth Steiner
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Das grosse Verkehrsaufkommen in Schafisheim ist ein Problem. (Archiv)

Das grosse Verkehrsaufkommen in Schafisheim ist ein Problem. (Archiv)

Aargauer Zeitung

Seit Jahren schon leidet die 3000-Seelen-Gemeinde Schafisheim unter starkem Verkehr. Rund 14'000 Autos fahren täglich auf der Seetalstrasse mitten durch das kleine Dorf Richtung Autobahn A 1 und ins Seetal. Weitere 3000 Fahrzeuge benutzen den Abzweiger beim Kehrbrunnenkreisel Richtung Lenzburg/Staufen. Tendenz zunehmend. Die beiden Kantonsstrassen werden in naher Zukunft für 17 Millionen Franken saniert und mit einem modernen Flüsterbelag versehen.

Längerfristig geht es in Schafisheim jedoch um mehr als lediglich eine Reduktion des Verkehrslärms. In seiner kürzlich erarbeiteten Vision 2038 sieht der Gemeinderat das Dorf in zwanzig Jahren als «idyllische Gemeinde frei von Durchgangsverkehr». Bis zu diesem Zeitpunkt soll die Gemeinde zirka zehn Prozent wachsen auf rund 3300 Einwohner. Umso mehr betont Gemeindeammann Roland Huggler: «Die Abnahme des Verkehrs durch das Dorf ist eines unserer Hauptziele.» Mit dieser Aussage sendet Schafisheim auch eine deutliche Botschaft nach Aarau. Das Thema Dorfumfahrung soll mehr Gewicht erhalten. Im gültigen Richtplan des Kantons Aargau ist derzeit eine Umfahrung Ost von Schafisheim als «Projektidee für allfällige spätere Ergänzungen des Kantonsstrassennetzes» erst als sogenannte Vororientierung aufgenommen. Mit dieser Lösung ist man in Schafisheim jedoch alles andere als glücklich. Weshalb dem so ist, begründet Ammann Huggler so: «Die ins Auge gefasste Projektidee einer Dorfumfahrung zwischen Schafisheim und Staufen würde das Naherholungsgebiet zu stark tangieren und bei der Bevölkerung wohl kaum Akzeptanz finden.» In Zusammenarbeit mit dem Gemeindeverband Lebensraum Lenzburg Seetal hat man deshalb die Idee einer Umfahrung von Schafisheim im Westen (Richtung Hunzenschwil) beim Kanton ins Gespräch gebracht. «Es wäre der Gemeinde ein grosses Anliegen, dass diese Lösung Aufnahme findet im Richtplan», betont Ammann Huggler.

Wilde Parkiererei stoppen

Andere Verkehrsprojekte sollen hingegen bereits in der laufenden Legislaturperiode angepackt und realisiert werden. Ein spezieller Dorn im Auge ist dem Gemeinderat das Parkieren auf dem gebührenfreien zentralen Parkplatz bei der ehemaligen Post/Gemeindehaus und in den Quartierstrassen. Dort würden Autos planlos am Strassenrand abgestellt. «Wir tolerieren in Zukunft weder Laternenparkplätze, noch wollen wir, dass die Autoabstellplätze beim Gemeindehaus als Gratis-Park-&Ride-Möglichkeit missbraucht werden, wie das derzeit der Fall ist», sagt Huggler. Deshalb hat man eine Bewirtschaftung der Parkplätze ins Auge gefasst.

Eine hohe Priorität eingeräumt wird dem neuen Radweg von Schafisheim nach Lenzburg. Dessen Realisation ist im Kommunalen Gesamtplan Verkehr (KGV) mit entsprechender Wichtigkeit vorgesehen.

Etwas verhaltener äussert sich der Gemeinderat zum Thema Tempo 30, das in jüngster Vergangenheit in verschiedenen Gemeinden sogar flächendeckend eingeführt wurde. Nachdem Schafisheim vor sechs Jahren in einer Referendumsabstimmung einen Gemeindeversammlungsbeschluss für Tempo 30 auf den Quartierstrassen widerrufen hatte, will man Verkehrsberuhigungen «punktuell prüfen».

Weitere Legislaturziele: Zurück zur Kleinklasse?

Seit knapp einem Jahr erbringt Schafisheim Leistungen im Bereich des Kindes- und Erwachsenenschutzdienstes und der Jugend-, Ehe- und Familienberatung wieder autonom. «Mit unserem eigenen Personal sind wir wieder näher beim Klienten und haben damit bisher gute Erfahrungen gemacht», sagt Gemeindeammann Roland Huggler. Jetzt will man Langzeitarbeitslose bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt unterstützen. Die in Schafisheim ansässigen Lagerhäuser Aarau haben zu einer Zusammenarbeit Hand geboten. Nicht zufrieden ist man mit dem integrativen Schulsystem. Dieses soll überdacht werden. Der Gemeinderat hat dazu eine klare Haltung. «Wir haben negative Erfahrungen gemacht und überlegen uns, zu dem System ‹Kleinklassen› zurückzukehren», betont Gemeindeammann Roland Huggler. In Zusammenarbeit mit der Schulpflege soll ein Entscheid gefällt werden.
Was die Finanzen anbelangt, so sieht sich Schafisheim mit den Ausgaben für neuen Schulraum und die grossen Strassenbauprojekte vor einer steigenden Schuldenlast. Bisher konnte zwar eine Erhöhung des Steuerfusses vermieden werden, doch würde der aktuell gültige Satz von 99 Prozent kaum gehalten werden können, sagt Huggler.
Weitergehen soll es mit der Entwicklung des Gebiets «Stapfe». Dort sind unter anderem Alterswohnungen geplant. Das zweite Vorprojekt soll im September der Bevölkerung präsentiert werden, nachdem eine erste Version vom Gemeinderat als zu dominant zurückgewiesen worden war. (str)