Beinwil am See
Im Zivilleben war der Senator nur Gemeinderat

Bei der Operette «Eine Nacht in Venedig» wirkt Peter Eichenberger vor und hinter der Kulisse

Fritz Thut
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Beinwil am See: Operette «Eine Nacht in Venedig»
11 Bilder
Der Herzog von Urbino (Daniel Zihlmann) verlustiert sich mit Damen.
Gondoliere
Premierenapplaus auch für Regisseurin Monika Wild und den Musikalischen Leiter Konrad Jenny.
Theatergesellschaftspräsident Hansruedi Bürgi bei seiner Ansprache nach der Premiere.
Premierenfeier im "Löwen"-Foyer.
Empfang beim Herzog.
Karneval in Venedig.
Gesellschaft in der Nacht.
Edi Rohr und Margrit Zeltner vom Vorstand emfpangen die Premierengäste.
Premierenfeier im "Löwen"-Foyer.

Beinwil am See: Operette «Eine Nacht in Venedig»

Peter Siegrist

Nach der gelungenen Premiere erfolgte der Rollentausch in Windeseile. Aus dem Senator Barbaruccio mit barockem Kostüm, Lockenkopf und Herzchenmund wurde wieder Peter Eichenberger. Und der hatte Durst. Kämpfte sich durch die gratulierenden Premierengäste zur Theke vor. Welch Enttäuschung. Es wird kein Bier ausgeschenkt. Eigentlich. Doch für den Ehrenpräsidenten der Theatergesellschaft wird eine Ausnahme gemacht und eine Flasche Gerstensaft hergezaubert.

Zeit, die Kehle zu netzen, und eine erste Bilanz zu ziehen. Ein grandioser Aufstieg vom ehemaligen Vizeammann in Beinwil am See zum Senator in Venedig? Die erste Frage schiesst zur Hälfte ins Leere: «Vizeammann war ich nie, nur gewöhnlicher Gemeinderat. Gemeindeammann wäre ich gerne geworden, aber das erlaubte mir mein damaliger Arbeitgeber, die SBB, nicht.»

Comeback von «Schutzli»

In der Zwischenzeit ist Peter Eichenberger, der im ganzen Dorf als «Schutzli» bekannt ist, pensioniert und die neu gewonnene Freizeit widmete er fast vollumfänglich dem Theater. Bei der neuesten Produktion der Theatergesellschaft Beinwil am See, dem Johann-Strauss-Stück «Eine Nacht in Venedig», figuriert er zum wiederholten Mal als Assistent von Regisseurin Monika Wild.

Dass «Schutzli» zu einer Doppelfunktion kam, ist der Absage eines designierten «Senatoren» zu verdanken. So gibt das Böjuer Urgestein nach einigen Pausen ein Comeback auf der Bühne. Als Senator Barbaruccio («Der, der rechts steht!») nimmt der Lokalmatador mit seinen Amtskollegen Delacqua und Testaccio die Politik, die heutige und diejenige im alten Venedig, aufs Korn: Die Anprangerung des Opportunismus der Würdenträger lässt sich gut in die Gegenwart übertragen: «Das hat Spass gemacht», zog Peter Eichenberger nach dem ersten von 21 Auftritten Bilanz.

Zum Vergnügen kam auch eine grosse Belastung hinzu. Während den Proben gab es für «Schutzli» nicht nur die Doppelbelastung als Regieassistent und Senator, er wirkte in dieser Phase noch beim Theater der Musikgesellschaft Dürrenäsch mit: «Das war eine äusserst intensive Zeit für mich», so Eichenberger.

Doch diesen Aufwand nimmt der Theaterbessene gern auf sich. Im letzten Sommer erweiterte er bei der Schloss-Hallwyl-Oper «Die Zauberflöte» als Regie-Hospitant und Lichtinspizient bewusst seinen Horizont, um dereinst seine Vision zu verwirklichen: Theaterprojekte in der Region umzusetzen, die auch ganz Junge für das Metier begeistern. Damit soll der Nachwuchs für die Operette langfristig gesichert werden. Die erfolgreiche 109. Premiere zeigt in die richtige Richtung.

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