Seon

Gemeinde spürt Verluste von Mammut

2016 flossen halb so viel Aktiensteuern wie budgetiert. Grund sind tiefere Gewinne der Industrie, unter anderem vom Outdoor-Hersteller Mammut.

Pascal Meier
Drucken
Teilen
Die Gemeinde Seon spürt den Verlust von Mammut.. (Archivbild)

Die Gemeinde Seon spürt den Verlust von Mammut.. (Archivbild)

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Seon hat eine grosse Industrie. Gross sind deshalb die finanziellen Auswirkungen, wenn die Wirtschaft nicht brummt. Derzeit stottert sie, unter anderem wegen des starken Frankens.

Das spürt Seon in der Gemeindekasse. 2016 sind die Aktiensteuern eingebrochen. Budgetiert waren 1,5 Millionen Franken, tatsächlich flossen nur 1,34 Millionen. Rund 465 000 Franken davon stammen zudem aus dem Vorjahr. Die tatsächlichen Einnahmen aus Aktiensteuern betrugen damit 2016 rund 875 000 Franken – etwa die Hälfte vom budgetierten Betrag, der vorsorglich tief angesetzt worden war.

Der tiefere Betrag ist kein Ausreisser nach unten. In Seon sinken die Aktiensteuern seit mehreren Jahren . «Die Wirtschaft leidet, die Gewinne fallen tiefer aus», sagt Gemeindeammann Heinz Bürki, verantwortlich für die Finanzen. Dies sei in der ganzen Industrie im Dorf spürbar.

Mammut schreibt rote Zahlen

Ins Gewicht fällt Mammut. Der Outdoor-Hersteller hat seit 1992 seinen Hauptsitz im Industriegebiet Birren und kämpft mit wirtschaftlichen Problemen. Die Nachfrage sinkt. Zudem wickelt Mammut seine Geschäfte in einer ungünstigen Währungskonstellation ab: Der Konzern kauft viel in Dollar ein, verkauft die Mehrheit seiner Produkte im schwächelnden Euro-Raum und rechnet die Fixkosten in verhältnismässig teuren Schweizer Franken ab. «Für Unternehmen gibt es fast keine schlechtere Konstellation», sagte der damalige CEO Rolf Schmid 2015 der az.

Die Mammut Sports Group AG drückt deshalb seit Jahren auf die Kostenbremse. Der Konzern verlegte etappenweise Produktionssparten ins Ausland – zuletzt 2016 die Seilerei am Hauptsitz Seon, der allerletzte Produktionszweig in der Schweiz.

Die Sparmassnahmen zeigen Wirkung: Im traditionell schwachen ersten Halbjahr 2016 konnte der Sportartikelhersteller den Verlust etwas eindämmen. Die Betriebsgewinnmarge betrug –4 Prozent (Vorjahr: –6%). Das Jahresergebnis gibt die Muttergesellschaft Conzzeta Mitte März bekannt.

Gute Aussichten dank Neuzuzügern

Die Probleme von Mammut bringen die Seoner Finanzen jedoch nicht in Schieflage. Zum einen kommt das Outdoor-Unternehmen in der Rangliste der besten Aktiensteuerzahler erst auf Rang 3 oder 4 und trug bisher etwa zehn Prozent zu diesem Ertrag bei. Zudem konnten 2016 die eingebrochenen Aktiensteuern teilweise mit höheren Einkommens- und Vermögenssteuern kompensiert werden. «Hier haben wir im vergangenen Jahr mit 8,8 Millionen Franken rund 340

000 Franken mehr eingenommen als 2015», sagt Ammann Heinz Bürki. «Dies dank vieler Neuzuzüger.» Der Gemeinderat rechne weiter mit steigenden Einwohnerzahlen. Bürki: «Wir hoffen, damit den Rückgang bei den Aktiensteuern langfristig etwas abfedern zu können.»