Lenzburg

Es fehlen mehr gute Steuerzahler – dennoch ist der Stadtrat mit dem Jahresabschluss zufrieden

Die Steuerkraft pro Einwohner ist 2017 gegenüber dem Vorjahr gesunken. Der Stadtrat hat trotzdem Grund, sich über den Abschluss 2017 zu freuen.

Urs Helbling
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«Das Rechnungsergebnis konnte man so nicht erwarten», erklärte Finanzministerin Franziska Möhl.

«Das Rechnungsergebnis konnte man so nicht erwarten», erklärte Finanzministerin Franziska Möhl.

Fabio Baranzini

Franziska Möhl-Wey (CVP) ist Vizeammann und Finanzministerin von Lenzburg. Der Optimist wird sich mit ihr «über einen sehr guten Rechnungsabschluss 2017 der Stadt» freuen. «Einen, den man so nicht erwarten konnte», wie Franziska Möhl gestern an einer Medienkonferenz sagte.

Dem Pessimisten wird auffallen, dass die Steuerkraft pro Einwohner – wenn man nur die Einnahmen der natürlichen Personen berücksichtigt – gegenüber dem Jahr 2016 um fast ein Prozent (0,9%) gesunken ist. Das ist umso bemerkenswerter, als letztes Jahr die Bevölkerung um 662 auf 10'178 Einwohner gewachsen ist, und es unter den Neuzuzügern, den vermeintlich doppelverdienenden Zürich-Pendlern, eine überdurchschnittlich hohe Anzahl guter Steuerzahler haben müsste.

Dem ist nur bedingt so, wie die Steuerkraft pro Einwohner zeigt. Pro Einwohner heisst auch pro Kind. Und von letzteren gibt es, so Franziska Möhl, wieder deutlich mehr. «Wir sind ein sehr attraktiver Wohnort für Familien. Es ist positiv, dass wir uns dank der Kinder gesamthaft verjüngen.» Die Finanzministerin betont weiter: «Die im kantonalen Vergleich überdurchschnittliche Steuerkraft pro Einwohner zeigt, dass wir für gute Steuerzahler ein attraktiver Wohnort sind.» Der Steuerfuss betrug letztes Jahr 108 Prozent und liegt jetzt bei 105 Prozent.

Noch 820 Fr. Schulden pro Kopf

Während die Einkommens- und Vermögenssteuern im Abschluss 2017 mit 27,5 Millionen Franken minim (0,3%) unter dem Budget und deutlich (5,7%) über dem Abschluss 2016 lagen, übertraf der gesamte Steuerertrag mit 33,3 Millionen Franken sowohl das Budget (1,5%) als auch den Vorjahreswert (8,7%). Es gingen deutlich mehr Quellen- und Aktiensteuern ein.

Bei der Präsentation des Rechnungsabschlusses 2017 wies Finanzministerin Franziska Möhl besonders darauf hin, dass das Ergebnis aus betrieblicher Tätigkeit wieder positiv ausgefallen ist. Und der Selbstfinanzierungsgrad lag knapp über 100 Prozent (bei Investitionen von 7,67 Millionen Franken, vor allem in Schulhäuser).

Die Stadt hat aber insgesamt noch immer eine Pro-Kopf-Verschuldung von 820,35 Franken. Werden die Spezialfinanzierungen (Abwasser, Abfall, Heilpädagogische Schule) mitberücksichtigt, so sieht es deutlich besser aus: Statt Schulden haben die Lenzburger dann ein Nettovermögen von 1320,17 Franken pro Einwohner. Insbesondere, weil die Abwasserbeseitigung ein Guthaben gegenüber der Einwohnergemeinde von 20,8 Millionen Franken hat. «Die Frage nach einer Gebührensenkung nehmen wir sehr ernst», erklärte Stadträtin Möhl. Sie wies aber auch darauf hin, dass es Grössenordnung im Jahr 2030 einen markant höheren Sanierungsbedarf bei den Kanalisationen geben werde.

4,9% mehr für soziale Sicherheit

Der Umsatz der Stadt erreichte letztes Jahr 63,4 Millionen Franken (budgetiert waren 61,3 Mio. Fr.). Als Sorgenkind bezeichnete Franziska Möhl die soziale Sicherheit. So wurden an private Haushalte 5,6 Millionen Franken Sozialhilfe ausbezahlt. Budgetiert waren 4,1 Millionen (Rechnung Vorjahr 4,8 Millionen). 50 Prozent der Bezüger waren Schweizer. Insgesamt lag der Nettoaufwand bei der sozialen Sicherheit 4,9 Prozent höher als budgetiert. Die Herausforderungen in diesem Bereich bleiben gross: Franziska Möhl wies etwa darauf hin, dass die Gemeinden neu für die Krankenkassen-Verlustscheine aufkommen müssen.

Es gibt aber auch Bereiche, in denen die Entwicklung erfreulich ist. Psychologisch wichtig – wenn auch nicht in Bezug auf die Höhe der Kosten – ist die Entwicklung beim Ferienhaus Samedan. Letztes Jahr wurden im Engadin 5674 Übernachtungen registriert – über tausend mehr als 2016 (damals waren es 4649).

Vor einem Jahr berichtete die AZ unter dem Titel «Die rosigen Zeiten sind vorbei» über den Abschluss der Stadt Lenzburg. Jetzt sieht es besser aus – vor allem auch einnahmeseitig. Aber die Herausforderungen blieben trotz des sehr guten Rechnungsergebnisses hoch, betont Möhl.