Lenzburg

Einhelliges Lob für Erfolgsgeschichte der Berufsschulen

Die sieben Teilnehmer auf dem Podium waren sich von Beginn weg einig: Die Berufsbildung in der Schweiz stellt eine einmalige Erfolgsgeschichte dar, um die wir im Ausland beneidet werden.

Markus Christen
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Moderator Peter Buri (Mitte) mit den Podiumsdiskussionsteilnehmern.

Moderator Peter Buri (Mitte) mit den Podiumsdiskussionsteilnehmern.

Markus Christen

Eine Erfolgsgeschichte ist die Berufssausbildung – desto nachdrücklicher stellt sich die Frage, wie es geschehen konnte, dass die Berufsbildung zunehmend «einen schweren Stand hat», wie Ruedi Suter, Rektor der Berufsschule Lenzburg, zusammenfasst.

Am Mittwoch lud die Berufsschule in der Aula zu einem Podiumsgespräch mit prominenten Vertretern aus Politik und Wirtschaft. Die Veranstaltung fand statt im Rahmen der «Woche der offenen Türen» zur Einweihung des sanierten Schulhauses A. Unter der Leitung von Peter Buri, Regierungssprecher des Kantons Aargau, wurde diskutiert über den Stellenwert der Berufsbildung.

Bessere Koordination gefordert

In den Köpfen von Lehrern, Schülern und Eltern sei eine einfache Gleichung fest verankert, stellte Christine Davatz fest: «Bildung ist gleich Schule. Und dementsprechend gilt, viel Bildung gleich viel Schule.» Die Stiftungsrätin von SwissSkills und in dieser Funktion Koordinatorin von Berufsmeisterschaften hält diese Gleichung für falsch: «Es ist keine Schande, wenn man sagt, das eigene Kind absolviert eine Lehre.» Viel eher würde sich heute der gymnasiale Weg als eine Sackgasse erweisen. In diesem Zusammenhang machte Davatz auf eine Abbrecherquote von 30 Prozent an Gymnasien und Universitäten aufmerksam. «Das bedeutet jedes Mal ein Desaster für die betroffenen Familien. Deshalb hört man davon nichts.»

Ähnlich argumentierten auch Nationalrat Hansjörg Knecht und Grossrat Thomas Burgherr. Die beiden SVP-Politiker und Unternehmer fordern eine bessere Koordination zwischen Wirtschaft und Schulen und eine neu geregelte Mittelverteilung.

Weg zur Eigenständigkeit

Von den 40 Milliarden Franken, die von Bund und Kantonen jährlich für die Bildung ausgegeben werden, fliessen nur 250 Millionen in die höhere Berufsbildung. Darin sehen die Diskutanten einen Missstand. Zudem habe, so Unternehmer Thomas Lenzin, eine regelrechte «Reformitis» und ein Formalismus die Schulen zum Nachteil der Berufslehre ergriffen.

Die Vorschläge an Wirtschaft und Politik zur Förderung der Berufsschule sind also formuliert und liegen auf dem Tisch, doch welche persönlichen Gründe gibt es, sich für eine Berufslehre zu entscheiden? Auf diese Frage antwortete die jüngste Podiumsteilnehmerin. Karin Zehnder absolviert eine Lehre als Polymechanikerin. «Die Abwechslung bei der Berufsbildung ist unverkennbar. Arbeit und Schule werden kombiniert, ich verdiene mein eigenes Geld.» Ständerätin Pascal Bruderer unterstützte dieses Votum und ergänzte: «Nicht nur die Eigenständigkeit auch die gesellschaftliche Integration wird durch die Berufsbildung gefördert.»

Berufsausbildung muss attraktiv sein

Dass auch die Ausbildungsbetriebe gefordert sind, soll die Attraktivität der Berufsbildung wieder gesteigert werden, machte ein Zuhörer aus dem Publikum deutlich. Während der mehrtägigen Schnupperlehre in einer Autowerkstatt sei es die einzige Aufgabe des Sohnes gewesen, insgesamt 22 Autos zu polieren. So, darin waren sich die Podiumsteilnehmer einig, könne einem jungen Menschen auf keinen Fall die Lust an einem Beruf vermittelt werden.