Boniswil

Die Neutrassierung ist jetzt vollzogen

Nach zwei Jahren Bauzeit wird in Boniswil seit Donnerstag der neue Bahnhof auf den neuen Gleisen angefahren. Zur Freude der Anwohner.

Fritz Thut
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Ansprache von Gemeindeammann Gérald Strub an der Ersteinfahrt. to

Ansprache von Gemeindeammann Gérald Strub an der Ersteinfahrt. to

Nach exakt zweijähriger Bauzeit konnteam Donnerstag das neue Trassee der Seetalbahn in Boniswil seiner Bestimmung übergeben werden. Dem von vielen Boniswilern mit der Teilnahme an der Jungfernfahrt gefeierten Ereignis vorausgegangen waren Jahrzehnte der Planung und viele heisse Diskussionen.

Die Seetalbahn galt in den 60er- und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts als eine der unfallträchtigsten Strecken des schweizerischen Bahnnetzes. Nach Grundsatzdiskussionen über die Weiterführung oder den Ersatz durch eine Buslösung beschlossen die Verantwortlichen alsbald eine sicherheitstechnische Sanierung der Bahnstrecke zwischen Lenzburg und Luzern.

Sanierung vor Ort abgelehnt

Dabei war schnell klar, dass die mehrheitlich ungesicherten Niveauübergänge die Hauptquelle der zahlreichen Unfälle darstellten. Die rigide Sicherung oder noch besser die Aufhebung möglichst vieler Kreuzungen von Schiene und Strasse war bald das erklärte Ziel.

Während in den andern Aargauer und den meisten Luzerner Seetalbahn-Gemeinden diese Vorgabe mit neuen, so genannten rückwärtigen Erschliessungen gelöst wurde, diskutierte man in Boniswil über Vor- und Nachteile einer Bahnsanierung vor Ort oder einer Entflechtung von Bahn- und Strassenverkehr.

Jungfernfahrt vor Ostern

Die Emotionen gingen hoch und schliesslich entschied man sich in letzter Sekunde – die Kredite von Bund und Kanton waren nahezu aufgebraucht – für die etwas teurere Verlegung des Trassees. Kurz nach Ostern 2009 begann man mit den Bauarbeiten und nun, kurz vor den Ostertagen 2011, wurde das neue Teilstück in Betrieb genommen.

Mit der Verschiebung des Trassees wurde die Zahl der Niveauübergänge von 22 auf 3 reduziert, alle gesichert mit Barrieren. Die zusätzliche Sicherheit hatte auch ihren Preis: Der Verlegung mussten etwa der alte Bahn-hof und der Mosti-Schopf geopfert werden. Zudem benötigte das neue Gleis wertvolles (Kultur-)Land. Kein Wunder gab es auch wegen der Landerwerbsverhandlungen Verzögerungen während der Planungsphase.

Gleise montiert

Während des ersten Winters sorgte die Witterung noch für Verzögerungen, doch in den letzten Monaten verliefen die Bauarbeiten exakt nach Plan. Die letzten zwei Wochen war die Strecke für die so genannten Verschwenkungsarbeiten gesperrt und die Passagiere wurden während dieser Zeit mit Bahnersatzbussen befördert.

Anfang Woche wurde die Fahrleitung über den neuen Gleisen montiert und getestet. Dabei kam es noch zu kleineren Problemen, die jedoch schnell gelöst werden konnten. An der mit Spannung erwarteten Jungfernfahrt war die Spannung sichergestellt.

Strassengestaltung als Chance

Boniswil hat nun einen nigelnagelneuen, aus dem Normkatalog der Bundesbahnen stammenden Bahnhof. Die neue, zentralere Lage im Oberdorf (der alte Bahnhof lag an der Peripherie und erst noch halb auf Hallwiler Boden) wird allgemein als Verbesserung empfunden.

Die neue Längsteilung des Dorfes Boniswil durch zwei separate Verkehrslinien soll kein Handicap sein. «Die meistgestellte Frage an der heutigen Ersteinfahrt an mich war: ‹Was passiert mit dem alten Trassee?›», so Gemeindeammann Gérald Strub. Dieser Streifen neben der Seetalstrasse soll und kann nicht einfach in einen Radweg verwandelt werden.

Vielmehr erachten die kommunalen und kantonalen Behörden dieses Areal als Chance für eine Aufwertung des Ortsbildes. Wie dies mit einer neuen Strassenraumgestaltung erreicht werden soll, wird schon bald, am 12. Mai an einer Orientierungsversammlung präsentiert. Und am 31. Mai, an der Sommer-Gemeindeversammlung, können die Stimmberechtigten bereits Stellung dazu beziehen.