Othmarsingen

Die Bevölkerung kämpft für die Oberstufe

Eine Diskussion über die Aufhebung des Oberstufenstandortes Othmasringen schlug hohe Wellen - und schwankte teilweise zwischen persönlichen Grabenkämpfen und Debatten über die Sinnhaftigkeit des Regos-Gesetzes.

Markus Christen
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Viele Othmarsinger unterschrieben die Petition der Lehrer für den Oberstufenstandort. Markus Christen

Viele Othmarsinger unterschrieben die Petition der Lehrer für den Oberstufenstandort. Markus Christen

Mit dem Entschluss des Regierungsrates, nach der Ablehnung des Bildungskleeblatts durch den Souverän die Regos-Planung (Regionalisierung der Oberstufe) konsequent umzusetzen, stand auch der Oberstufenstandort Othmarsingen zur Disposition (die az Aargauer Zeitung berichtete am 6. Dezember 2010).

Der gewichtigste Grund für eine Aufhebung des Oberstufenstandortes ab dem Schuljahr 2013/2014 ist, dass künftig die geforderte Mindestanzahl an Schülern in einzelnen Realschulabteilungen nicht gewährleistet werden kann.

Nachdem der Gemeinderat von Othmarsingen an der letzten Gemeindeversammlung im November 2010 über die Gefährdung des Oberstufenstandortes informiert hatte, führte dies im Dorf zu ausführlichen Diskussionen. Am Donnerstagabend wurde die Bevölkerung deshalb zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Der Gemeinderat, die Schulpflege und die Schulleitung wollten den Einwohnern die Möglichkeit geben, ihre Meinung kundzutun.

Vorhersage ist schwierig

In einem kurzen Vortrag erläuterte Schulleiter Beat Röthlisberger die Zahlen zur zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung in Othmarsingen. Präzise machte er dabei auf ein entscheidendes Problem aufmerksam. Die Zahlen, die von der Metron AG, dem Planungsbüro aus Brugg, errechnet wurden, sind, wie die Metron selbst auch erklärt, für eine kleine Gemeinde wie Othmarsingen nur bedingt aussagekräftig. Nur wenige Neuzuzüger könnten allenfalls den Oberstufenstandort wieder Regos-tauglich machen. Ausserdem werden ab dem Schuljahr 2015/2016 laut Berechnungen die Schülerzahlen in Othmarsingen wieder steigen.

Die nachfolgende, hoch emotionale Diskussion schwankte teilweise zwischen persönlichen Grabenkämpfen und Debatten über die Sinnhaftigkeit des Regos-Gesetzes. Dies führte so weit, dass dem Gemeinderat indirekt vorgeworfen wurde, er würde die Schule Othmarsingen verraten, und endete in der Aufforderung, einen möglichen Entschluss des Regierungsrates zur Schliessung des Oberstufenstandortes schlichtweg zu ignorieren.

Dies waren aber letztlich die ausblendbaren Ausläufer in einer Diskussion, die vor allem vor Augen führte, wie wichtig es der Bevölkerung ist, den Schülern eine optimale Ausbildung garantieren zu können, und die deshalb bedingungslos für einen Erhalt des Oberstufenstandortes kämpfen will.

Eine Sowohl-als-auch-Strategie

Die Schulpflege unter der Leitung von Stephan Setz wies die Vorwürfe, die Eingliederung der Sekundar- und Realschüler in die Schule Lenzburg sei bereits beschlossene Sache, an diesem Abend mehrere Male von sich. «Aber es ist auch nötig, dass wir neben dem Plan A, der Erhaltung des Standortes, auch einen Plan B erarbeiten, damit wir bei einem allfälligen negativen Entscheid auch vorbereitet sind.» Christoph Schatzmann, Präsident der Finanzkommission, brachte den Standpunkt der Behörden auf den Punkt: «Wir brauchen eine Sowohl-als-auch-Strategie.»

Viele Votanten aus der Bevölkerung, aber auch Vertreter der Lehrerschaft, machten es den Behörden zum Vorwurf, dass man zwar davon rede, man wolle die Oberstufe in Othmarsingen behalten, aber niemand sich wirklich dafür starkmache und keine Strategie zu erkennen sei. Unter heftigem Applaus wurde mehrmals gefordert, dass die Erhaltung der Oberstufe absolut oberste Priorität habe.

Regos ist unumstösslich

Es war der Schulleiter Beat Röthlisberger, der in einem persönlichen Gespräch vor der Veranstaltung noch deutlich gesagt hatte, man müsse alle Mittel für den Erhalt der Oberstufe einsetzen, und nun aufzeigte, dass das Regos-Gesetz letztlich unumstösslich sei. Man könne jetzt in erster Linie versuchen, den Regierungsrat davon zu überzeugen, für Othmarsingen eine Sonderbewilligung für die Weiterführung des Standortes zu gewähren, um zu zeigen, dass die Schule Othmarsingen in Zukunft fähig ist, die Regos-Standards zu erfüllen. Dies ist gleichzeitig auch eine der Hauptforderungen aus der Petition an den Regierungsrat, welche Marcel Fuchs als Vertreter der Lehrpersonen an diesem Abend vorstellte.

Für einen versöhnlichen Abschluss sorgte Gemeindeammann Fritz Wirz. «Der Gemeinderat, die Schulpflege und die Schulleitung nehmen diese Debatte sehr ernst, und wir werden für den Erhalt des Oberstufenstandortes in Othmarsingen kämpfen», sagte Wirz unter Applaus der über 150 Besucher. Diese verliessen die Mehrzweckhalle, nicht ohne in grosser Zahl die Petition der Lehrpersonen unterschrieben zu haben.