Lenzburg

Der Gemüsegarten von Lenzburg: Bald wächst Kabis mitten in der Altstadt

Ein urbaner Gemüsegarten soll in diesem Sommer zusätzliches Publikum in die Innenstadt von Lenzburg locken. «Ein Ort, wo es etwas grünt, ist mir lieber, als einer, wo nichts als Leere gähnt», so Initiantin Prisca Keel.

Ruth Steiner
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Urbaner Gemüsegarten mitten in der Altstadt von Lenzburg
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Das Hochbeet

Urbaner Gemüsegarten mitten in der Altstadt von Lenzburg

Sandra Ardizzone

Es ist zweifellos ein lauschiger Ort, an dem Prisca Keel den Besuch empfängt. Der Familiengarten ist riesig, aktuell eingenommen von der Farbenpracht des Frühlings, Bäume und Sträucher schaffen kleine Oasen, Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein. Prisca Keel ist gelernte Floristin. Sie hat zweifellos einen grünen Daumen.

Und eine kreative Ader noch dazu: Da ein Töpfchen mit einer Grünpflanze drin, dort ein Kistchen mit blühenden Blumen in roten, blauen und gelben Farben. Auf einem langen Tisch in einer lauschigen Garten-Ecke blühen Erdbeeren in langen Gefässen.

Keels Garten ist kein «gebützelter». Da und dort lässt die Hobby-Gärtnerin der Natur freien Lauf, Perfektion sei nicht ihr Ding, sagt sie und lacht. «Ein Ort, wo es etwas grünt, ist mir lieber, als einer, wo nichts als Leere gähnt.»

Leere möchte Prisca Keel auch in der Lenzburger Altstadt keine sehen. Die Geschäftsschliessungen in der Vergangenheit haben sie betroffen gemacht. Und nicht mehr losgelassen.

Auf eigene Initiative hat sie deshalb ein Urban Gardening-Projekt entwickelt, welches in den Sommermonaten Menschen ins Zentrum bringen und dieses bevölkern soll.

«Eine Stadt muss leben», betont Keel. Richten soll es ein temporärer Gemüsegarten, den Prisca Keel im Lenzburger Stadtzentrum aufstellen will.

Mit dieser Idee lehnt sie an den Mobilen Garten während der Theatertage im vergangenen Jahr auf dem Metzgplatz an. Dieser hat damals weitherum Beachtung gefunden.

«Die Leute sind extra auf den Metzgplatz gegangen, einander fremde Menschen sind beim Bestaunen der kreativen Pflanzenpracht ins Gespräch gekommen, es hat Begegnung stattgefunden», weiss Keel.

Altstadt-Geschäfte als Paten

Wie sich Prisca Keel den temporären Pflanzblätz vorstellt, erklärt sie anhand eines Prototyps, den sie gleich selber gebaut hat.

Das einzelne Gemüsegefäss ist 2 Meter lang und 60 Zentimeter hoch. Die Behälter werden vor Ort bepflanzt.

Während gut drei Monaten darf das Gemüse darin wachsen und reifen. Für dessen gutes Gedeihen sind Paten verantwortlich.

Sie müssen in ihrer Kiste das Unkraut auszupfen und dafür sorgen, dass Kohlräbli & Co. nicht verdursten.

Paten sind die Betreiber der Altstadt-Geschäfte. Prisca Keel ist persönlich für das Projekt geweibelt. Ihre Idee falle auf fruchtbaren Boden, freut sie sich. «Bestenfalls werden wir 40 Gemüsekisten aufstellen können.»

Aufgebaut wird die einzelnen temporären Gemüsegärtchen vor dem jeweiligen Patengeschäft in der Leuengasse, Rathausgasse, Kirchgasse und der Aavorstadt.

Mit diesem Projekt bring Prisca Keel nicht zum ersten Mal Menschen in die Altstadt. Ebenfalls von ihr stammte die Idee von der 60 Meter lange Murmelbahn. Sie sorgte während der Feierlichkeiten zum 40-Jahr-Jubiläum der Kulturkommission Lenzburg vor zwei Jahren für ein riesiges Gaudi, von dem sich halb Lenzburg mitreissen liess.

Grünes Licht vom Stadtrat

Wie stellt sich das offizielle Lenzburg zu dieser privaten Initiative? «Das Projekt wurde vom Stadtrat diese Woche behandelt und wir stehen dieser Aktion positiv gegenüber», sagt Stadtammann Daniel Mosimann auf Anfrage. Grundsätzlich sei es sehr positiv zu werten, wenn Privatpersonen einen Beitrag leisten, im vorliegenden Fall zur Belebung der Altstadt, sagt er.

Auch wenn Mosimann die Idee grundsätzlich begrüsst, so schwingt in seinen Worten noch keine überschwängliche Euphorie mit. «Das Ganze muss auch praktikabel sein.» So ganz einfach sei die Umsetzung im Hinblick auf die anstehenden grossen Veranstaltungen in der Stadt nicht. «Die Rathausgasse darf deswegen nicht allzu sehr mit Gefässen verstellt werden.»

Mit andern Worten: Jugendfest und Gauklerfestival, beides sind publikumsstarke Anlässe, und die damit verbundenen Arbeiten des Werkhofs dürfen durch den «Gemüsegarten» nicht behindert werden. Die vom Stadtrat verlangte Praktikabilität wurde inzwischen nachgewiesen und so wurde vonseiten der Exekutive grünes Licht gegeben.

Die Bewilligung und die moralische Unterstützung ist allerdings das Maximum: Laut Mosimann können die Initianten von der Stadt keine Finanzspritze erwarten. Finanziert wird das Projekt durch verschiedene Sponsoren und einen Beitrag der Vereinigung der Centrums-Geschäfte.

Pflanzaktion in einer Woche

Das Okay des Stadtrats kam gerade noch rechtzeitig. Heute in einer Woche, am Samstag, 21. Mai, ist eine grosse Einpflanzaktion geplant. Mitmachen dürfen alle, die Freude am Gärtnern haben. Auch die Kisten werden nach einem Bauplan vor Ort zusammengeschraubt wie ein Ikea-Möbel.

Ebenfalls zu einem Event, dann der mehr kulinarischen Art, werden soll später die Ernte. Dann wird das Gemüse vor Ort gekocht und verzehrt. Wie das genau vonstattengehen soll, darüber will sich Keel später den Kopf zerbrechen.

Nur eines ist klar: Das wird im September der Fall sein. Auch dann wieder mit einem Anlass, der viel Publikum anlocken und neue Begegnung in die Altstadt bringen soll.

Öffentliche Gemüse-Pflanzaktion in der Innenstadt am Samstag, 21. Mai, 10 bis 17 Uhr.