Bahnverkehr

Das «Olten des Aargaus»: Warum der neue Bahnhof Othmarsingen für die SBB so wichtig ist

Der Bahnhof Othmarsingen ist nach dem 20-Millionen-Umbau eröffnet worden und künftig eine wichtige Drehscheibe.

Sibylle Haltiner
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Einweihung Bahnhof Othmarsingen
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Gemeindeammann Fritz Wirz weiht den neuen Bahnhof ein.
Rampen ermöglichen den problemlosen Zugang auch mit Rollstuhl oder Kinderwagen.
Die Perrons wurden verlängert und erhöht.
Der barrierefreie Zugang zu den Perrons wird durch einen Lift gewährleistet.
609 Züge fahren jeden Tag durch den Bahnhof Othmarsingen

Einweihung Bahnhof Othmarsingen

Sibylle Haltiner

«Othmarsingen ist quasi das ‹Olten› im Aargau», meinte Simone Rangosch, Leiterin der Abteilung Verkehr im Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau, am Samstag an der Einweihungsfeier des Bahnhofs. Tatsächlich fahren durch den neuen Knotenpunkt täglich rund 609 Züge, Othmarsingen ist zu einer wichtigen Drehscheibe zwischen der Ost-West- und der Nord-Süd-Verbindung der SBB geworden. Der rund 20 Millionen Franken teure Umbau hat nur gerade eineinhalb Jahr gedauert. «Vom einstigen Schandfleck zum reisefreundlichsten Bahnhof der Schweiz» bezeichnete Gemeindeammann Fritz Wirz die Umgestaltung und fügte hinzu: «Wir sind stolz darauf. Der neue Othmarsinger Knotenbahnhof liegt im Zentrum von Europa und legt ein Bekenntnis ab für den Bahnverkehr.»

Hier kreuzen sich die Achsen

Um dem erweiterten Angebot der SBB im S-Bahn-Bereich, zum Beispiel der Eröffnung der S25 von Brugg nach Muri, aber auch dem Ausbau der Verbindungen zwischen dem Freiamt beziehungsweise Aarau und Zürich gerecht zu werden, war es nötig, den Bahnhof Othmarsingen auszubauen. «Wir haben hier einen der wenigen Bahnhöfe, in welchem sich die Nord-Süd-Verbindung mit der Ost-West-Achse kreuzt», erklärte Urs Walker, Gesamtprojektleiter der SBB für den Umbau. «Deshalb ist Othmarsingen so wichtig für uns.» Der eigentliche Kreuzungspunkt liegt allerdings ausserhalb des Bahnhofs, nämlich bei der Gexi-Kreuzung im Dreieck Lenzburg-Othmarsingen-Hendschiken.

Damit in Zukunft auch dreifache S-Bahn-Kompositionen, welche die Strecke Aarau–Zürich befahren, in Othmarsingen halten können, wurden die Perrons der Ost-West-Achse auf 320 Meter Nutzlänge ausgebaut. Für die Züge von Brugg ins Freiamt, die etwas kürzer sind, stehen 220 Meter lange Perrons zur Verfügung. Ausserdem wurden schnellere Weichenverbindungen eingebaut. Diese können mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h überfahren werden anstatt mit 40 wie bisher.

Der ganze Bahnhof wurde zudem behindertengerecht ausgebaut, die Perrons sind barrierefrei über Rampen und Lift erreichbar. Zwar hätte man auf die Aufzüge lieber verzichtet, da sie gewartet werden müssen, doch die schmalen Perrons liessen keinen Zugang über eine Rampe zu. Ausserdem wurde die Perronkante angehoben, nun können die Niederflurzüge ebenerdig betreten werden, die Gitterstufen, die als Einstieghilfen dienten, sind verschwunden. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde wurde auch eine neue WC-Anlage erstellt. Parkplätze für Autos und Velos werden folgen.

Der Umbauarbeiten waren nicht einfach, musste doch der Bahnverkehr aufrechterhalten werden. Um dies zu gewährleisten, wurde ein Hilfsperron gebaut. «Wir haben viel in der Nacht gebaut und mussten am frühen Morgen die Perrons jeweils wieder für die Bahnkunden herrichten», berichtete Projektleiter Urs Walker. «Das war anspruchsvoll.» Umso mehr freuen sich alle Beteiligten, dass der Umbau ohne Unfall durchgeführt werden konnte.

Ein weiterer Punkt freut Urs Walker. «Wir hatten eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde und konnten auch die Bevölkerung immer auf einfachem Weg orientieren.» Dadurch sei es nur zu ganz wenigen Reklamationen gekommen. «Hier in Othmarsingen weiss man um die Bedeutung der Bahn», resümierte Walker.

An der Einweihungsfeier gab es für alle Besucher von der SBB einen Schoggi-Nikolaus und von der Gemeinde ein «Bahnhof-Risotto». Dazu knallten die Chlausklöpfer die Geisseln und die Musikgesellschaft Othmarsingen spielte auf. Als Dank für die gute Zusammenarbeit übergab Michel Berchtold, Regionalkoordinator und Leiter Personenverkehr Region Mitte der SBB, dem Gemeindeammann eine Bahnhoftafel mit der Aufschrift «S25 Brugg– Othmarsingen–Muri». In einer Woche, ab dem 11. Dezember, gilt der neue Fahrplan, ab dann verkehrt die S25 und der Bahnhof Othmarsingen wird seine neue Aufgabe als «Olten des Aargaus» übernehmen.