Lenzburg
«Das Müllerhaus ist ein Diamant mit neuer Strahlkraft»

Das Müllerhaus ist ein Begriff – vor allem in Kulturkreisen. Doch an der Feier zum 25-Jahr-Jubiläum der Stiftung Dr. Hans Müller und Gertrud Müller wurden auch frühe Unwägbarkeiten und zwischenzeitliche finanzielle Unsicherheiten erwähnt.

Fritz Thut
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Das Lenzburger Müllerhaus gilt als«schönstes Bürgerhaus»weitherum.

Das Lenzburger Müllerhaus gilt als«schönstes Bürgerhaus»weitherum.

Fritz Thut

Das Müllerhaus ist ein Begriff – vor allem in Kulturkreisen. Seit 25 Jahren besteht die Stiftung Dr. Hans Müller und Gertrud Müller, die den einmaligen Ruf erarbeitet hat. Dies geschah nicht immer ohne Reibung, wie an einer kleinen, aber feinen Jubiläumsfeier auch erwähnt wurde.

Frühe Unwägbarkeiten und zwischenzeitliche finanzielle Unsicherheiten gehören nun der Vergangenheit an. «Das Müllerhaus ist ein Diamant mit neuer Strahlkraft», charakterisiert Stiftungsratspräsident Alexander Krebs die aktuelle Situation.

«Das schönste Bürgerhaus»

Das Müllerhaus steht seit 220 Jahren am Bleicherain in Lenzburg.

Erbaut im Auftrag von Gottlieb Hünerwadel nach den Plänen des berühmten Berner Architekten Carl Ahasver von Sinner (von dem auch das Bundesrats-Gästehaus Landgut Lohn stammt), gilt das auf einer Erhöhung über dem Aabachlauf liegende Gebäude «als das schönste Bürgerhaus Lenzburgs, ja des ganzen Kantons», wie Stadtammann Daniel Mosimann als erster Gastredner an der Jubiläumsfeier vermerkte.

Mosimann würdigte jedoch nicht nur die durch die sukzessiven Innen- und Aussenrenovationen aufgefrischte Architektur, sondern auch die inneren Werte: «Dies war von jeher ein offenes Haus und diesen Geist gilt es weiter zu pflegen.»

Die aktuelle Ausstrahlung reiche ja weit – bis ins Universum. Der Stadtammann, der auch Mitglied des Stiftungsrates ist, meinte damit das ALL. So lautet die Abkürzung für das Aargauer Literaturhaus Lenzburg, dem aktuellen kulturellen Hauptnutzer der ehrwürdigen Räume.

Schwieriger Start

Stiftungs-Quästor und Mann der vor-ersten Stunde, Franz Renggli, erinnerte die Festgemeinde daran, dass am Anfang der Stiftung «kein feierlicher Gründungsakt» stand, sondern die «bittere Erkenntnis» von Hans Müller, seinen einzigen Sohn zu überleben und somit ohne Nachkommen bleiben zu müssen.

Hans Müller war eines von drei Kindern von Adolf Müller und trat als allseits «beliebter Hausarzt alter Schule» (Krebs) in die Fussstapfen seines Vaters. Sein Bruder Paul war bereits 1975 verstorben und so lebte Hans Müller zusammen mit seiner Schwester Gertrud in der sogenannten Belétage des Müllerhauses.

Mit einer Stiftung sollte der Nachwelt Haus und Geist erhalten werden, doch der Start verlief nicht reibungslos. Renggli erinnerte daran, dass von der Eingabe der Stiftungsurkunde beim Kanton bis zur Publikation im Handelsamtsblatt, nervenstrapazierende 16 Monate vergingen.

Pinselstrich in der Pionierphase

Nach den Geburtswehen kam die Pionierphase, die Kultur-Abteilungsleiter Hans Ulrich Glarner damals als Stiftungsratspräsident hautnah erlebte. Neben den Bemühungen am die bauliche Sanierung galt es das Haus wieder mit Leben zu füllen.

Da legte man noch selbst Hand an und mit der «Aktion Pinselstrich», zu der Rotarier eingebunden wurden, wurde der Keller flugs in einen Ausstellungsraum verwandelt, wie Glarner zurückblickte.

Auch wenn vor wenigen Jahren wieder finanzielle Sorgen dräuten, die durch das ALL-Engagement des kantonalen Kuratoriums nachhaltig entschärft werden konnten, ist das Müllerhaus nun etabliert und gesichert. Via das Netzwerk Müllerhaus haben zahlreiche Organisationen ihren Sitz im «Müllerhaus – Das Kultur-Gut», so das offizielle Label.

Verschiedene Anlässe locken unterschiedliches Publikum an. Geschäftsführerin Karin Büchli als guter Geist konnte mit gutem Gewissen feststellen: «Das Müllerhaus lebt.»

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