Beinwil am See
Der Böjuer Abstimmungsmarathon endete kurz vor Mitternacht – die BNO ist samt Auszonungen genehmigt, das Museum verhindert

Mit dem letzten Teil der Bau- und Nutzungsordnung sagt die Gemeindeversammlung Ja zum gutschweizerischen Kompromiss. Nur ein Abänderungsantrag kam durch. Der hat aber Folgen für ein Kulturprojekt.

Nadja Rohner
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Die Stimmberechtigten kamen für einmal nicht im Löwensaal, sondern im extra angemieteten Zelt unter.

Die Stimmberechtigten kamen für einmal nicht im Löwensaal, sondern im extra angemieteten Zelt unter.

Nadja Rohner

Was war das für ein Krampf! Erst kurz vor Mitternacht genehmigten die 301 anwesenden von total 2382 Böjuer Stimmberechtigten auch noch den letzten Teil ihrer Bau- und Nutzungsordnung. Es geht um die von der Gemeindeversammlung im November 2019 verlangte Überprüfung aller noch unbebauten W2b-Zonen auf ihre Auszonungstauglichkeit. Der Gemeinderat schlug vor: Die W2b wird um 3,2 Hektaren verkleinert, von 11 auf 7,8 Hektaren. Rückzonungen zur Landwirtschaftszone gibt’s nur im Umfang von gut 4100 Quadratmetern. Der Löwenanteil, 2,64 Hektaren, wird der Grünzone zugewiesen (darunter das 1,94 Hektaren grosse «Tschuepli»). Der Gemeinderat nannte dies einen Kompromiss zwischen verschiedenen Interessen.

An der Gmeind, die wegen dem Besucheraufmarsch und den coronabedingt notwendigen Abständen in einem extra angemieteten Festzelt stattfand, wurde intensiv über diese Vorlage diskutiert. Es gab zahlreiche Änderungsanträge, die den Stimmenzählern alles abverlangen (sie machten aber einen hervorragenden Job). Die meisten Anträge stellte der Landschaftsschutzverband Hallwilersee: Er forderte bei rund zehn zusätzlichen Parzellen eine Auszonung aus der Bauzone (stattdessen Landwirtschaftszone). Keiner der Anträge hatte eine Chance. Diskutiert wurde lange über das «Tschuepli» und ob es wirklich zur Grünzone werden soll. Ein Antrag, dies zu verhindern, scheiterte. Und der Versuch, die Seehalde (Bauzone, bereits mit rechtskräftigem Gestaltungsplan für sieben Häuser) auszuzonen, kam ebenfalls nicht durch.

Steuerfuss bleibt unverändert

Nur ein einziger Antrag aus dem Plenum, ganz am Ende des Abstimmungsmarathons gestellt, kam durch: Die Parzelle 80 in der Widematt wird nicht Zone für öffentliche Bauten und Anlagen, wie vom Gemeinderat vorgeschlagen, sondern Grünzone. Hier darf also für etwa 15 Jahre nichts gebaut werden. Und dies machte das letzte Traktandum hinfällig: Der Gemeinderat hatte nämlich beantragt, diese Parzelle der «Seven Seas Art Foundation» im Baurecht für 1 Franken pro Jahr zu überlassen. Stiftungsgründer Urs Buchmann und seine Frau wollten hier ein Museum bauen für ihre Kunstsammlung, die so auch öffentlich zugänglich gemacht werden sollte. Das ist nun nicht mehr möglich.

Problem- und kommentarlos genehmigt wurden an der Wintergmeind das Budget mit gleichbleibendem Steuerfuss von 102 Prozent, ebenso Kredite für neue Endgeräte an der Kreisschule aargauSüd und den Ausbau der Rankstrasse.

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