Lenzburg

Bahnhof soll positive Visitenkarte werden

Der Bahnhofplatz wird verschönert - und zwar mit einfachen Mitteln. Der Sieger des Projektwettbewerbs Neugestaltung Bahnhofplatz ist nun gefunden.

Fritz Thut
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Ein helles, filigranes Dach ist das Hauptmerkmal des Siegerprojekts «Loop» für die Neugestaltung des Lenzburger Bahnhofplatzes. zvg

Ein helles, filigranes Dach ist das Hauptmerkmal des Siegerprojekts «Loop» für die Neugestaltung des Lenzburger Bahnhofplatzes. zvg

Die Neugestaltung des momentan beileibe nicht einladend wirkenden Bahnhofareals steht schon lange auf der Traktandenliste des Lenzburger Stadtrats. «Diese Eingangspforte ist absolut keine positive Visitenkarte für unsere Stadt», so Stadtammann Hans Huber. Nun geht es mit dem Projekt vorwärts: Der Wettbewerb für die Neugestaltung des Bahnhofplatzes wurde abgeschlossen.

Gewonnen hat mit dem Projekt «Loop» eine Arbeit des Winterthurer Büros Stutz+Bolt+Partner, das in Lenzburg in den letzten Jahren schon die Wettbewerbe für die Dreifachturnhalle Angelrain und das Weiterbildungszentrum der Berufsschule für sich entschieden hat. «Diese Leute scheinen eine besondere Affinität zu Lenzburg zu haben», kommentierte Stadtammann und Jury-Präsident Huber den Ausgang des anonym ausgeschriebenen Wettbewerbs.

«Mit einfachsten Mitteln»

Mit «Loop» hat jener Vorschlag obenaus geschwungen, der von allen sieben Eingaben, die die zweite Wettbewerbsrunde erreichten, am schlichtesten daherkommt. Architekt Herbert Schmid, Jury-Sprecher der Fachpreisrichter, begründet den Entscheid wie folgt: «Die Aufgabe mit einer komplexen Situation bei engen Platzverhältnissen wurde hier mit einfachsten Mitteln gelöst.»

Mit «wenigen, präzisen Elementen und Eingriffen» hätten die Autoren auf die vorgefundene Situation reagiert, steht im Schlussbericht des Preisgerichts. Kernstück des Siegerprojekts ist das «loopartige, filigrane Dachelement, das die verschiedenen Funktionen unter sich aufnimmt». Die helle, mit Metall verkleidete Konstruktion stellt eine Verbindung vom bestehenden (und bleibenden) Bahnhofgebäude zum neu angelegten Busterminal dar und bietet den Passagieren Schutz vor Niederschlag.

Buskanten und Velostapelanlage

«Dies ist für die Kunden ein grosser Vorteil; sie stehen nicht mehr im Regen», hält René Bossard, Geschäftsführer der Regionalbus Lenzburg AG (RBL) und Mitglied der Sachjury, fest. Die RBL-Busse können künftig fünf bis sechs Anlagekanten unabhängig anfahren, was die Übersichtlichkeit gegenüber heute, wo sie in Einerkolonne anstehen müssen, massiv verbessert. «Wir bekommen eine gute, komfortable Situation», fasst Bossard die Vorzüge des Siegerprojekts zusammen.

«Loop» hat auch für das missliche Veloparking eine einfache Lösung parat: Zwischen dem Bahnperron6 und der heutigen Bushaltestelle wird eine zweigeschossige Stapelanlage für 450 Velos für Ordnung sorgen. Ein zweites Veloparking ist als westlicher Platzabschluss, bei der heutigen «Seetaler» Haltestelle, geplant.

Als weiterer grosser Vorteil von «Loop» wird von den Preisrichtern die einheitliche Platzgestaltung genannt. Der Belag aus grossformatigen Ortbetonplatten wirkt gemäss Schmid wie «von Gleis zu Gleis gespannt». Nur wenige abgesetzte Kanten, etwa bei der Richtung Stadt verschobenen «Seetaler» Haltestelle, würden die Aufgaben bezeichnen. Dass der ganze Platz als Begegnungszone, wo Autos als Zulieferer zu den «Kiss & Ride»-Zonen höchstens noch geduldet sind, definiert sind, versteht sich in der diesbezüglichen Pionierstadt Lenzburg fast von selbst.

Projektierungskredit noch 2011

Für Richard Buchmüller, den Leiter des Lenzburger Stadtbauamtes, schafft der Vorschlag «Loop» «eine hohe Identität». Dies ist wichtig, bestand doch eine Aufgabestellung des Wettbewerbs darin, «eine starke Vernetzung mit der Umgebung zu erzielen». Gemäss Stadtammann Huber ist der künftige Bahnhofplatz «ein wichtiges Scharnier zwischen dem alten und dem neuen Lenzburg».

Das Projekt soll jetzt zügig umgesetzt werden. Die Stadt Lenzburg, der Kanton Aargau und die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) sind hier Partner, die in der Wettbewerbsphase gut zusammengearbeitet haben, wie bei der Präsentation der Wettbewerbsergebnisse verschiedentlich herausgestrichen wurde. Doch nun gilt es erst richtig ernst: Ein Kostenteiler für das 10 bis 12 Millionen Franken teure Vorhaben muss gefunden werden.

Anschliessend ist wieder die Stadt am Zug: Gemäss Buchmüller will man dem Einwohnerrat noch in diesem Jahr einen Projektierungskredit beantragen. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir dies schaffen», so der Stadtbaumeister. Im nächsten Jahr wird geplant, und wenn alles glatt geht, beginnen im Jahr 2013 die Bauarbeiten.