Windenergie

Windenergie-Initiant macht sich für Megawatt-Anlage stark

Am Aargauer Energiegipfel wurden das Hightech-Zentrum Aargau und eine Minergie-P-Eco-Siedlung vorgestellt. Und ein Initiant warb für ein erstes richtiges Windkraftwerk im Mittelland. Doch wo steht eigentlich die Windenergie im Aargau?

Mathias Küng
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Den künftigen Windpark «uf em Chalt» gibt es erst virtuell: Die Fotomontage zeigt im Vordergrund die geplanten Windräder in Kirchleerau, dahinter jene auf Trienger Boden.

Den künftigen Windpark «uf em Chalt» gibt es erst virtuell: Die Fotomontage zeigt im Vordergrund die geplanten Windräder in Kirchleerau, dahinter jene auf Trienger Boden.

Walter Christen/Luventa

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima vor vier Jahren entschied sich der Bundesrat für die Energiewende, die derzeit im Parlament in Bern heiss diskutiert wird. Ein zentraler Punkt: Es sollen keine neuen AKW gebaut werden, wenn die bestehenden altershalber ausser Betrieb gehen. Doch woher dann den fehlenden Strom nehmen? Nebst zusätzlicher Wasserkraft erwartet der Bundesrat viel von den neuen erneuerbaren Energien, auch von der Windkraft.

Energiegipfel: Mit Innovation am Ball bleiben

In Aarau trafen sich gegen 400 Personen zum jährlichen Energiegipfel. Landammann Urs Hofmann legte dar, wie der Energiekanton Aargau mit Innovationen am Ball bleiben will. Martin Bopp, Geschäftsführer des Hightech- Zentrums Aargau, erläuterte, was dieses als Partner für KMU bieten kann (die az hat das Zentrum am 13. März vorgestellt). Der Geologe Peter Burri machte deutlich, der Zug für Geothermie sei trotz Fehlschläge in St. Gallen und Basel längst nicht abgefahren, das Potenzial sei riesig. Christian Kündig von Implenia erläuterte den Nutzen einer Minergie-P-Eco-Siedlung.

Ende 2013 zählte die Schweiz insgesamt 33 grosse Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 60 Megawatt (MW). Diese produzierten 2012 laut Angaben des Bundesamts für Energie 88 Gigawattstunden (GWh) Strom. Das entspricht dem Jahresbedarf von knapp 25 000 Haushalten.

Im Aargau gibt es bisher in Schmiedrued ein kleineres Windrad. Laut den Zielen der Energiestrategie 2050 soll die Stromproduktion mit Windkraft bis im Jahr 2020 auf 600 Gigawattstunden und bis 2050 sogar auf 4300 Gigawattstunden steigen. Das wäre fast eine Verfünfzigfachung der heutigen Produktion. Wenn die Schweiz das erreichen will, bedarf es aber noch enormer Anstrengungen.

5 mögliche Standorte im Aargau

Die Zahl der von den Windgeschwindigkeiten her grundsätzlich geeigneten Standorte ist begrenzt. Das zeigt die Schweizer Windkarte. Im Mittelland sind geeignete Standorte besonders dünn gesät. So hat der Aargauer Grosse Rat auch nur fünf begrenzte Räume ausgeschieden, wo Windkraftanlagen möglich sein sollen. Das sind nicht zufällig Standorte, an denen auch entsprechende Projekte existieren (siehe Artikelende).

Eins von mehreren Projekten

Regelmässig unternimmt ein von Dieter Schäfer organisierter und vom Kanton, von grossen Firmen und Verbänden unterstützter Aargauer Energiegipfel spannende Ausblicke auf die Energiezukunft (siehe Box). Am jüngsten Gipfel gestern in Aarau vor knapp 400 Zuhörerinnen und Zuhörern war unter anderem die Windenergie ein Thema.

Niklaus Walther, Initiant des Windenergieprojekts «Uf em Chalt» Staffelbach, machte sich für eine erste Windenergieanlage der Megawattklasse im Mittelland stark. Walther ist Steinbildhauer, Ingenieur für Energie und Umwelttechnik und Geschäftsführer des Projekts. Er rechnete vor, es brauche 730 Windräder, um das Ziel des Bundesrates zu erreichen. Der Windanteil sei nicht überaus gross, räumte er ein, aber er könne einen Beitrag zur Energiewende leisten.

Kein Discoeffekt mehr

Walther verwies darauf, dass in der Schweiz zwei Drittel der Windstromausbeute im Winter anfällt, also dann, wenn die Schweiz zur Nettoimporteurin wird. Mit Blick auf eine allfällige künftige Stromlücke könne Windenergie zur Versorgungssicherheit beitragen. Für Walther reicht es nicht, solche Anlagen in Norddeutschland oder auf dem Mont Crosin zu besichtigen.

Man solle hier eine bauen, um herauszufinden, wie viel Strom sie im Mittelland tatsächlich liefern kann, was der Strom dann effektiv kostet und wie die Auswirkungen auf Landschaft, Tiere und Menschen sind. Solche Anlagen würden heute anders errichtet als noch vor 10, 15 Jahren, sagt Walther.

Diese erzeugten den berüchtigten «Discoeffekt», also Lichtreflexionen durch die Rotorblätter, nicht mehr. Derzeit versuche man zudem, in einer Machbarkeitsstudie herauszufinden, ob der Turm auch aus Holz möglich wäre.

Wie auch immer die Anlage gebaut würde: Wenn in 20 Jahren die Geothermie die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllen sollte, könnte man die bis dann amortisierten Windanlagen wieder abbauen, so Walther. Doch jetzt kämpft der Initiant erst einmal dafür, dass überhaupt einmal eine Referenzanlage gebaut wird.

An diesen Aargauer Standorten sollen Windkraftanlagen entstehen:

Kirchleerau/Triengen: Vier Anlagen sollen Strom für 2800 Haushalte bringen

Insgesamt vier Windkraftanlagen sollen in den Gemeinden Triengen LU und Kirchleerau AG entstehen. Die Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW) möchten an der luzernisch-aargauischen Grenze jährlich Strom für 2800 Vierpersonenhaushalte produzieren und gut 18 Millionen Franken investieren. Mit dem Bau der vier Windkraftanlagen kann CKW nach dem Baubewilligungsverfahren aber frühestens 2017 beginnen. Bis dahin seien raumplanerische Vorbedingungen zu erfüllen, hält die CKW auf ihrer Homepage fest.

Beinwil Freiamt/Hitzkirch LU: Projekt Lindenberg östlich vom Baldeggersee

Das Projektgebiet für einen Windpark Lindenberg befindet sich an der Kantons- und Gemeindegrenze zwischen Hitzkirch LU und Beinwil Freiamt AG. Beteiligt sind u.a. CKW, AEW, ennova SA. Die Initianten prüfen laut CKW einen Windpark mit bis zu 10 Windkraftanlagen, die Strom für mehr als 10 000 Haushalte produzieren können. Um herauszufinden, wie die Windverhältnisse sind, finden während 18 Monaten Messungen statt. Danach werden diese ausgewertet und mit langfristigen Wettermessdaten aus der Region verglichen, um eine genauere Aussage für die Windkraftnutzung auf dem Lindenberg zu machen.

Kienberg/Oberhof: Projekt Burg an der Grenze zwischen Aargau und Solothurn

2011 wurde in Olten die Betriebsgesellschaft Windpark Burg AG gegründet. Gründungsaktionäre sind Kienberg, AEW Energie AG, vento ludens Suisse GmbH und die Genfer Stadtwerke. Das Projektgebiet findet sich an der Grenze zwischen dem Kanton Solothurn und dem Kanton Aargau auf einer Jurahöhe. Messungen zeigten, dass auf Burg in 100 m Höhe eine mittlere Windgeschwindigkeit von 6 Metern pro Sekunde vorherrsche. Im November hat die Gemeinde Oberhof den Vertrag für den Windpark unterschrieben. Der Windpark soll einmal bis zu 21 GWh Energie pro Jahr produzieren und damit grünen Strom für bis zu 4700 Vierpersonenhaushalte liefern.

Zeiningen: Messungen für Projekt auf dem Hundsruggen schon 2007

Das Gebiet Hundsruggen in Zeiningen im Fricktal war eigentlich nicht im Visier der Aargauer Kantonsregierung. Es wurde 2013 auf Antrag von Grossrat Roland Agustoni (GLP, Rheinfelden) in den Richtplan aufgenommen. Auch der Gemeinderat hatte die Aufnahme in den Richtplan befürwortet. In Zeiningen verfolgen die Brüder Heini und Edi Freiermuth das Projekt schon seit Jahren. Bereits 2007 und 2008 waren mittels eines 48 Meter hohen Mastes Windmessungen erfolgt. Roland Agustoni sagte nach seinem Antrag: «Für mich ist die Windkraft ganz wichtig. Wo Projekte möglich sind, sollten sie meiner Meinung nach auch verfolgt werden.»

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