Oldtimertour
Wer sich keinen Oldtimer leisten kann, mietet ihn bei ihm

Wer sich keinen Oldtimer leisten kann oder will, aber gern damit fahren würde, kann sich einen mieten. Und zwar bei Georges Guggenheim aus Brugg. Er hat das Geschäftsmodell von England kopiert.

Claudia Meier
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Georges Guggenheim ist Inhaber der Argovia Classics in Lupfig. Mario Heller

Georges Guggenheim ist Inhaber der Argovia Classics in Lupfig. Mario Heller

Mario Heller

Georges Guggenheim aus Brugg bietet das seit 2010 unter dem Namen «Argovia Classics» an. Vor seiner Garage an der Bahnhofstrasse in Lupfig präsentiert er alle vier Fahrzeuge auf dem Platz: Citroën 2 CV «Döschwo» (Baujahr: 1986), Ford Taunus 15M (1967), Triumph TR6 (1972) und den Klassiker Morgan Plus 4.

Guggenheims Kunden kommen zu 80 Prozent aus dem Umkreis von rund 100 Kilometern um den Firmenstandort. Die meisten sind zwischen 40 und 70 Jahre alt. «Um ein gewisses Risiko auszuschliessen, muss der Mieter mindestens 25 Jahre alt sein und den Führerausweis seit 5 Jahren besitzen», sagt Georges Guggenheim, der sich bewusst für Fahrzeugmodelle entschieden hat, die keine Raser anziehen. Manchmal wünschen die Kunden nach der Instruktion eine Probefahrt.

Klausenpass ist sehr beliebt

Argovia Classics ist ein Familienbetrieb und legt Wert darauf, dass alle Fahrzeuge in einem technisch einwandfreien, gepflegten, betriebssicheren und sauberen Zustand sind. Gefahren wird – je nach Wetter – von Mitte März bis Ende Oktober. Mit Salz und Schnee sollten die Oldtimer nicht in Kontakt kommen. Zu den bevorzugten Routen seiner Kunden sagt Guggenheim: «Ich weiss nicht, wie oft unser Triumph pro Jahr über den Klausenpass fährt.»

Bei Nicht-Aargauern sei auch die Rundfahrt via Schloss Wildegg und um den Hallwilersee beliebt. Der überzeugte Oldtimer-Fahrer gibt gern Touren-Tipps: «Beim Klausenpass empfehle ich, unter der Woche zu reisen, weil am Wochenende meist unzählige Velofahrer unterwegs sind.» Wenn ein Kunde wegen schlechten Wetters annulliert, kostet ihn das zwar nichts, er kann dann aber bei der nächsten Buchung maximal zwei Tage im Voraus reservieren.

Auf die Geschäftsidee kam der studierte Historiker und Politologe bei Reisen durch England und Schottland, auf denen er selber öfters Oldtimer gemietet hatte. Eine Tagesmiete kostet je nach Auto zwischen 330 und 435 Franken inklusive Benzin und eine bestimmte Anzahl Kilometer. Besonders begehrt sind Mieten für Hochzeiten. Manchmal werden die Oldtimer für ein verlängertes Wochenende gebucht.

Viele Kunden kommen, weil sie einen Geschenkgutschein erhalten haben. «Meine Generation wuchs mit dem Döschwo und dem VW Käfer auf», so Guggenheim. Oft seien die Döschwo-Mieter jene, die selbst ein solches Modell besassen und das spezielle Fahrgefühl wieder erleben möchten. Der Oldtimer-Liebhaber erzählt von einem Mann, der von Bekannten mit einem Gutschein beschenkt wurde, um alte Erinnerungen wieder aufleben zu lassen.

Die Guggenheims bieten während der ganzen Mietdauer eine telefonische Helpline an. «Bisher gab erst einmal ein Fahrzeug den Geist auf und ich holte die Kunden im Toggenburg ab», erzählt Georges Guggenheim. Alle Autos sind als Vermietfahrzeuge haftpflicht-, teil- und vollkaskoversichert. Ausserdem ist die 24-Stunden-Pannenhilfe gesichert. Der Vermieter fährt regelmässig mit allen Autos, «damit ich sofort erkennen kann, wenn etwas nicht in Ordnung ist». In den Wintermonaten werden die Oldtimer sorgfältig gewartet und im Turnus restauriert.

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