Vernichtung
Warum ungenutzte Designermöbel im Keller der Staatsanwaltschaft stehen

Drei Jahre standen 15 Le Corbusier- und ein Vitra-Möbel ungenutzt in den Kellerräumen der Aargauer Staatsanwaltschaft herum. Diese Woche sollen sie vernichtet werden – endlich. Denn es handelt sich um Plagiate, die bereits 2011 beschlagnahmt wurden.

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Plagiate solcher berühmter Stühle von Le Corbusier lagerten drei Jahre lang im Keller der Staatsanwaltschaft in Aarau.

Plagiate solcher berühmter Stühle von Le Corbusier lagerten drei Jahre lang im Keller der Staatsanwaltschaft in Aarau.

Alex Spichale

Die Geschichte hat einen leicht absurden Touch. Und dennoch geht alles mit rechten Dingen zu. Im Keller der kantonalen Staatsanwaltschaft hinter dem Bahnhof in Aarau befinden sich seit September 2011 fünfzehn Sessel und Liegen, die man auf den ersten Blick für echte Le Corbusier-Möbel hält. Sie sind aber nicht echt, sondern sie sind gefälscht. Es handelt sich also um Plagiate – oder in der Sprache der Internetverkäufer – um «Reproduktionen» oder «Replikate».

Die Kunden hatten zwar gewusst, das es sich bei den bei einem englischen Internethändler bestellten Möbeln nicht um originale Le Corbusier-Objekte handelt. Sie wurden also keineswegs betrogen, sie haben aber nun trotzdem das Nachsehen. Denn sie werden ihre Kopien nicht erhalten.

Schlimmer noch: Im Laufe dieser Woche werden die gefälschten Möbel aus dem Zivilschutzkeller entfernt und zerstört. Die Staatsanwaltschaft hat keine andere Wahl; das Gesetz verlangt die Zerstörung der Plagiate. Die Besitzer der Marke «Le Corbusier» haben sich erfolgreich gewehrt.

Alle gefälschten Möbellieferungen des Internethändlers an Schweizer Kunden wurden von der eidgenössischen Zollverwaltung abgefangen, nach Aarau geliefert und dort eingelagert.

Als am Montag die Geschichte im Internet verbreitet wurde, meldeten sich auch sofort Interessenten, welche die Möbelkopien gerne übernommen hätten. So auch Béatrice Koller, Gemeindeammann von Jonen. Sie hätte die Möbel gerne für den Schüleraufenthaltsraum und den Jugendraum der Jugendarbeit Kelleramt gehabt. Doch sie wird wie alle andern Interessenten leer ausgehen.

Wieder genügend Platz im Keller

Auch das Verfahren gegen einen Beschuldigten hat die Staatsanwaltschaft im November 2014 eingestellt. Der Mann der auf der Homepage der Internetfirma und im Handelsregister als Geschäftsführer eingetragen war, hatte lediglich als «Strohmann» gedient. Ihm konnte nichts nachgewiesen werden.

Dies führt zur vorläufigen Bilanz: Es gibt kein Verfahren, also auch keinen Schuldigen, es gibt zwar 15 illegale Le Corbusier-Kopien und eine von Vitra-dazu; aber nicht mehr lange. Die Kunden haben bestellt, aber nichts bekommen – ausser Ärger mit der Polizei. Und die Jugendräume in Jonen bleiben vorderhand unmöbliert. Immerhin hat es jetzt im Keller der Staatsanwalt wieder Platz für neue Einlagerungen aller Art.

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