Berikon
Untersuchungshaft für Skandalarzt Malm beantragt – schwere Vorwürfe von angestellten Ärzten

Die Ermittlungen der Behörden gegen Ingo Malm laufen seit anderthalb Jahren, doch der Beschuldigte bestreitet alle Vorwürfe. Ärzte, die bei ihm angestellt waren, wollen die Praxis allenfalls übernehmen.

Fabian Hägler
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2011 waren es Vorwürfe von Krankenkassen, er verrechne zu viele Leistungen – im Bild ein Brief von Santésuisse – heute droht Ingo Malm eine Anklage wegen Betrugs und Urkundenfälschung. (Archiv)

2011 waren es Vorwürfe von Krankenkassen, er verrechne zu viele Leistungen – im Bild ein Brief von Santésuisse – heute droht Ingo Malm eine Anklage wegen Betrugs und Urkundenfälschung. (Archiv)

Fabian Hägler

Ingo Malm ist von der Polizei festgenommen und befragt worden. Derzeit sitzt er in Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Betrug und Urkundenfälschung vor und hat deshalb drei Monate Untersuchungshaft beantragt. Der Antrag basiert laut Fiona Strebel «auf umfangreichen Untersuchungshandlungen der Kantonalen Staatsanwaltschaft» in der zweiten Hälfte des Jahres 2017. Der Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts, ob die Untersuchungshaft bewilligt wird, dürfte am Freitag fallen. Strebel hält fest, der Beschuldigte bestreite die Tatvorwürfe, es gelte die Unschuldsvermutung.

Rückblende: Seit dem 17. September 2014 darf Ingo Malm im Aargau nicht mehr selbstständig als Arzt tätig sein. Zuvor hatte das Bundesgericht seine Beschwerde gegen den Entzug der Berufsausübungsbewilligung abgewiesen. Diese hatte ihm der Regierungsrat entzogen, weil die für eine ärztliche Tätigkeit notwendige Vertrauenswürdigkeit nach mehreren zivil-, straf- und aufsichtsrechtlichen Verfahren nicht mehr gegeben sei. Der deutsche Arzt hatte Patienten ohne die nötige Bewilligung Medikamente abgegeben und die Betäubungsmittelkontrolle in seiner Praxis war mangelhaft.

Malm gab seine Praxis in Rudolfstetten auf und gründete die Ärztezentrum Mutschellen AG in Berikon. Dort war er Verwaltungsrat und stellte mehrere Ärzte an. Immer wieder gab es Gerüchte, dass Malm auch selber Patienten behandle, also trotz Verbot ärztlich tätig sei. Hinweise gingen unter anderem beim kantonalen Ärzteverband ein, dieser informierte den Kantonsarzt. Im Herbst 2016 reichte das Departement Gesundheit und Soziales eine Anzeige gegen Ingo Malm ein. Die Vorwürfe: Widerhandlung gegen das Gesundheitsgesetz, konkret unerlaubte Berufsausübung.

Ermittlung bringt neuen Verdacht

Fiona Strebel, Sprecherin der kantonalen Staatsanwaltschaft, sagt auf Anfrage: «Nach ersten Abklärungen verdichteten sich die Hinweise, dass mehr als nur ein Verstoss gegen das Gesundheitsgesetz vorliegen könnte.» Darum habe die Staatsanwaltschaft im Mai 2017 ein Untersuchungsverfahren eröffnet. In der Folge habe man «zur Klärung der Verdachtslage» bei Dritten sachdienliche Unterlagen zusammengetragen. Dies sei bei dokumentenbasierten Wirtschaftsstraffällen die Regel und erforderlich, «um den Beschuldigten mit konkreten Vorhaltungen konfrontieren zu können», wie Strebel sagt.

Vorwürfe von angestellten Ärzten

Mehrere der insgesamt neun Ärzte, die in Malms Gemeinschaftspraxis arbeiteten, trafen sich am Donnerstag zu einer Sitzung mit Kantonsarzt Martin Roth. Dieser erklärte nach der Zusammenkunft mit den nun arbeitslosen Medizinern gegenüber "Tele M1", das Ziel der Besprechung habe darin bestanden, die Patientenversorgung sicherzustellen und den Zugang zu den Krankenakten in der geschlossenen Praxis zu gewährleisten. Es sei denkbar, dass die bisher angestellten Ärzte ihre Tätigkeit in den Räumlichkeiten des Ärztezentrums Mutschellen weiterführen könnten.

Diese erheben bei Tele M1 schwere Vorwürfe gegen Ingo Malm. Offenbar hätten sie monatelang keinen Lohn bekommen, berichtet der Regionalsender. Einem der Ärzte, die bis Ende letzter Woche noch in der Gemeinschaftspraxis gearbeitet haben, soll Malm gut 78'000 Franken schulden. Der Betroffene überlege sich, den inhaftierten Skandalarzt zu verklagen.

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