Tabuthema Sommerferien: Dürfen Lehrer Corona-Polizei spielen?

Mein schönstes Ferienerlebnis – ein beliebtes Aufsatzthema zum Schulstart hat aktuell besondere Bedeutung. Dabei geht es vor allem um Ferien in Risikoländern und ob Lehrer danach fragen dürfen.

Sharleen Wüest
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Am ersten Schultag soll in Zürich nicht über die letzten fünf Wochen gesprochen werden.

Am ersten Schultag soll in Zürich nicht über die letzten fünf Wochen gesprochen werden.

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Am Montag startete in vielen Kantonen der Schulalltag. In der Regel erzählen die Schülerinnen und Schüler aufgeregt von ihren Sommererlebnissen, Aufsätze werden geschrieben und in den Klassenzimmern wird freudig diskutiert.

Wenn es nach Silvia Steiner, Bildungsdirektorin im Kanton Zürich geht, soll das Thema auf die schwarze Liste kommen, wie der «Tagesanzeiger» berichtet. Sie sagt, dass Lehrer in Zürich nicht nachforschen dürfen, ob sich ihre Schüler in einem Risikobiet aufgehalten haben und eigentlich in Quarantäne sein sollten. Dies verstosse gegen den Datenschutz.

Gegen diese Regelung regte sich Widerstand. «Zu wissen, wo die Schüler in den Ferien waren, ist Teil der Eindämmungsstrategie.», sagte der Basler Epidemiologe Marcel Tanner. Auch Lehrerinnen und Lehrer wehrten sich sich dagegen. Gespräche rund um die Sommerferien seien ein völlig normales Ritual. Dani Kachel, Präsident von SekZH, dem Verband der Zürcher Oberstufenlehrer, sagte: «Wenn man das nicht mehr darf, sind wir mit diesem Coronavirus wirklich an einem komischen Ort angelangt.»

Und wie ist es im Kanton Aargau? Dort dürfen Schülerinnen und Schüler nach wie vor von ihren Ferienerlebnissen erzählen. Eine systematisch Abfrage sei aber nicht vorgesehen, wie der Kanton auf Nachfrage der AZ bestätigt: «Lehrpersonen übernehmen nicht die Kontrolle der Einhaltung einer Quarantänepflicht.»