Interaktive Karte

Strompreise: So gross sind die Unterschiede in den Aargauer Gemeinden

Der Strompreis variiert von Gemeinde zu Gemeinde. Und die Unterschiede sind erstaunlich. Warum die Aarauer rund einen Drittel mehr als die Rottenschwiler für den Strom bezahlen müssen.

Jörg Meier, Elia Diehl
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In welcher Aargauer Gemeinde ist der Strom am teuersten, in welcher am günstigsten?

In welcher Aargauer Gemeinde ist der Strom am teuersten, in welcher am günstigsten?

NCH/MTA

Strom ist günstig. Und meistens verfügbar. Kein Wunder, wissen die wenigsten Stromkonsumenten, wie viel denn genau der Strom kostet, den sie verbrauchen. Oder woher er kommt. Oder man wundert sich, wenn man erfährt, dass der Strompreis fast von Gemeinde zu Gemeinde variiert. Und die Differenzen sind erstaunlich.

Was sind Verbrauchsprofile?

Viele Stromlieferanten haben keinen Einheitspreis für alle Kunden, sondern machen ihre Tarife von der Menge und dem Zeitpunkt des Stromkonsums abhängig. Die Tarifstrukturen können komplex und von Lieferant zu Lieferant unterschiedlich sein. Um trotzdem einen Preisvergleich zu ermöglichen, hat das Bundesamt für Statistik mit vorgegebenen Verbrauchsprofilen gerechnet:

Verbrauchsprofile typischer Haushalte:

- 1'600 kWh/Jahr: 2-Zimmerwohnung mit Elektroherd

- 4'500 kWh/Jahr: 4-Zimmerwohnung mit Elektroherd und Elektroboiler

- 13'000 kWh/Jahr: 5-Zimmer-Einfamilienhaus mit Elektroherd, Elektroboiler, Tumbler, Wärmepumpe 5 kW zur Beheizung

Eine interaktive Karte mit weiteren Verbrachsprofilen privater Haushalte und von Gewerbe- und Industriebetrieben sowie mehr Details zu den Strompreisen finden Sie auf der Website der Eidgenössischen Elektrizitätskommission ElCom.

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Der Strompreis setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, die von den Netzbetreibern jedes Jahr publiziert werden müssen. Die Publikation erfolgt jeweils bis spätestens Ende August für die Preise des Folgejahres. Die Tarife bleiben im Normalfall für ein Jahr fest, können also nicht jederzeit angepasst werden.

Die 4 Komponenten des Strompreises:

- Netznutzungstarif: Preis für den Stromtransport vom Kraftwerk bis ins Haus. Mit den Einnahmen wird die Wartung und der Ausbau des Stromnetzes finanziert, also zum Beispiel Freileitungen, Masten und Transformatoren.

- Energiepreis: Preis für die gelieferte elektrische Energie. Diese Energie erzeugt der Netzbetreiber entweder mit eigenen Kraftwerken, oder er kauft sie von Vorlieferanten ein. Der Energiepreis wird auch von der Art der Energiequelle beeinflusst.  So führen hohe Anteile an erneuerbaren Energien (z.B. Wind-, Solar-, Biomasse-Energie) in der Regel zu höheren Energiepreisen.

- Abgaben an das Gemeinwesen: Kommunale und kantonale Abgaben und Gebühren. Darunter fallen z.B. Konzessionsabgaben oder lokalpolitische Energieabgaben.

- Bundesabgaben: Bundesabgabe zur Förderung der erneuerbaren Energien (kostendeckende Einspeisevergütung KEV) sowie zum Schutz der Gewässer und Fische. Die Höhe der Abgabe wird jährlich vom Bundesrat festgelegt. Die Abgabe ist überall gleich hoch.

(Quelle: www.strompreis.elcom.admin.ch)

Den günstigsten Strom gibt es in Rottenschwil. Die dortige Elektra-Genossenschaft liefert den Einwohnerinnen und Einwohnern Strom für 12,5 Rappen pro Kilowattstunde (kWh). Dies gilt für die Tarifstufe H4, also für einen Haushalt in einer 5-Zimmer-Wohnung mit Elektroherd und Tumbler. Am andern Ende der Skala befindet sich Aarau. Dort kostet in der gleichen Tarifstufe eine Kilowattstunde 20,81 Rappen. Noch teurer ist der Strom lediglich in Teufenthal (21,17 Rp/kWh) und in Murgenthal (20,99 Rp/kWh).

Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 4500 kWh/Jahr für eine Familie bedeutet dies, dass die Rottenschwiler 562.50 Franken für den Strom bezahlen, die Aarauer hingegen für die genau gleiche Menge 936.45 Franken.

Stromparadies Rottenschwil

Ein Blick auf die Stromtarifkarte zeigt, dass viele Freiämter Gemeinden günstigen Strom anbieten; im Westaargau hingegen ist der Strom am teuersten. So belegen gleich fünf Freiämter Gemeinden die Spitzenplätze: Rottenschwil, Berikon, Besenbüren, Arni und Niederwil sind die Spitzenreiter in der Kategorie H4; am Schluss der Rangliste liegen Strengelbach, Zofingen, Aarau, Murgenthal und Teufenthal.

Auch schweizweit belegt Rottenschwil in der Strompreisrangliste einen Spitzenplatz. Immer wieder muss deshalb Alois Schumacher, Kassier der Elektra Rottenschwil-Werd, den Medien Auskunft geben. Die Elektra sei als Genossenschaft nicht gewinnorientiert, erklärt Schumacher. Man arbeite viel, mit einer geringen Marge und einer schlanken Administration. Zudem bezahle man nur eine bescheidene Konzessionsabgabe an die Gemeinde.

Der eigene Netzbetrieb für TV, Radio, Internet und Telefon mit tiefer Monatsgebühr trage zum guten Ergebnis der Elektra bei. «Wir sind gegen Bürokratiemonster wie die Energiestrategie 2050», sagt Schumacher, und man sei vorsichtig mit Investitionen in Experimente mit Smarttechnologie.

Stolz ist man hingegen auf den Anteil an Photovoltaik im Dorf; auch da gehört Rottenschwil im Verhältnis zur Grösse des Dorfes im schweizerischen Vergleich zur Spitze. Eine «kluge Einkaufspolitik und ein sorgsamer Umgang mit den vorhandenen Ressourcen» gehören ebenfalls zum Rottenschwiler Rezept.

Qualität hat ihren Preis

Warum kostet der Strom in Aarau mehr als in Rottenschwil? Hans-Kaspar-Scherrer, CEO der Eniwa AG, nennt drei Gründe.

«Versorgungssicherheit ist oberstes Gebot. Deshalb erneuern wir kontinuierlich unser Mittelspannungsnetz und ersetzen überalterte Komponenten, die teilweise schon vor 50 Jahren im Boden verlegt worden sind.» Diese Investitionen ins weitverzweigte Netz verteuern den Strom. Dieser Erneuerungsbedarf werde bei vielen neueren Netzen erst später auftreten oder man warte einfach, bis ein Versorgungsunterbruch entstehe, und reagiere erst dann, sagt Scherrer weiter.

Teurer ist der Aarauer Strom aber auch deshalb, weil die Eniwa AG seit dem 1. Januar 2017 allen Tarifkunden in Aarau und den 22 Konzessionsgemeinden 100 Prozent erneuerbaren Strom aus Schweizer Wasserkraft anbietet; mit einem Anteil vom eigenen Aare-Kraftwerk in Aarau.

Damit setze man konsequent das um, was die Aarauerinnen und Aarauer 2012 an der Urne beschlossen hätten: dass die Stadt und Eniwa künftig auf erneuerbare Energien setzen sollen. Aber diese Qualität hat ihren Preis: «Leider ist es aber zurzeit so, dass es günstigeren Strom aus dem Ausland gibt als den Strom aus Schweizer Wasserkraft, der mit Wasserzinsen und weiteren Abgaben und Auflagen verteuert wird», erklärt Scherrer.

Das gelte auch für den Strom aus dem eigenen Kraftwerk. Auch der ist vorderhand deutlich teurer als importierter Strom und wird mit 2 Rappen Wasserzinsabgaben und Heimfallverzichtsentschädigung pro Kilowattstunde belastet.

Für Scherrer ist deshalb der Preis pro Kilowattstunde eine relative Grösse, die sich rasch verändern kann und stark von den Qualitätsansprüchen der Kunden und den zusätzlichen Gebühren und Abgaben abhängt.