Gerichtsfall
Sie machte Männern schöne Augen und nahm sie aus – nun muss sie in Therapie

Mit schönen Augen und fantastischen Lügengeschichten hat eine Aargauerin mehrere Männer um rund eine halbe Million Franken geprellt. Vor Gericht weinte die notorische Betrügerin und sagte: «Ich bin gemein.» Sie versprach, ihr Leben zu ändern.

Attila Szenogrady
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Mit schönen Augen und fantastischen Lügengeschichten hat eine Aargauerin mehrere Männer um rund eine halbe Million Franken geprellt (Symbolbild).

Mit schönen Augen und fantastischen Lügengeschichten hat eine Aargauerin mehrere Männer um rund eine halbe Million Franken geprellt (Symbolbild).

Keystone

«Sie haben eine Gabe, alles so geschickt zu bringen, dass Ihnen die Leute Ihre Geschichten abkaufen», erklärte der Gerichtsvorsitzende Roger Weber der attraktiven Beschuldigten, die während der Urteilseröffnung vom Donnerstag in Freudentränen ausbrach und sich kaum beruhigen konnte. Sie umarmte sogar die Staatsanwältin.

Obwohl diese nur kurz zuvor verlangt hatte, die notorische Betrügerin für 42 Monate hinter Gitter zu bringen. Stattdessen erhielt sie nun vom Gericht eine letzte Chance: So wurde eine unbedingte Freiheitsstrafe von 32 Monaten zugunsten einer ambulanten Psychotherapie aufgeschoben. Allerdings im Rahmen eines begleiteten Wohnens.

Schon wieder im Gefängnis

Dabei hatte die heute 27-jährige Aargauerin schon zum Prozessauftakt trotz ihres vorteilhaften Aussehens einen denkbar schlechten Eindruck hinterlassen. So wurde sie von Polizeibeamten in Handschellen in den Gerichtsaal geführt. Weil sie kürzlich einen Liebhaber um nicht weniger als 212 000 Franken gebracht hat, sitzt heute erneut im Gefängnis.

Das aktuellste Opfer sass im Gerichtsaal und nahm mit Erstaunen zur Kenntnis, dass er nicht als Erster des starken Geschlechts bei der Beschuldigten schwach geworden war.

Die Beschuldigte gab die Vorwürfe der Anklageschrift grundsätzlich zu. So geisterte sie ab Sommer 2009 als angebliche Millionenerbin durch die Zürcher Partyszene und trat auch in den Boulevard-Medien wiederholt als «Glamour-Girl» und sexy «Party-Queen» auf. Die alleinerziehende, zweifache Mutter leistete sich auch einen aufwendigen Lebensstil mit teuren Kleidern und Rennpferden. Zudem verkehrte sie in diversen Zürcher Clubs nur im VIP-Bereich.

Mehrere Männer ausgenommen

Heute ist klar, wie sich das frühere Kind mit einem Aufmerksamkeitsdefizit den extravaganten Lebensstil leisten konnte. Sie machte liebenswürdigen Schweizer Männern schöne Augen und nahm sie finanziell aus. «Ich war gemein», schluchzte sie vor den Gerichtsschranken. Jetzt wolle sie ihr Leben endlich ändern, versprach sie.

Die Masche der Täterin war einfach. So wickelte sie die fünf Geschädigten mit erfundenen Geschichten und fiktiven Notlagen um den Finger. Sei es, um mit einem Darlehen an ein Erbe zu kommen. Oder einer geschiedenen Kollegin zu helfen, deren Kinder von ihrem Ex-Mann in Afghanistan festgehalten würden.

In einem weiteren Fall kassierte sie von einem Pferdehändler für fünf Pferde im Voraus 14 000 Franken ein. Mit dem Schönheitsfehler, dass die gelegentliche Kokainkonsumentin gar keine Tiere besass, geschweige denn liefern konnte.

Therapie als letzte Chance

Als die Beschuldigte aufflog, hatte sie einen Schaden für rund eine halbe Million Franken angerichtet. Allein ein Opfer hatte ihr über 162 000 Franken übergeben. Auf Nimmerwiedersehen.

Das Gericht sah nun die Therapie als letzte Chance an und war damit bei der Sanktion im Wesentlichen dem Antrag der Verteidigung gefolgt. Auch diese hatte den Aufschub einer Strafe, allerdings von nur zwölf Monaten, verlangt. Verbunden mit Teilfreisprüchen, da die Rechtsanwältin die Betrügereien wegen der Opfermitverantwortung als nicht erwiesen betrachtete.

Das Gericht sah in den meisten Fällen die Betrügereien als erwiesen an. Präsident Weber warnte zuletzt die Beschuldigte: «Sollte die Therapie scheitern, wartet auf Sie das Frauengefängnis in Hindelbank.»

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