Bezirksgericht Brugg
Sex-Sadist bekam mildere Strafe wegen Medien – zu Recht, finden Juristen

Der 63-jährige Mann aus Hendschiken, der am Freitag vom Bezirksgericht Brugg zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, bekam eine Strafmilderung. Dies, weil Medien im Vorfeld über den Fall berichtet hatten.

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Das Bezirksgericht Brugg hat einen 63-jährigen Mann aus Hendschiken unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung, Gefährdung des Lebens, mehrfacher qualifizierter sexueller Nötigung und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig gesprochen. Acht Jahre muss er ins Gefängnis.

Straferhöhend habe sich im Fall des 63-Jährigen sein «absolut fehlendes Unrechtsbewusstsein» ausgewirkt, wie Gerichtspräsidentin Chantale Imobersteg bei der Urteilsverkündung sagte. Im Gegenzug gab es für ihn jedoch aufgrund der Berichterstattung einzelner Medien eine Strafmilderung.

Soll ein Straftäter milder bestraft werden, nur weil im Vorfeld der Verhandlung in den Medien über ihn berichtet wurde?

Das Gericht habe die Berichterstattung zu Recht als strafmildernd beurteilt, sagt Strafverteidiger Urs Oswald gegenüber «TeleM1». «Dabei handelt es sich um eine mediale Vorverurteilung. Man stellt wie im Mittelalter jemanden an den Pranger. Auf diese Art und Weise wird jemand bestraft.»

Der Aargauer SVP-Nationalrat und ehemaliger Gerichtspräsident Luzi Stamm stellt hinter diese Praktik ein Fragezeichen. Die Strafen für ein schweres Gewalt- oder Sexualdelikt müssten an sich schon hoch sein. Für ihn ist fraglich, ob die Tatsache, dass jemand vor der Verhandlung «von den Medien fertig gemacht wurde», bereits für eine Strafmilderung sorgen könne.

Keine Regelung

Wie hoch diese Strafmilderung ausfallen kann, ist nicht geregelt. Das Strafgesetzbuch macht diesbezüglich keine konkreten Vorgaben. Dass dies nicht quantifiziert sei, sei «ein grosses Problem», meint Strafrechtsprofessor Martin Killias.

Weil das Gericht in der Urteilsbegründung nicht angibt, wie hoch diese Strafmilderung in den einzelnen Punkten ausgefallen ist, wird auch nicht klar, wie konkret sich die mediale Berichterstattung im Fall des Hendschiker Sex-Sadists ausgewirkt hat.

Eine Strafmilderung kam übrigens auch im Fall des «Drogenpfarrers» aus dem Kanton Solothurn zum Zug. Dies, weil er wohl nie mehr in seinem Beruf arbeiten kann. (ldu)

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