Studie

Seit 2010 konnten im Aargau 147 Firmen angesiedelt werden

Eine Studie zeigt, dass die Qualität des Standortes Aargau hoch ist, aber noch weiter optimiert werden kann. Aktiv angesiedelte Firmen bewirkten namhafte Steuermehreinnahmen. Über die Hälfte der neu angesiedelten Firmen kamen aus dem Ausland.

Mathias Küng
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Standortförderin Annelise Alig Anderhalden.

Standortförderin Annelise Alig Anderhalden.

Chris Iseli/ AZ

Hanser Consulting hat im Auftrag des für die Standortförderung zuständigen Departements von Landammann Urs Hofmann die Aktivitäten der aargauischen Standortförderung untersucht. In einer 55-seitigen Studie hält die Beraterfirma unter der Leitung von Annelise Alig Anderhalden fest, dass der Aargau anders als die meisten Vergleichskantone Zürich, Luzern, Solothurn, Baselland, Schaffhausen, St. Gallen und Waadt nicht an einer kantonsübergreifenden «Area» beteiligt ist, die für sie Akquisitionsleistungen erbringt. Der Aargau war einst bei der «Greater Zurich Area» dabei, trat aber vor Jahren aus, weil Aufwand und Ertrag nicht stimmten.

Dass der Aargau nicht mehr dabei ist, hat in der Einschätzung von Hanser Consulting zur Folge, dass der Kanton im Vergleich zur Zahl der realisierten Ansiedlungen relativ viele Offerten stellen und Erstkontakte pflegen muss. Dafür entfallen umgekehrt die namhaften Kosten für die Tätigkeit einer «Area».

Zwischen 2010 und 2017 konnten mit Unterstützung der Abteilung Standortförderung 147 Firmen im Kanton Aargau angesiedelt werden. Die zwischen 2010 und 2016 angesiedelten Firmen generierten demnach 2016 für den Kanton und die Gemeinden Steuererträge von insgesamt 3,8 Millionen Franken. Von den Mitarbeitenden dieser Firmen stammten 2016 Steuererträge von rund 22 bis 30 Millionen Franken. Von den 147 zwischen 2010 und 2017 mit Unterstützung der Abteilung Standortförderung angesiedelten Firmen stammen 55 Prozent aus dem Ausland und 45 Prozent aus anderen Kantonen.

Hanser Consulting leitet sechs Empfehlungen ab:

  • Falls der Aargau die Ansiedlungen aus dem Ausland namhaft erhöhen will, müsse er die bereits hohe Standortqualität des Kantons weiter erhöhen und die Akquisitionsanstrengungen gezielt verstärken.
  • Mit Blick auf eine günstige Entwicklung der Aargauer Wirtschaft erscheine es empfehlenswert, die Bestandespflege – trotz geringerer Sichtbarkeit ihrer Effekte – tendenziell auszubauen.
  • Die Bedeutung neuer Unternehmen sei für die aargauische Volkswirtschaft erheblich. Denn unter den Start-ups seien immer wieder Firmen mit wegweisenden neuen Ideen und Technologien. Da in der Jungunternehmerförderung verschiedene spezialisierte Institutionen bestehen, könne die Abteilung Standortförderung hier auch künftig nur ergänzend wirken.
  • Die Verfügbarkeit geeigneter Grundstücke für interessierte Firmen sei fundamental. Empfohlen wird, das Projekt «Arealentwicklung» zu reaktivieren. Zudem könnte es wertvoll sein, wenn die öffentliche Hand über Grundstücke verfügen würde, die sie für volkswirtschaftlich besonders interessante Ansiedlungen oder Betriebserweiterungen zur Verfügung stellen könne.
  • Da sich die Qualitäten anderer Standorte im In- und Ausland sehr rasch verändern können, müsse der Aargau permanent deren Entwicklung beobachten und bei Bedarf seine Standortqualitäten gezielt verbessern.
  • Schliesslich empfiehlt Hanser Consulting, die Befristung des aargauischen Standortförderungsgesetzes aufzuheben, damit der Aargau wie die betrachteten anderen Kantone auch künftig den rechtlichen Rahmen für die Standortförderung hat.

Alle Empfehlungen könnten gemäss Studie im Rahmen des bestehenden Gesetzes umgesetzt werden.