Aarburg

Schliessung der ältesten Aargauer Badi wäre «ein Fiasko»

Das Freibad in Aarbug muss für mehrere Millionen saniert werden. In Aarburg zweifelt man daran, dass die Investition getätigt wird. Das stösst meistenorts auf Missfallen.

Patrick Furrer
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«Quo badis?» – Für Campingwirt Ridha Baccouch, der auch den Badi-Kiosk führt, und den Zelt- und Wohnwagenklub wäre eine Schliessung «ein Fiasko».

«Quo badis?» – Für Campingwirt Ridha Baccouch, der auch den Badi-Kiosk führt, und den Zelt- und Wohnwagenklub wäre eine Schliessung «ein Fiasko».

Über dem Aarburger Nostalgiebad hängt das Damoklesschwert. Das 1931 eröffnete Freibad – das älteste im Kanton – muss für mehrere Millionen saniert werden, sonst wird es in absehbarer Zeit schliessen müssen. Da Aarburg nicht auf Rosen gebettet ist, zweifeln selbst langjährige Badigäste daran, dass die Gemeinde sich die Millionensanierung leisten sollte. Mehrheitlich steht für die Aarburgerinnen und Aarburger aber fest: Die Badi-Schliessung wäre ein herber Schlag.

Ein Schlag unter die Gürtellinie gar? Stellvertretend für weitere Onlinekommentare meint jedenfalls Ruedi Bügler, Präsident der Vereine Hundeklub Aarburg und Chinderschlössli sowie Leiter des Perry-Centers: «Eine ideenlose Gesellschaft. Es gibt immer Lösungen – wenn der Wille da ist und man den Aufwand nicht scheut.» Zofingertagblatt.ch-Userin «Marisa» schreibt zudem, der Gemeinderat solle nicht immer wieder mit dem Sparargument kommen. «Geld wurde schon für schlimmere Sachen ausgegeben. Bald hat Aarburg nichts mehr. Alles geht zu!»

Umsatzeinbussen beim Camping

Nicht nur emotional träfe eine Badi-Schliessung das Städtli. Teile des Gewerbes wären auch monetär negativ betroffen – allen voran der benachbarte Campingbetrieb Wiggerspitz. «Schliesst die Badi, sind starke Umsatzeinbussen vorprogrammiert», sagt Wirt Ridha Baccouch, der nebst dem Badikiosk das Camping-Restaurant führt. An manchen Tagen mache er die Hälfte des Umsatzes mit Freibadgästen. «Viele kommen wegen unseres Mittagsmenüs rüber», sagt Baccouch, «eine Schliessung wäre ein Fiasko.» Die Badi gehöre zu Aarburg. Die dürfe man nicht einfach aufgeben, weil sie viel kostet. Das findet auch Dini Hasani, Chef des Restaurants La Perla. «Wir hätten im Sommer deutlich weniger Gäste ohne Badi», sagt Hasani. Mit weniger Publikum müsste auch die Event-Lounge Aare-Chill direkt zwischen Badi und Aare rechnen. «Wir würden einen sehr guten Partner verlieren», sagt Betriebsleiterin Sarah Thueler. «Die Schliessung wäre ein grosser Verlust für Aarburg und die Region.» Ein Weiterbetrieb des Aare-Chill sei aber auch ohne Badi möglich.

Alt, dementsprechend günstig und nostalgisch-schön ist die Aarburger Badi. Eine Sanierung ist nach Ansicht der Behörden längst überfällig.

Alt, dementsprechend günstig und nostalgisch-schön ist die Aarburger Badi. Eine Sanierung ist nach Ansicht der Behörden längst überfällig.

Verlust an Standortattraktivität

Bei einer Schliessung könnte die Gemeinde wohl sparen, da die Badi ein Kostentreiber ist. Gleichzeitig ist absehbar, dass Aarburg mit dem neuen Finanzausgleich bessere Zahlen schreibt. Ob der Verlust der fast einzigen Attraktion des Städtlis nicht so schwer wiegt, dass dies auch gute Steuerzahler abschreckt, ist offen. Für einige Aarburger ist die Badi im Sommer zu einem zweiten Zuhause geworden. So etwa für Ruth Flück, die seit über 50 Jahren das Schwimmbad besucht. «Ein Aarburg ohne Badi ist für mich und viele Andere schwer vorstellbar.» Auch Ruedi Bühler zieht seit fünf Jahrzehnten im 50-Meter-Becken seine Längen. «Für Familien und die vielen Schulkinder wäre ein Badi-Aus tragisch.» Die Badi sei ein Treffpunkt, «eine Institution».

Wie es weitergeht? Ende November fällt die Gemeindeversammlung mit dem Planungskredit über 150'000 Franken einen ersten Grundsatzentscheid. Verloren ist noch nichts – Egerkingen etwa genehmigte im Juni drei Millionen Franken für die Sanierung seiner Badi. Auch Wohlen repariert sein Freibad. Reto Signorell, Präsident des Gewerbeverbands Aarburg (GVA) sagt: «Allgemein gesagt, wäre eine Schliessung für die Attraktivität unserer Gemeinde sicherlich von Nachteil.» Wie weit der Frust bei einer Stilllegung gehen könnte, lässt der Kommentar einer weiteren Online-Kommentatorin, Aarburgerin und Mutter vermuten: «Wenn das passiert, dann zieh ich weg.»