Steuerstatistik 2009

Rentner haben viel Geld und zahlen viel Steuern

Aargauer versteuern im Mittel 64700 Franken Reineinkommen und 261000 Franken Vermögen. Das Absacken der Börsenkurse um 40 Prozent im Jahr 2008 hat viele Leute viel Geld gekostet, die Reinvermögen gingen darum zurück.

Hans Lüthi
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Bei den Steuern und Vermögen der Aargauer geht es um viel Geld, um arme Leute und Millionäre, ebenso um spannende Erkenntnisse. Die Pensionierten bezahlen pro Steuerpflichtigen 3763 Franken, die Werktätigen unter 65 Jahren nur 3471 Franken.

Bei den Einkommenssteuern sind die Rentner mit 2914 gegenüber 3133 Franken leicht tiefer, aber dank der Vermögenssteuer von 949 gegenüber 338 Franken überholen die alten Leute das arbeitende Volk. «Bei den 20- bis 65-Jährigen sind die Jungen enthalten, von denen viele wenig bis nichts verdienen und kaum Vermögen haben. Das drückt den Durchschnitt nach unten», sagt Roland Aregger vom Kantonalen Steueramt.

Das steuerbare Vermögen zementiert das Bild von den reichen Älteren: Im Mittel hat jeder Steuerpflichtige (Ehepaare gelten als eine Person) rund 182000 Franken Reinvermögen, die Rentner besitzen im Mittel 509000 Franken.

Weniger Geld nach Börsencrash

Das Absacken der Börsenkurse um 40 Prozent im Jahr 2008 hat viele Leute viel Geld gekostet, die Reinvermögen gingen darum von 2007 bis 2009 um 4,2 Prozent auf mittlere 261000 Franken zurück. Interessant dabei: Die Altersklasse 65plus hat es weniger getroffen, ihre Vermögen gingen nur um 4,2 Prozent zurück, bei den 50- bis 64-jährigen Personen waren es fast 10 Prozent. Der Börsencrash hat auch die mittlere Vermögenssteuer auf 336 Franken (einfache Kantonssteuer) im Vergleich zu 2007 um 18,8% fallen lassen

Die Reineinkommen (Einkommen minus Abzüge) sind in den zwei Jahren bis 2009 um 3,0% auf 64700 Franken gestiegen. Die einfache Kantonssteuer stieg aber nur um 0,9 Prozent, weil sich der mildere Tarif auswirkte. Unter dem Strich mussten viele Aargauer sogar weniger bezahlen, «weil der Kanton 2008 und viele Gemeinden 2008 und 2009 ihre Steuern gesenkt haben», so das Departement von Finanzdirektor Roland Brogli.

14100 Personen ohne Einkommen

Im ganzen Verlauf des Jahres 2009 zählte der Aargau 348500 Steuerpflichtige mit einem steuerbaren Einkommen von 20 Milliarden und Vermögen von 63 Milliarden Franken. Die Statistik zeigt auch, dass 14100 Personen steuerlich betrachtet kein Einkommen haben – aber dennoch Vermögenswerte von 2 Milliarden Franken besitzen. Bei 62700 Steuerpflichtigen (18,7%) bewegt sich das Einkommen unter 30000 Franken, je ein Viertel befinden sich in der Spannweite von 30000 bis 50000 und 50000 bis 75000 Franken steuerbarem Einkommen. Nur 1,3 Prozent verdienen im Jahr mehr als eine Viertelmillion Franken.

Sie ist übrigens brandneu, auch wenn sie Ende 2012 scheinbar steinalt daherkommt, die Steuerstatistik 2009 der natürlichen Personen. Warum erst jetzt? «Weil die Veranlagung viel Zeit beansprucht, vor allem bei den schwierigen Fällen», erklärt Thomas Schaub, stellvertretender Leiter Statistik Aargau im Departement Finanzen und Ressourcen. Weil diese Personen am meisten Gelder in die Steuerkasse bringen, sei es falsch, die Statistik ohne sie zu machen.

Unterschiede nach Gemeinden

Durchschnittswerte verdecken gerne die Tatsache, dass es neben vielen gut betuchten Personen auch die Altersarmut gibt. Ebenso Leute, die mit ihrem Einkommen kaum den Lebensunterhalt finanzieren können, speziell betroffen sind Familien mit Kindern. Ein Blick auf die Gemeinden zeigt – wiederum durchschnittlich –, dass die Schmiedrueder mit nur 48200 Franken Reineinkommen am ärmsten dran sind und die Geltwiler am besten, mit 168800 Franken Steuereinkommen. Oder handelt es sich vielleicht nur um die ehrlichsten Steuerzahler? Vom Vermögen her gehören die Spreitenbacher zu den armen Mäusen, mit nur 114300 Franken. An der Spitze steht Meisterschwanden mit 1,2 Millionen Vermögen pro Kopf; hier dürfte die Statistik durch die Uhren-Familie Hayek stark verbessert worden sein.

Aarau ist ein weisser Fleck

In der Grafik der Einkommen und Vermögen nach Gemeinden ist Aarau als weisser Fleck dargestellt. «Alle anderen Gemeinden im Kanton nutzen die computergestützte Erfassung», erklärt dazu Thomas Schaub. In Aarau habe sich das bisher nicht durchgesetzt, darum fehlen die detaillierten Angaben aus der Kantonshauptstadt. Man rechne mit einem personellen Wechsel aber damit, dass auch Aarau bis in zwei oder drei Jahren alle Daten liefern könne.