Kontra-Kommentar

Neue Vorschriften an Schulen: «Anstand hat nichts mit der Kleidung zu tun»

Sind Kleidervorschriften an der Schule nötig oder wird damit das falsche Problem angegangen? Das Problem sind mangelnder Respekt und Selbstbeherrschung anderer, es wird jedoch mit einem Schlabber-Hemd für die «Sünderin» gelöst.

Eva Berger
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Bauchfrei oder in Jogginghose zur Schule - Kleidervorschriften sind umstritten.

Bauchfrei oder in Jogginghose zur Schule - Kleidervorschriften sind umstritten.

KEYSTONE

Ungewaschene Achtklässler im Pyjama oder Bikini muss sich die Schule nicht zumuten. Gerade in der Pubertät ist das schnell auch ein olfaktorisches Problem und stört die Klasse. Kindern zudem klarzumachen, dass später von ihnen erwartet wird, sich im Beruf an entsprechende Vorgaben zu halten, ist wichtig. Manch eins kommt nämlich selber nicht drauf.

Es überspannt aber den Bogen, wenn das äussere Erscheinungsbild Thema im Zeugnis wird. Abgesehen davon, dass dafür objektive Kriterien fehlen (was heisst «anständig»?), sollen auch Kinder grundsätzlich selber entscheiden können, was sie anziehen. Noch bedienen sie ja keine Bankkunden am Schalter oder verkaufen Anzüge. Und eine saubere Jogginghose stört den Unterricht sicher nicht.

Stossend ist, wenn nackte Haut verboten wird, um unangenehme Situationen zu vermeiden. Diese entstehen aber nicht wegen eines kurzen Shirts, sondern weil ein blutter Bauch unnötig sexualisiert wird und das zu übergriffigem Verhalten führen kann, in Wort und Tat. Das Problem sind also mangelnder Respekt und Selbstbeherrschung anderer, es wird jedoch mit einem Schlabber-Hemd für die «Sünderin» gelöst. Statt Kleiderregeln zu befolgen, sollten Schüler besser ein anständiges Miteinander lernen. Darauf kommt es an.