Oftringen
Neue Hightech-Anlage in Oftringen: Post beschleunigt Online-Bestellungen

Die Post startet in Oftringen mit YellowCube eine Hightech-Lager-Anlage für Onlinehändler. Das automatisierte System spuckt bestellte Güter dank intelligenter Robotertechnik innert Kürze für den Versand aus.

Michael Flückiger
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Herrscher über 32 000 Lagerbehälter: 35 Logistikroboter spucken Güter auf Bestellung ruckzuck aus.

Herrscher über 32 000 Lagerbehälter: 35 Logistikroboter spucken Güter auf Bestellung ruckzuck aus.

Zur Verfügung gestellt

Die Mengen im Briefversand sind rückläufig. Dafür wächst der Distanzhandel umso stärker. Um zehn Prozent wuchs die von der Post beförderte Paketmenge in den letzten fünf Jahren wegen gestiegener Bestellungen via Internet.

YellowCube: Onlinehandel Insourcen

YellowCube ist eine voll automatisierte Lager- und Kommissionierungsanlage, die die Post Onlinehändlern zur Verfügung stellt.

Der 40 Meter lange, 18 Meter breite und 6 Meter hohe Würfel beherbergt bis zu 32 000 Behälter in der Standardgrösse 60×40×31 cm.

35 Roboterwagen führen elektronische Bestellungen aus und holen aus jedem einzelnen Schacht, in dem sich bis zu 16 Boxen türmen, die Behälter hervor.

YellowCube schafft 70 Bewegungen pro Stunde und Arbeitsplatz. Im Zweischichtbetrieb kommissioniert die Anlage 12 000 Artikel täglich. (Mif)

Kunden vergleichen die Waren von Onlinehändlern bequem von zu Hause aus. Eine starke Differenzierung erfolgt über den Preis. Wichtig sind aber auch die Nutzerfreundlichkeit, die Bezahlungsabwicklung sowie die Versandkosten und die Liefergeschwindigkeit. Hier setzt die Schweizerische Post mit YellowCube an. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine hoch automatisierte Anlage, die bestellte Güter dank intelligenter Robotertechnik innert Kürze für den Versand ausspuckt.

Strategisch wichtig für die Post

Susanne Ruoff, Konzernleiterin.

Susanne Ruoff, Konzernleiterin.

AZ

Die Kunden, im Fokus stehen vor allem Onlinehändler mittlerer und kleinerer Grösse, können ihr ganzes Lager in 40 Meter langen, 18 Meter breiten und 6 Meter hohen Würfeln unterbringen. Via eine Schnittstelle sind sie jederzeit über Bestellungen, Lagerbestand und Retouren im Bild. Je nachdem haben sie die Möglichkeit, die Zahlungsflüsse integriert über Postfinance abzuwickeln.

Das Projekt ist für die Post, die über 70 Prozent des Schweizer Paketmarktes beherrscht, von hoher strategischer Bedeutung: «Wir wollen nicht, dass die Onlinehändler Anreize erhalten, eine eigene Logistik aufzubauen», sagt Susanne Ruoff zu den Medien in Oftringen. ‹YellowCube› bietet uns die Möglichkeit, dass wir Firmen nun die gesamte Leistungserstellung im Distanzhandel abnehmen können.»

Logistikcoup: Dieter Bambauer

Logistikcoup: Dieter Bambauer

mif

Geschwindigkeit ist alles

Am Roggenweg nahe der A1-Einfahrt füllen die Mitarbeitenden den magischen Würfel. Und dieser bedient sie laufend mit versandbereiten Waren.
Auf Wunsch nehmen die Mitarbeitenden auch Retouren entgegen, packen Güter aus und lagern diese wieder ein.

Wichtig ist, dass alles schnell geht. Dieter Bambauer, Leiter Postlogistics, ist gespannt, wie der Markt die Dienstleistung aufnimmt. Das Interesse sei gross. «Die Kunden wollen sehen, wie es funktioniert. In einem Jahr ziehen wir Bilanz. Künftig dürften rund fünf Prozent unserer Pakete über solche Anlagen laufen.»

Interview mit Marc Blank, Leiter YellowCube Oftringen

Marc Blank, Leiter YellowCube Oftringen

Marc Blank, Leiter YellowCube Oftringen

AZ

Wie sind Ihre ersten Erfahrungen mit YellowCube?

Marc Blank: Die Anlage läuft seit dem 1. Mai scharf und befördert, lagert und kommissioniert Waren. Abgesehen von Feinjustierungen läuft alles nach Plan. Der Inbetriebnahme waren ja auch umfangreiche Tests seit Anfang April vorausgegangen. YellowCube arbeitet millimetergenau. Um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten, mussten wir den wasserreichen Untergrund durch Pfähle verstärken.

Wie hoch ist die Auslastung aktuell?

In der ersten Phase fahren wir die Anlage im Einschichtbetrieb. Mit unseren zehn Ports zum Befüllen und Entladen benötigen wir derzeit ebenso viele Leute. Grundsätzlich liesse sich die Anlage 20 Stunden am Tag betreiben. Ein Roboter muss pro Tag vier Stunden aufladen, der Akku reicht im Anschluss für 20 Stunden Arbeit.

Im Moment sind gleichzeitig maximal 30 Roboter im Einsatz. Unser Ziel ist es, mit einem 2,5-Schichten-Betrieb zu arbeiten. Dazu werden wir rund 30 Leute brauchen.

Was für Kunden unterhalten aktuell ihre Warenlager und die ganze Kommissionierung bei Ihnen?

Derzeit betreiben wir ein Lager für den Konzerneinkauf der Post. Darüber hinaus setzen bereits acht mittelgrosse Firmen auf unsere Dienste. Leider können wir diese nicht nennen.

Was macht YellowCube für Ihre Kunden reizvoll?

Sie können ihre ganze Lagerhaltung und den Versand sowie auf Wunsch auch die Rechnungsstellung an die Post auslagern. Und wir sind sehr effizient und schnell beim Endkunden. Um eine durchschnittliche Sendung mit zwei Artikeln aufzubereiten, benötigen wir mit der Anlage rund 90 Sekunden. Das hilft Kosten sparen.

Zudem liegt unser YellowCube sehr nahe beim Paketzentrum Härkingen. Wir können dort rasch aufliefern. Das verkürzt die Zeit zwischen Bestellung und Auslieferung beim Kunden. Im Distanzhandel ist dies ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

Ihre Boxen sind begrenzt gross. Ausserdem liegt die Gewichtsbeschränkung bei 30 Kilogramm. Ist YellowCube auch für Kunden mit grösseren Gütern interessant?

Es gibt genug Händler, die keine grösseren Güter versenden. Wenn ein Händler auch grössere Güter im Angebot hat, wickeln wir diese über unser zusätzliches traditionelles Lager ab.

Lässt sich Ihre Anlage erweitern?

Möglich wäre es, einen weiteren YellowCube hinzustellen. Insgesamt könnten wir hier auf bis zu 100 000 Behälter ausbauen. Frauenfeld und Daillens wären ebenfalls Erweiterungsgebiete. Dort sind die anderen beiden Paketzentren stationiert.

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