Strengelbach
Lehrerin begeht Suizid – Abwart findet sie tot im Schulhaus

Ausnahmezustand in Strengelbach: Eine Lehrerin hat sich am Wochenende das Leben genommen. Am Sonntag war sie von einem Abwart tot im Kreuzplatzschulhaus aufgefunden worden. Wie geht die Schule mit diesem Todesfall um?

Michael Flückiger und Regina Wittmann
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Tatort Kreuzplatzschulhaus in Strengelbach: Hier verschied die Logopädin.

Tatort Kreuzplatzschulhaus in Strengelbach: Hier verschied die Logopädin.

Regina Wittmann

Wie die Repol am Sonntag bestätigte, handelt es sich um einen Suizid ohne Dritteinwirkung. Die Gemeinde Strengelbach versandte am Montag eine Pressemeldung. Darin betonten Gemeinderat, Schulpflege, Schulleitung und Lehrerschaft ihre Bestürzung und sprachen den Angehörigen Trost zu. Das Todesopfer sei eine Lehrperson, die nicht in Strengelbach wohnhaft gewesen sei. Aus Rücksicht auf die Betroffenen würden keine weiteren Auskünfte erteilt.

Care-Angebot an die Eltern

Expliziter flossen die Informationen an Schüler und Eltern. Jede Lehrperson informierte die Schüler am Montag früh persönlich in den Klassenzimmern. Die Kinder erhielten einen Brief an die Eltern mit auf den Weg. Dieser erwähnt die Lehrerin namentlich. Es handelt sich um die Logopädie-Therapeutin der Schule.

Im Brief bieten Gemeindeammann Stephan Wullschleger und Schulpflegepräsident Daniel Wüthrich den Eltern Hand für ein klärendes Gespräch, falls gewünscht. Ausserdem verweisen sie auf den Schulpsychologischen Dienst Zofingen, der verunsicherten Kindern und Eltern ab sofort zur Verfügung stehe. Der Schulbetrieb nahm am Montag seinen normalen Verlauf.

Die Schülerinnen und Schüler erfahren Unterstützung und Hilfe durch den Schulpsychologischen Dienst, Regionalstelle Zofingen (SPD). Zwei der Schulpsychologen waren den ganzen Vormittag nach der Bekanntgabe vor Ort, um Hilfestellung zu leisten. «Die Akutphase ist abgeschlossen », so Hans-Peter Schmidlin, Leiter des SPDs Kanton Aargau. «Wir stehen aber auch weiterhin begleitend zur Seite, wenn die Eltern oder Lehrer dementsprechend Bedarf bei einem Kind entdecken.»

In solch einem tragischen Fall spielen auch die Eltern eine wesentliche Rolle, um ihren Kindern die Verarbeitung zu erleichtern und zu helfen. Wichtig ist, dass die Eltern zuhören, sich Zeit nehmen und auf keinen Fall abwehren. «Der Schrecken wird nicht kleiner, wenn mans vertuscht», so Schmidlin. «Die Eltern müssen ihrem Kind signalisieren, dass sie alles erzählen können.»

Die Entscheidung, wann und wie das Kind sich mitteilen möchte, liegt in dessen Eigenverantwortung. Jedes Kind verarbeitet Erlebnisse anders, reagiert auf unterschiedliche Arten und schon gar nicht genau so wie das «Gspänli» nebenan.

Bedürfnisse im Vordergrund

«Kinder reagieren so, wie es für sie richtig erscheint. Eine subtile Begleitung ist wichtig», betont Schmidlin. «Das Schlimmste wäre, wenn Eltern gar hysterisch reagieren würden und den Details der Geschehnisse zu viel Aufmerksamkeit schenken. Die Bedürfnisse des Kindes stehen in diesem Moment im Vordergrund. Möchte es nicht mehr darüber reden, dann sollten die Eltern das akzeptieren. Meistens haben sich Dinge, über die ein Kind nicht mehr reden möchte, erledigt.»

Normalität ist wichtig

Das bestätigt auch Urs Schuhmacher – einer der Schulpsychologen, der in der Schule war. «Die nächsten drei Wochen sollte ein Augenmerk auf die Verhaltensweisen gelegt werden. Leidet das Kind an Schlaflosigkeit oder Appetitlosigkeit, unter Leistungsabfall in der Schule oder anderen Veränderungen, dann sollte Hilfe in Anspruch genommen werden, wenn es sich nicht wieder bessert. Das Beste ist in jedem Fall, den normalen Alltag fortzuführen.»

Das war auch am Montag in der Schule ein Wunsch der Kinder. Sie wollten, dass Normalität und Schulalltag erhalten bleiben. Beeindruckt war Schuhmacher von der Handlungsweise der Lehrerschaft. «Die Haltung und Professionalität, die das Lehrpersonal an den Tag legte, ist auf jeden Fall mit einer der Gründe, warum die Kinder diese Erfahrung gut überstanden haben. »

Er selbst besuchte jede Klasse und holte sich Rückmeldungen sowohl von den Schülern als auch von den Lehrern. «Lediglich ein Junge nutzte das Gespräch. Er wünscht sich in jedem Fall, dass er weiterhin sprachtherapeutische Unterstützung erhält, und wollte wissen, wie das in Zukunft ablaufen wird.» Der Schulpsychologische Dienst Zofingen ist erreichbar unter der Nummer 062 835 40 90.

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