Exhibitionist
Kinder identifizieren Mann: Er onanierte vor Schulhaus

Die Polizei hat einen 50-Jährigen festgenommen, der in den Kantonen Aargau und Zürich sich wegen mehrfacher sexuellen Handlungen mit einem Kind, mehrfachem Exhibitionismus und mehrfacher sexueller Belästigung schuldig gemacht haben soll.

Mario Fuchs
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Der Mann, etwa 50-jährig, sieht aus wie ein sportlicher Velofahrer. Doch statt vorbeizudüsen, hält er an: bei Schulanlagen, an Schulwegen, neben Fussballplätzen. Er wartet, bis Kinder herauskommen, vor ihm ausgelassen spielen. Dann passiert es: Er greift sich in die Hose, zeigt seine Geschlechtsteile, beginnt, sich vor den Kindern selbst zu befriedigen.

Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach teilte gestern mit: Gegen einen 50-jährigen Schweizer habe man «wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind, mehrfachem Exhibitionismus und mehrfacher sexueller Belästigung» ein Strafverfahren eröffnet.

Der Beschuldigte sei in Untersuchungshaft. Der Mann wird verdächtigt, sich von 2013 bis 2015 in den Kantonen Aargau und Zürich «wiederholt in Anwesenheit oder in Sichtweite von Kindern und Erwachsenen entkleidet und diesen nachfolgend seine Genitalien gezeigt zu haben». Dabei soll er jeweils «Kleider speziell zum Velofahren» getragen haben.

Erste Belästigung im Aargau

Die Taten wurden auf Schularealen, bei Turnhallen sowie entlang von Schulwegen begangen. Welche und wie viele verschiedene Schulen betroffen sind, ist noch unklar. «Das ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen», sagt Sandra Zuber, Sprecherin der Aargauer Oberstaatsanwaltschaft.

«Uns liegen mehrere gleich gelagerte Fälle vor, bei welchen der Beschuldigte als dringend tatverdächtig gilt. Da sich die Anzahl im Laufe der Ermittlungen ändern kann, machen wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben zur Anzahl der Verdachtsfälle», so Zuber.

Klar ist aber: Die erste Belästigung im Jahr 2013 muss sich im Aargau abgespielt haben. Denn: Die sogenannten Gerichtsstandsbestimmungen schreiben vor, dass jene Behörden zuständig sind, die als erste «Verfolgungshandlungen vorgenommen» haben.

Aufmerksam gemacht wurden die Aargauer Ermittler jetzt aber von ihren Zürcher Kollegen. Sie hatten eine Erkenntnisanfrage aus Zürich erhalten, nachdem sich dort ein Mann vor Fussball spielenden Kindern gezeigt, bis zum Samenerguss onaniert und dabei dauernd in Richtung der Kinder geschaut hatte. Dadurch ergab sich der Hinweis auf die gleich gelagerten, offenen Fälle im Kanton Aargau.

Anzeigen von Eltern und Lehrern

Identifiziert wurde der Übeltäter von den Kindern selbst: Die Polizei führte mit ihnen eine Fotowahlkonfrontation durch. Dabei sahen sie sich Bilder von verschiedenen Männern an und tippten auf die Person, die sie wiedererkannten. Gemeldet wurden die Taten des Exhibitionisten von verschiedenen Seiten. «Es gingen Anzeigen sowohl von Eltern der belästigten Kinder als auch von deren Lehrpersonen ein», sagt Sandra Zuber.

Manfred Dubach, Geschäftsführer des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands, sind die Meldungen nicht bekannt. «Bei uns waren solche Belästigungen vor Jahren einmal ein Thema, als sich eine Lehrperson erkundigte, wie sie in einem Ernstfall vorzugehen hätte», erklärt Dubach. Seither habe er von keinem konkreten Fall gehört. Er gehe davon aus, dass die Aargauer Lehrer wüssten, wie sie zu handeln hätten: Komme es zu einem Vorfall, sei der direkte Gang zur Polizei das einzig Richtige.

Dass sexuelle Belästigung auf dem Schulweg Realität ist, zeigt auch ein Vorfall, der sich vor den Sommerferien in Aarau ereignete. So berichtet Jonathan Müller, Schulleiter des Aarauer Gönhard-Schulhauses: «Eine Schülerin erzählte, ihr sei auf dem Schulweg ans Gesäss gefasst worden.» Die Eltern erstatteten Anzeige bei der Polizei, die Schulleitung informierte in einem Elternbrief.

«Wir machen die Kinder und ihre Eltern auf solche Gefahren aufmerksam», sagt Müller. Einerseits dürfe man keine zu grossen Ängste schüren. Anderseits könne Angst auch dafür sorgen, «dass unsere Schülerinnen und Schüler aufmerksamer sind».

Im Fall des 50-jährigen Exhibitionisten wurde eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Dabei wurden elektronische Datenträger sichergestellt, die jetzt untersucht werden. Zudem werden der Beschuldigte und mehrere Zeugen befragt. Die Staatsanwaltschaft lässt den Mann psychiatrisch begutachten. Mit Ausnahme der Tat in Zürich bestreitet er die ihm zur Last gelegten Sachverhalte.

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