Parteien-Nachwuchs
Juso-Präsident: «Die Aargauer SVP hat ein Altersproblem»

Zu viele alte Politiker, zu wenig Nachwuchsförderung: Fabian Molina, Präsident der Schweizer Jungsozialisten, will mehr Junge im Parlament und sieht insbesondere bei der SVP ein Überalterungsproblem. SVP-Urgestein Maximilian Reimann wehrt sich.

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Die Jungen machen Druck. Sie wollen mehr Platz im Nationalrat, die Sesselkleber sollen ihre Sitze räumen. Die Aargauer Grünen-Grossrätin Irene Kälin (28) fordert deshalb eine Amtszeitbeschränkung.

Nun haut auch Fabian Molina, Präsident der Juso Schweiz, in dieselbe Kerbe. Am Dienstagabend trat der 24-Jährige in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1 gegen das Aargauer SVP-Urgestein Maximilian Reimann (72) an.

«Die Senioren wünschen, auch weiterhin in Bern von einem Senioren vertreten zu werden», sagt der ältere der beiden Politiker gleich zu Beginn des Gesprächs. Und stellt klar: «Wir bevormunden unsere Wähler nicht.»

«Über-70-Jährige massiv untervertreten»

Eigentlich fühlt sich Reimann aber von der Offensive der Jungen gar nicht betroffen: «Ich bin in einer anderen Kategorie, in der der über 65-Jährigen – und dort bin ich der einzige.» Reimann sieht sich sogar in der Minderheit: Die Altersgruppe der Über-70-Jährigen sei im Nationalrat «massiv untervertreten».

Selbst wenn ein Platz frei werden würde, Fabian Molina fragt sich, ob es überhaupt jungen Ersatz gibt. «Offensichtlich hat die Aargauer SVP ein Altersproblem und auch ein Männerproblem.» Die Parteien seien für einen guten Generationenmix im Parlament verantwortlich und die SVP habe die Nachwuchsförderung verpasst.

Reimann hält dagegen: Einerseits habe die Junge SVP eine eigene Liste «mit 16 jungen Typen und Damen drauf». «Wir bekommen ja im Aargau ein zusätzliches Mandat und hoffentlich geht das an die Junge SVP, das wäre ja herrvorragend.»

Andererseits sei die SVP zur grössten und wählerstärksten Partei angewachsen. «Also haben wir doch unsere Sache richtig gemacht, haben wir doch auch Nachwuchsförderung gemacht.»

Ein anderer Blick auf die Welt

Ist das Alter eines Politikers nicht völlig nebensächlich?, fragt Moderator und az-Inlandchef Stefan Schmid. «Es ist klar, ich habe einen anderen Blick auf die Welt als Herr Reimann», sagt Molina. Er sei beispielsweise mit dem Internet aufgewachsen oder mache sich vermehrt Gedanken über Nachhaltigkeit.

«Es ist vielleicht kein Zufall, dass eine Partei mit vielen jungen Mitgliedern die Energiewende antreibt.» Es sei deshalb wichtig, dass auch eine «offene und moderne» Politik in Bern vertreten sei und nicht nur Parlamentarier, «die den Grossteil ihres Lebens schon hinter sich haben». Es sei nicht das eine besser als das andere, auf den Ausgleich komme es an.

Reimann kandidiert noch einmal für den Nationalrat und will sich dort für seine Generation einsetzen – zum Beispiel, wenn es um die Interessen von älteren Autofahrern geht.

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